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09.09.2014

16:58 Uhr

Landtagswahlen

AfD-Erfolg alarmiert Merkel

Die AfD hangelt sich von einem Wahlerfolg zum nächsten. Das beängstigt selbst Kanzlerin Merkel. Von den CDU-Wahlkämpfern fordert sie deshalb, auf AfD-Themen zu setzen. Die Brandenburg-AfD feiert das als Erfolg.

Merkel reagiert auf Wählerabwanderung

„Die AfD ist ein Problem aller Parteien“

Merkel reagiert auf Wählerabwanderung: „Die AfD ist ein Problem aller Parteien“

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BerlinDer Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) für die Landtagswahl in Brandenburg und Vize der Bundes-AfD, Alexander Gauland, wertet es als Erfolg für seine Partei, wenn die Union nun versucht, mit AfD-Themen beim Wähler zu punkten. „Je stärker wir werden, desto größer der Wille in den anderen Parteien, unsere Positionen zu übernehmen oder wenigstens zu bedenken“, sagte Gauland im Interview mit Handelsblatt Online (Das komplette Interview lesen Sie morgen bei Handelsblatt Online). In der CDU und in der FDP gebe es ja mit Wolfgang Bosbach und Frank Schäffler durchaus Politiker, die kritisch zur Euro-Rettung stünden. „Je stärker die werden, umso größer ist unser Erfolg.“ Das Mitregieren sei da erstmal zweitrangig.

Eine mögliche Koalition mit der CDU würde zudem an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) scheitern. „Da müsste eine Revolte in der CDU ausbrechen, damit eine Koalition mit uns möglich wird. Das ist eher unwahrscheinlich. Daher glaube ich nicht, dass wir uns damit beschäftigen müssen“, so Gauland.

Dessen ungeachtet ist Gauland überzeugt, dass sich die Union künftig stärker der AfD öffnen werde. „Die CDU hat ihre Selbstsicherheit verloren. Das sehen Sie daran, dass einige Christdemokraten durchaus mit uns sprechen wollen und sich nicht an das von Herrn Kauder ausgesprochene Sprechverbot halten.“ Da bewege sich was. „Die CDU wird sich also, ob sie will oder nicht, mit uns auseinandersetzen müssen.“ Diese Entwicklung sei ein Erfolg für die AfD.

Spitzenkandidaten zur Brandenburger Landtagswahl

Dietmar Woidke (SPD)

Der Regierungschef ist ein gestandener Mann in der Brandenburger Landespolitik. Seit 1994 sitzt der 52-jährige Agraringenieur im Potsdamer Parlament, er war von 2004 bis 2009 Umweltminister unter SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck. Im August 2013 wurde Woidke zum Nachfolger gewählt, nachdem Platzeck aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Woidke gilt als umgänglich, aber in der Sache hart. Allerdings fehlt ihm nach einem Jahr im Amt noch die Popularität des einstigen Landesvaters Platzeck.

Christian Görke (Linke)

Der 52-Jährige erwies sich Anfang des Jahres als Senkrechtstarter der Linken. Der damalige Fraktionsvorsitzende übernahm im Januar das Finanzressort und wurde zum Parteichef gekürt. Er sitzt auch als Vertreter Brandenburgs im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. Der Sportlehrer gilt als durchsetzungsstark und kann auch schon mal kräftig gegen den politischen Gegner austeilen. Seine Laufbahn begann Görke 1985 in der DDR-Staatspartei SED, er setzte sie in den Nachfolgeparteien PDS und Linke fort.

Michael Schierack (CDU)

Der 47-Jährige gilt als Newcomer an der Spitze der Landespolitik: Erst seit 2009 sitzt der Orthopäde im Landtag, im Herbst 2012 übernahm er den Parteivorsitz. Der Teamplayer sorgte für Einigkeit in der zuvor zerstrittenen brandenburgischen Union. Dort ist er seit seiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden im Februar und dann zum Spitzenkandidaten der starke Mann. Schierack will erklärtermaßen Rot-Rot ablösen, vermeidet aber im Wahlkampf die scharfen Töne.

