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02.09.2014

09:07 Uhr

Landtagswahlen

AfD-Chef kann sich Koalition mit SPD vorstellen

Vor den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg schließt AfD-Chef Bernd Lucke auch Koalitionen mit der SPD nicht aus. Seine Partei warte ab, wer auf sie zukomme.

Offen für Gespräche mit der SPD: AfD-Chef Bernd Lucke. dpa

Offen für Gespräche mit der SPD: AfD-Chef Bernd Lucke.

BerlinEineinhalb Wochen vor den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg hat sich der Chef der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, offen für Koalitionen auch mit der SPD gezeigt. „Wir sind keineswegs der geborene Koalitionspartner der CDU“, sagte Lucke am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Die AfD könne sich „durchaus auch andere Koalitionen vorstellen – mit der SPD beispielsweise“. Seine Partei laufe aber niemandem hinterher, fügte Lucke hinzu, sondern warte ab, ob jemand auf sie zukomme.

Die AfD hatte bei der Landtagswahl in Sachsen am Sonntag aus dem Stand fast zehn Prozent geholt. Auch bei den anstehenden Wahlen in Thüringen und Brandenburg kann sie auf gute Ergebnisse hoffen.

Lucke bestritt zudem, dass es parteiinternen Streit um die Russland-Politik gebe. Auch er halte Sanktionen gegen Moskau derzeit für verfrüht, betonte der Parteichef. Es sei dafür, „das Pulver trocken zu halten“ für den Fall, dass ein russischer Einmarsch in der Ukraine „wirklich unstreitig“ festgestellt werde. Deswegen sei er „zum jetzigen Zeitpunkt“ nicht für Sanktionen.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Parteivize Alexander Gauland, der auch Spitzenkandidat für die Wahl in Brandenburg ist, hatte vor einigen Tagen Lucke in einem Interview mit der rechtsgerichteten Zeitung „Junge Freiheit“ attackiert. Gaulands Ärger entzündete sich demnach an der Zustimmung Luckes und weiterer Europaabgeordneter zu einer russlandkritischen Resolution des Europaparlaments.

„Ich halte die Abstimmung für völlig falsch und empfinde sie als sehr unloyal gegenüber der Parteibasis“, sagte Gauland dem Blatt. Er verwies auf den Beschluss des AfD-Parteitags in Erfurt, wonach die Partei Sanktionen gegen Russland ablehne. Die EU arbeitet derzeit daran, die bereits seit längerem geltenden Sanktionen gegen Moskau wegen der Eskalation der Lage in der Ukraine zu verschärfen.

Von

afp

Kommentare (6)

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Herr Thomas Melber

02.09.2014, 09:31 Uhr

AfD - da weiß man, was man hat!

Herr Don Zeckito

02.09.2014, 10:07 Uhr

Also ich, als Sympatisant und Befürworter der neuen politischen Kraft kann mir ganz und gar nicht vorstellen das die AfD eine Koalition mit der abgehalfterten SPD eingeht. Eher befürworte ich einen Bund mit den Linken, da die sachpolitischen Schnittmengen gegeben sind.

Rine Koalition mit der SPD hätte enormen Image- und Glaubwürdigkeitsschaden für die AfD.

Frau Helga Trauen

02.09.2014, 10:22 Uhr

Die AfD ist auch von Sozialisten beseelt. Christlicher Sozialismus eben. Eine liberale Partei ist das nicht. Wer als Liberaler die AfD wählt, hat nichts verstanden...

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