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26.01.2010

09:01 Uhr

Landtagswahl in NRW

Rüttgers plant Wahlkampf á la Merkel

VonPeter Müller

ExklusivBeim Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen setzt Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auf mehrere Trümpfe: Angela Merkel und Angela Merkels Wahlkampf. Damit es am 9. Mai für Schwarz-Gelb reicht, will sich die Kanzlerin selbst mächtig ins Zeug legen. Rüttgers besinnt sich in seinem Wahlkampf allerdings auch auf einen Sozialdemokraten.

Angela Merkel und Jürgen Rüttgers: Gemeinsam wollen sie Schwarz-Gelb zum Sieg führen. dpa

Angela Merkel und Jürgen Rüttgers: Gemeinsam wollen sie Schwarz-Gelb zum Sieg führen.

BERLIN. Nach dem Wahlkampfauftakt am 10. April will Merkel nach Informationen des Handelsblattes an mindestens zehn Großveranstaltungen in NRW teilnehmen. Auch ihren Wahlkampfstil vom September will die NRW-CDU weitgehend übernehmen. So will Rüttgers der SPD inhaltlich möglichst wenig Angriffsfläche bieten. Der Wahlkampf werde daher stärker auf die Demobilisierung von SPD-Wählern abzielen als auf die Motivation eigener Anhänger, heißt es in der CDU.

Das Engagement der Kanzlerin zeigt, welche Bedeutung Merkel der NRW-Wahl beimisst. Für die Kanzlerin ist die Wahl in dem bevölkerungsreichsten Bundesland nicht nur eine erste Abstimmung über die Arbeit ihrer schwarz-gelben Regierung. Auch die Mehrheit von CDU/CSU und FDP im Bundesrat steht und fällt mit der Wahl in NRW.

Klare Signale über den möglichen Ausgang gibt es dreieinhalb Monate vor der Wahl noch nicht. Als sicher gilt nur, dass sich der fulminante Sieg der Union von 2005 (44,8 Prozent) kaum mehr erreichen lässt, da er auch ein Votum über Rot-Grün im Bund war. Während Forsa die CDU vergangene Woche bei 42 Prozent sah, kommt die Partei von Rüttgers in einer Umfrage des WDR vom Wochenende auf nur 36 Prozent. Gemeinsam mit der FDP, die neun Prozent erzielt, würde es nur für 45 Prozent und damit nicht für eine Mehrheit reichen.

Das soll sich ändern – nach einem bewährten, aber umstrittenen Rezept. „Asymmetrische Demobilisierung“, so hieß das zentrale Ziel der CDU-Kampagne bei der Bundestagswahl. Damit umschreiben Wahlforscher eine Strategie, die darauf abzielt, dass möglichst viele Anhänger des Gegners zu Hause bleiben. Diese Taktik soll auch Rüttgers helfen.

Aus Sicht der CDU gibt es dafür gute Gründe. Alle Argumente, die im Bund für einen wenig polarisierenden Wahlkampf sprachen, gelten auch für NRW. Wie die Kanzlerin liegen auch Rüttgers Sympathiewerte deutlich über dem Ergebnis seiner Partei und denen seiner Kontrahentin. Würde der Ministerpräsident direkt gewählt, käme Rüttgers derzeit auf 51, seine Herausforderin Hannelore Kraft (SPD) auf 38 Prozent. SPD-Anhängern, die mit Rüttgers leben können, sollen im Wahlkampf möglichst keinen Grund bekommen, für Kraft zu stimmen.

Diesem Ziel dient auch die Ausrichtung der Rüttgers-CDU. Um in dem strukturell sozialdemokratischen Land mehrheitsfähig zu sein, hat Rüttgers seine CDU noch konsequenter in der Mitte platziert als Merkel die Bundespartei. Sein Profil als „Arbeiterführer“, als „Mann der kleinen Leute“ zielt auf jenen Teil der SPD-Stammwähler, der Peer Steinbrück und Wolfgang Clement gut findet, mit der Linken aber nichts anfangen kann.

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