Andreas Büttner (FDP)

Der 41-jährige Liberale zog 2009 in den Potsdamer Landtag ein, als die FDP nach 15 Jahren wieder die Fünf-Prozent-Hürde übersprungen hatte. Seit 2010 führt er die Fraktion. Der Polizeibeamte und Bildungsexperte ist ein scharfzüngiger Redner: Dies bekam im Landtag zumeist SPD-Bildungsministerin Martina Münch zu spüren, etwa wegen des hohen Unterrichtsausfalls in den Schulen. Büttner bezeichnet sich als gläubigen Mormonen.

Axel Vogel und Urusla Nonnemacher (Grüne)

Die brandenburgischen Grünen treten traditionell mit einer Doppelspitze zur Landtagswahl an. Der 58-jährige Diplom-Kaufmann Vogel zog 2009 in den Landtag ein und übernahm den Fraktionsvorsitz. Dem aus dem Ruhrgebiet stammenden Gründungsmitglied der Grünen liegt eine nachhaltige Entwicklung der ländlichen Regionen besonders am Herzen. Zu seinen Themen gehört zudem die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und die Dauerbaustelle Hauptstadtflughafen. Die 57-jährige Notärztin Nonnemacher zog ebenfalls 2009 mit den Grünen in den Landtag ein. Neben Innenpolitik waren ihre Themen Gesundheit und Soziales und der demografische Wandel. Ihre Wurzeln sieht sie in der Kommunalpolitik. Nonnemacher fällt im Landtag als eifrige Rednerin mit vielen Anfragen auf.

Alexander Gauland (AfD)

Alexander Gauland war über 40 Jahre lang Mitglied der CDU und leitete von 1987 bis 1991 die hessische Staatskanzlei. Danach wurde er Herausgeber der "Märkischen Allgemeinen". Gauland ist Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und der Partei Alternative für Deutschland, deren stellvertretender Sprecher er ist. Bei der Landtagswahl in Brandenburg 2014 ist Gauland Spitzenkandidat der AfD.

Merkel bezeichnet die AfD als „ein Problem aller Parteien“. Nur 23 Prozent der AfD-Wähler etwa bei der Landtagswahl in Sachsen seien von der CDU gekommen, sagte die CDU-Vorsitzende am Dienstag im RBB-Inforadio. „Das heißt, andere müssen sich genauso Gedanken machen wie wir.“

Sie forderte die CDU vor den Landtagswahlen am Sonntag in Brandenburg und Thüringen auf, die Themen und Ängste anzusprechen, die mögliche AfD-Wähler bewegten. Dazu gehörten etwa Kriminalität oder steigende Asylbewerberzahlen. Die Union müsse dabei aber auch Lösungen anbieten. Merkel betonte, das vom Bundesvorstand der CDU beschlossene Koalitionsverbot mit der AfD „steht auch weiter“.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

09.09.2014, 14:44 Uhr

Andersrum ist´s richtig: Merkel ist ein Problem für alle Deutschen

Frau Helga Trauen

09.09.2014, 14:45 Uhr

Liebe Erika, was meinst Du, was die Deutschen sagen werden, wenn sie endgültig gewahr werden, dass das "politische Projekt" den gesamten deutschen Wohlstand gekostet hat?
Und was wird der gute Bernd sagen, wenn die Deutschen endlich merken, dass Keynesianer nicht helfen und die AfD nicht mehr wählen mit ihrem christlichen Sozialismus.
Ihr beide habt Glück: Die erzählten Geschichten glaubt der Michel meistens. Egal, um was es geht. Ihr habt die MSM gut im Griff. Aber nicht für immer.
Das Dumme ist nur, dass der Michel erst wach wird, wenn es zu spät ist...

G. Nampf

09.09.2014, 14:48 Uhr

Nicht die AfD ist das Problem, sondern unsere gleichgeschaltete, DDR-gleiche Parteienlandschaft.

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