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19.02.2013

14:01 Uhr

Lebensversicherungen

Versicherungslobby schrieb Gesetzentwurf

Auch der umstrittene Gesetzentwurf zur geplanten Kürzung der Auszahlungen von Lebensversicherungen stammt aus der Feder der Lobby. Einzelne Passagen finden sich auch in der Stellungnahme des Versicherungsverbandes.

Lobbyisten liefern, die Politik übernimmt. dpa

Lobbyisten liefern, die Politik übernimmt.

BerlinWie die Zeitschrift „Öko-Test“ am Dienstag vorab aus ihrer März-Ausgabe berichtet, stimmen mindestens zwei Passagen des von Union und FDP eingebrachten Gesetzentwurfs zur Kürzung der Auszahlungen von Lebensversicherunge vom September 2012 mit einer Stellungnahme des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) vom September 2011 überein.

Bei den geplanten Kürzungen geht es um die sogenannten Bewertungsreserven der Lebensversicherer. Dabei soll deren Pflicht zur Beteiligung der Kunden eingeschränkt werden. Der Bundestag hatte das sogenannte SEPA-Begleitgesetz, das Überweisungen im Euro-Raum regelt, im November verabschiedet. Die daran angehängte Änderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes, in der es um die Änderungen bei Bewertungsreserven geht, blieb zunächst weitgehend unbemerkt. Zuletzt war immer häufiger der Verdacht aufgetaucht, dass Vorlagen von Verbänden direkt in Gesetzesvorlagen in Deutschland und auf europäischer Ebene eingegangen sind.

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Eigentlich sollte es Abschläge bei der Auszahlung von Lebensversicherungen geben.

Der Bundesrat stoppte den Gesetzentwurf im Dezember und rief den Vermittlungsausschuss an. Ob dieser eine Lösung findet, ist ungewiss. Am Dienstag sollte eine Arbeitsgruppe nach einem Kompromiss suchen, bevor das Thema am 26. Februar zum zweiten Mal auf der Tagesordnung des Vermittlungsausschusses von Bundestag und Bundesrat steht.

CDU-Fraktionsvize Michael Meister und der finanzpolitische Sprecher der FDP, Volker Wissing, hatten Anfang Februar erklärt, die angestrebte Regelung solle nicht weiter verfolgt werden. Die Pläne seien so gut wie gescheitert.

Lebensversicherungen: So viel erhalten die Kunden 2013

Worum es geht

Die jährliche Zinsgutschrift der Lebensversicherer heißt Überschussbeteiligung. Sie setzt sich zusammen aus dem Garantiezins und einem Bonus. Derzeit beträgt der Garantiezins 1,75 Prozent. In alten Verträgen kann er bis zu vier Prozent betragen. Beschlossen ist jetzt, den Garantiezins ab 2015 auf 1,25 Prozent zu senken.

Was die Versicherer gerne nennen

Die Lebensversicherer weisen neben der Überschussbeteiligung gerne noch die Gesamtverzinsung eines Vertrags aus, der gerade ausläuft. Diese Prozentzahl ist etwas höher, weil der Kunde noch einen Zuschlag aus weiteren Gewinntöpfen der Lebensversicherer erhält – weil er bis zum Ende durchgehalten hat.

Branchenschnitt

Analysten erwarten, dass die Überschussbeteiligung für 2014 weiter sinkt – im Schnitt von knapp vier Prozent im Jahre 2012 auf nun 3,4 bis 3,5 Prozent im Jahre 2014.

Langfristiger Trend

Die Zinsgutschriften der Lebensversicherungen fallen seit mehr als einem Jahrzehnt. Ursache ist der starke Rückgang der Kapitalmarktzinsen.

Der Branchenführer

Der Branchenführer Allianz senkt die Überschussbeteiligung von 4,0 Prozent im Jahre 2012 auf 3,6 Prozent für die Jahre 2013 und 2014.

Die Besten

Sehr hohe Überschussbeteiligungen zwischen 4,05 und 3,6 Prozent weisen diese Gesellschaften aus: My Life, Ideal, Cosmos Direkt, Volkswohl Bund, Direkte Leben Stuttgarter, die Bayerische, Debeka und die Stuttgarter Leben.

Die Schlechten

Viele Lebensversicherer schaffen nur noch eine Überschussbeteiligung von drei Prozent. Dazu zählen 2014: Versicherungskammer Bayern, Swiss Life, HDI Gerling, Victoria und Zurich. Effektiv liegt die Zinsgutschrift damit deutlich unter der Marke.

Ideal

Der kleine Lebensversicherer zahlt im fünften Jahr in Folge eine stabile Gesamtverzinsung von 4,9 Prozent. Dieser Satz setze sich zusammen aus einer laufenden Überschussbeteiligung von 4,0 Prozent sowie einem Schlussüberschuss von 0,9 Prozent.

DEVK

Die Lebensversicherer der DEVK trotzen dem historisch niedrigen Zinsniveau: Für das Jahr 2013 schütten sie eine Überschussbeteiligung in Höhe von 4,0 Prozent aus. Im Vorjahr waren es 4,1 Prozent

Inter

Die Gesamtverzinsung für das Jahr 2013 wurde auf 3,6 Prozent festgelegt (Vorjahr: 3,75 Prozent). Die Überschussbeteiligung, die niedriger sein dürfte, teilte der Versicherer nicht mit.

