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27.01.2008

23:42 Uhr

Landtagswahlen

Wahlkrimi in Hessen: CDU hauchdünn vorn

Spannung bis zuletzt in in Hessen: Nach einem dramatischen Kopf-an-Kopf-Rennen ist die hessische CDU doch mit hauchdünnem Vorsprung als stärkste Partei aus der Landtagswahl hervorgegangen. Doch die Regierungsbildung gestaltet sich schwierig. Weder Schwarz-Gelb noch Rot-Grün hat eine Mehrheit.

Die Spitzenkandidaten Andrea Ypsilanti (SPD) und Roland Koch (CDU). Die Regierungsbildung war zunächst völlig unklar. Foto: dpa dpa

Die Spitzenkandidaten Andrea Ypsilanti (SPD) und Roland Koch (CDU). Die Regierungsbildung war zunächst völlig unklar. Foto: dpa

HB WIESBADEN/HANNOVER. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kam die CDU mit Ministerpräsident Roland Koch am Sonntag auf 36,8 Prozent der Stimmen und die SPD mit Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti auf 36,7 Prozent. Die FDP erreichte 9,4 Prozent. Die Grünen kamen auf 7,5 Prozent. Die erstmals angetretene Linke zog mit 5,1 Prozent in den Landtag.

Der Wahlabend entwickelte sich zu einer Zitterpartie, weil die Hochrechnungen die Linkspartei stundenlang bei 5,0 Prozent und damit nicht sicher im Landtag sahen. Laut Endergebnis erzielten die Linken 5,1 Prozent. Zudem sahen die Wahlforscher lange die SPD als stärkste Partei, bis die CDU am späten Abend doch ganz knapp die Nase vorn hatte.

Damit zeichnet sich eine komplizierte Regierungsbildung in Hessen ab. Ein schwarz-gelbes Bündnis kann nicht allein regieren. Grund ist der Einzug der Linken ins Parlament. Möglich wären eine Große Koalition, eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP sowie rechnerisch eine "Jamaika"-Regierung aus CDU, FDP und Grünen.

SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti schloss am Wahlabend sowohl eine Große Koalition als auch eine Zusammenarbeit der Linkspartei aus. Sie appellierte an die "staatspolitische Verantwortung" aller Parteien und rief die FDP auf, ihre Position zu überdenken. Doch die Liberalen, die mit 9,4 Prozent das beste Ergebnis seit 1970 schafften, lehnten aber eine rechnerisch mögliche Ampelkoalition mit Grünen und SPD erneut ab.

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck erteilte einem Bündnis mit der Linkspartei in Hessen ebenfalls eine Absage. "In jedem Fall gilt, was Frau Ypsilanti und auch ich gesagt haben, mit dieser sogenannten Linkspartei wird es keine Zusammenarbeit geben", sagte er im ZDF.

Ypsilanti sagte weiter, für Gespräche zwischen den Parteien bestehe keine Eile. Der neue Landtag werde sich am 5. April konstituieren. Vor begeistern Anhängern rief sie: "Wir haben für eine andere politische Kultur in diesem Land gekämpft und wir haben gewonnen. Die Sozialdemokratie ist wieder da."

Ypsilanti erklärte sich zur Siegerin der Landtagswahl. Die SPD habe die richtigen Themen gesetzt und gezeigt, dass man mit dem Thema Gerechtigkeit für alle, in den Bereichen Bildung, Mindestlohn und Umwelt, Wahlen gewinnen könne. Das gelte auch für die Bundesebene, sagte Ypsilanti, die von ihren Parteifreunden mit "Andrea"-Sprechchören gefeiert wurde.

Ministerpräsident Roland Koch sieht eine "Diffamierungskampagne" gegen seine Person als einen der Hauptgründe für das schlechte CDU-Abschneiden, für das er eine Mitverantwortung übernahm. Das Ergebnis sei für seine Partei und ihn persönlich "nicht einfach". Angesichts des "Angriffs von drei Linksparteien" sei es der CDU nicht gelungen, ihre Anhänger ausreichend zu mobilisieren.

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