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23.02.2014

11:59 Uhr

Lautenschläger-Nachfolge

Claudia Buch soll Bundesbank-Vize werden

Finanzminister Schäuble sucht eine neue Stellvertreterin für den Präsidenten der Bundesbank. Laut einem Medienbericht soll auch künftig eine Frau den Posten bekleiden. Die Personalie wäre eine Niederlage für die SPD.

Claudia Buch könnte Vize-Präsidenten der Bundesbank werden. dapd

Claudia Buch könnte Vize-Präsidenten der Bundesbank werden.

BerlinDie Banken-Expertin und „Wirtschaftsweise“ Claudia Buch wird nach „Spiegel“-Informationen Vizepräsidentin der Bundesbank. Die Bundesregierung werde voraussichtlich schon an diesem Mittwoch beschließen, dass die 47-jährige bisherige Chefin des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle Stellvertreterin von Bundesbankpräsident Jens Weidmann werden solle, berichtet das Blatt.

Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums wollte am Sonntag den Bericht nicht bestätigen. Die Entscheidung werde bald nach einem Gespräch mit dem Bundesbank-Vorstand fallen, hieß es. Wie der „Spiegel“ weiter schreibt, hätte sich Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit der Entscheidung pro Buch gegen Widerstände aus der SPD durchgesetzt. Die Sozialdemokraten wollten Bundesbankvorstand Joachim Nagel (ebenfalls 47) zum Vize befördern.

Unklar ist laut „Spiegel“ noch, wer Buch künftig im Sachverständigenrat folgen wird. Fest stehe nur, dass es wieder eine Frau werden solle. Auch ihren Posten als Chefin des Instituts für Wirtschaftsforschung muss Buch demnach räumen. Hintergrund der Personalie ist der Weggang von Sabine Lautenschläger. Die bisherige Bundesbank-Vizepräsidentin wechselte in die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB), nachdem der bisherige EZB-Direktor Jörg Asmussen SPD-Staatssekretär im Arbeitsministerium wurde.

Die Bundesbank im Überblick

Aufgaben

Die Bundesbank ist Teil des Eurosystems und damit mitverantwortlich für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie ist die Zentralbank und damit die "Bank der Banken" - bei ihr müssen Banken Mindestreserven einzahlen, um ihr Bankgeschäft betreiben zu dürfen.

Im Auftrag der EZB werden auch Überweisungen abgewickelt und Bargeld gedruckt und verteilt.

Ein weiteres wichtiges Gebiet ist die Überwachung von Banken und ihren Geschäften sowie die Beobachtung der Großwetterlage der Konjunktur und Finanzmärkte.

Verhältnis zur Europäischen Zentralbank (EZB)

Die Bundesbank ist die bedeutendste Notenbank im Euro-Raum mit einem Anteil am eingezahlten Kapital der EZB in Höhe von etwas mehr als 27 Prozent. Viele Dienstleistungen wie der Aufkauf von Staatsanleihen oder die Lagerung von Bargeld-Notreserven erfolgen im Auftrag der EZB.

Jahresüberschuss

Der Überschuss der Bundesbank steht dem Finanzministerium zu. Im Jahr 2012 gab es einen Gewinn in Höhe von 664 Millionen Euro (Vorjahr: 643 Millionen Euro).

Goldbestände

Zu den Währungsreserven der Bundesbank zählen auch Goldbestände. Sie belaufen sich auf 3391 Tonnen und werden von der Bundesbank mit einem Wert von 137,5 Milliarden Euro bilanziert.

Das Gold lagert in Frankfurt (1036 Tonnen), New York (1536 Tonnen), London (445 Tonnen) und Paris (374 Tonnen). Die Goldbestände in Paris sollen nach Deutschland geholt werden.

Mitarbeiter

10.825 Mitarbeiter (9.543 Vollzeitstellen), davon 5417 Beamte und 5408 Tarifbeschäftigte

Standorte

Die Zentrale der Bundesbank ist in Frankfurt. Es gibt außerdem neun Hauptverwaltungen und 41 Filialen, 2011 waren es noch 47 Filialen. Ein weiterer Abbau auf 35 Filialen ist beschlossen – dicht gemacht werden noch Bayreuth, Bremen, Dresden, Gießen, Kiel und Lübeck.

Die Außenstellen sind unter anderem für Bargelddienstleistungen zuständig, entsenden aber auch Prüfer in Banken.

Am Rand des G 20-Treffen hat Finanzminister Wolfgang Schäuble die baldige Neubesetzung des Vizepräsidenten-Postens bei der Bundesbank signalisiert. Darüber entscheide die Bundesregierung nach Konsultation des Bundesbank-Vorstands, sagte Schäuble am Sonntag am Rande einer G20-Konferenz im Beisein von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. „Herr Weidmann und ich haben die notwendigen Vorbereitungen dafür schon getroffen“. Von daher werde diese Frage „in nicht allzu langer Zeit“ beantwortet.

Dass die Entscheidung allerdings bereits zu Gunsten von Claudia Buch gefallen sei, wollte Schäuble nicht bestätigen. Wenn sich Buch durchsetzt, hätte sich Schäuble gegen Widerstände aus der SPD durchgesetzt. SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel hatte den sozialdemokratischen Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel auf den Posten hieven wollen. „Ich bin ungewöhnlich entspannt“, sagte Schäuble lediglich. Laut "Spiegel" soll das Kabinett am Mittwoch Klarheit schaffen.

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