Zwei Topanbieter

Die Kunden des Landeslebenshilfe V.V.a.G. (LLH) erhalten für ihre Guthaben in 2013 eine laufende Verzinsung von 4,25 Prozent und damit eine seit Jahren überdurchschnittlich hohe Überschussbeteiligung. Einschließlich Schlussüberschussbeteiligung werde sich eine Gesamtverzinsung von durchschnittlich 5,0 Prozent ergeben, die damit weiterhin deutlich über dem Marktniveau liegen werde, teilte der Versicherer mit. Noch etwas besser ist Targo mit 4,3 Prozent.

Provinzial Rheinland

Die Gesamtverzinsung der Provinzial Rheinland sind im Vergleich zum Vorjahr um 0,15 Prozent auf insgesamt 4,1 Prozent (inkl. Schlussüberschuss und Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven). Die darin enthaltene laufende Verzinsung liege bei 3,4 Prozent, teilte der Sparkassenversicherer aus Düsseldorf mit.

Heidelberger Leben

Entgegen dem Trend in der Lebensversicherungsbranche hält die Heidelberger Lebensversicherung AG für das Jahr 2013 die Überschussbeteiligung konstant auf dem Vorjahresniveau von 4,0 Prozent. Aufgrund der Spezialisierung auf fondsgebundene Produkte sei das Unternehmen nur im geringen Umfang von der aktuellen Niedrigzinsphase betroffen.

Stuttgarter

Die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. bietet eine laufende Verzinsung von 4,0 Prozent (Vorjahr 4,2 Prozent). Zusammen mit der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven und den Schlussüberschussanteilen ergebe sich für 2013 eine Gesamtverzinsung von 4,81 Prozent (errechnet nach Assekurata-Modellfall, Laufzeit 25 Jahre).

Ein großer Konkurrent

Für die klassischen Renten- und Lebensversicherungen von AXA und DBV wird die laufende Verzinsung (Garantieverzinsung plus Zinsüberschussanteil) im kommenden Jahr bei 3,65 Prozent liegen (2012: 3,8 Prozent). Die Gesamtverzinsung 2013 wird einschließlich des Kostenüberschussanteils, des Schlussgewinnanteils und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven im Schnitt 4,4 Prozent erreichen (2012: 4,6 Prozent).

Volkswohl Bund

Die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. legt ihre laufende Verzinsung für das Jahr 2013 auf 3,65 Prozent (2012: 4,05 Prozent) fest.

Nürnberger

Die Nürnberger Lebensversicherung und die Nürnberger Beamten Lebensversicherung halten ihre Überschussbeteiligung stabil bei vier Prozent. Auch für 2012 und 2011 galten diese Werte. Dies ergibt sich aus der Assekurata-Überschussstudie 2013.

Mit der Neuregelung wollte die Bundesregierung es den Versicherern ermöglichen, zusätzlich Kapitalpuffer aufzubauen, indem diese zusätzliche Teile der Gewinne einbehalten.

Das federführende Finanzministerium musste in einer Antwort auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen im Januar jedoch einräumen, es lägen „keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass ein bestimmtes Versicherungsunternehmen künftig in Schwierigkeiten geraten könnte“.

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Bewertungsreserven können bei Wertpapiergeschäften entstehen, die die Versicherungskonzerne mit Kundengeldern tätigen, um Erträge zu erwirtschaften. Bewertungsreserven bilden sich, wenn eine Kapitalanlage aktuell mehr wert ist als der Preis, zu dem sie gekauft wurde. Die Konzerne müssen ihre Kunden an diesen Gewinnen beteiligen, wenn ihr Vertrag ausläuft.

Laut „Öko-Test“ ist die geplante Gesetzesänderung ein Geschenk an die Versicherungen und ihre Aktionäre und geht auf Kosten von Millionen Versicherten.

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Von

afp

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

19.02.2013, 13:58 Uhr

Diese Machenschaften der Lobbyisten sind mehr als kriminell. Von Demokratie ist Deutschland weiter entfernt als von der Milchstraße!

JAJA

19.02.2013, 14:12 Uhr

Das verdanken wir auch der "wahrscheinlich besten Regierung seit der Wiedervereinigung"!
Welch Schaumschlägerei.

DEUFRA2011

19.02.2013, 14:17 Uhr

Der schnelle Aufstieg der Piraten Partei hat gezeigt dass es in Deutschland bei den Wählern "brodelt". Viele dieser Wechselwähler haben wahrscheinlich gar nicht richtig gewußt was die Piraten so darstellten oder was sie vorhatten. Allein die Aussicht auf Protest hat der Partei so viel Sympatisanten gebracht. Soviel zum Phänomen, der Rest ist ein Trauerspiel.
Wann kommt endlich eine neue Partei die wieder die Anliegen der Bürger des Landes vertritt und nicht die Eigeninteressen einer Minderheit? Wenn das halbwegs vernünftige Leute machen, bekommen sie sofort 20 % und mehr. Warum kommt da nichts?

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