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13.02.2015

08:25 Uhr

Leck an Steuerbord

Wie deutsche Reeder Millionen sparen

VonKevin Knitterscheidt

Griechenlands Reeder zahlen fast keine Steuern und bunkern ihr Geld in der Schweiz. Das soll die Regierung Tsipras ändern, fordern auch deutsche Politiker. Doch wie viel Steuern zahlen eigentlich deutsche Reedereien?

Der Frachter MSC Irene der Genfer Reederei „Mediterranean Shipping Company“ zählt zu den größten Containerschiffen weltweit. Bei einer Nettoraumzahl von 81.900 würde sich nach der Tonnagegewinnermittlung ein zu versteuernder Gewinn von 271,17 Euro pro Tag errechnen. dapd

Großes Schiff, kleine Steuern

Der Frachter MSC Irene der Genfer Reederei „Mediterranean Shipping Company“ zählt zu den größten Containerschiffen weltweit. Bei einer Nettoraumzahl von 81.900 würde sich nach der Tonnagegewinnermittlung ein zu versteuernder Gewinn von 271,17 Euro pro Tag errechnen.

DüsseldorfIm Streit um die griechische Schuldenpolitik fordern deutsche Politiker, dass Athen seine Milliardäre stärker zur Kasse bittet. „Es ist höchste Zeit, dass Griechenland seine Reeder besteuert“, sagte etwa CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs in der vergangenen Woche in der „Bild“. Die Reeder sind in der „Seefahrer-Nation“ Griechenland nahezu komplett von der Steuerpflicht befreit. Ähnliche Töne kamen von Fuchs' Parteikollegen Wolfgang Bosbach und Reiner Holznagel, dem Chef des Bundes der Steuerzahler.

Doch diese steuerliche Begünstigung ist keine griechische Besonderheit. Auch in Deutschland gibt es die sogenannte Tonnagebesteuerung – eine Methode, den Gewinn pauschal zu ermitteln. Über deren Auswirkungen freuen sich nicht nur deutsche Schifffahrtsgesellschaften, sondern auch Fondsanleger. In einem Informationsblatt für Anleger beschreibt das Hamburger Emissionshaus Nordcapital die Auswirkungen der gesetzlichen Regelung so: „Paragraf 5a EStG führt – positive wirtschaftliche Entwicklung des Betriebes vorausgesetzt – zu einem weitgehend steuerfreien Vermögenszuwachs.“

Tatsächlich dürfte manch andere Branche von solchen Steuervergünstigungen träumen. 1999 hat die damalige rot-grüne Bundesregierung die Tonnagebesteuerung für Reeder eingeführt. Statt tatsächlicher Gewinne müssen Schiffseigner seit der Reform lediglich Pauschalbeträge versteuern, gestaffelt nach der Transportgröße des jeweiligen Schiffs.

Wie viel Gewinn ein Schiff einfährt, ist dabei unerheblich. Anhand des Ladevolumens berechnet die Reederei einen fiktiven Gewinn, „der bei normaler Marktlage weit unter der tatsächlichen Rendite liegt“, erklärt Wolfgang Wawro, Geschäftsführer der Berliner Steuerberatungsgesellschaft. Wie weit darunter, sei jedoch schwer zu bestimmen.

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Ein Rechenbeispiel von Nordcapital: Ein Tanker mit einem Ladevolumen von 40.000 Nettoregistertonnen im Wert von 21,6 Millionen Euro muss nach der Tonnageregelung einen jährlichen Pauschalbetrag von 63.802 Euro versteuern. Da die Nettoregistertonne allerdings ein Raummaß ist und Schifffahrtsgesellschaften auch nach anderen Aspekten wie Transportgewicht und Entfernung abrechnen, lässt die tatsächliche Differenz zum realen Gewinn kaum abschätzen.

Einen groben Vergleich ermöglichen jedoch die Gewinnerwartungen: Während das Finanzamt im Rechenbeispiel eine zu versteuernde Rendite von 0,3 Prozent zugrunde legt, kalkulieren Wawros Mandanten bei Schiffsbeteiligungen mit deutlich mehr – „in der Regel mit zehn bis 20 Prozent“, wie der Steuerberater verrät. Dabei sei jedoch zu beachten, dass der Pauschalbetrag aus der Tonnagegewinnermittlung auch in Jahren versteuert werden müsse, in denen möglicherweise kein Gewinn anfällt.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

13.02.2015, 09:03 Uhr

Tz, tz, so darf man das Gleiche zum Nachteil des Staates doch nicht öffentlich vergleichen.
Ironie AUS.

Herr Philipp Heinrich

13.02.2015, 10:12 Uhr

Endlich kommt dieser Artikel! Als ich vor einiger Zeit den Artikel über die Griechischen Milliardäre/Reeder gelesen habe dachte ich mir "Tonnagebesteuerung gibts in Deutschland doch auch - nix besonderes".. Tatsächlich ist die sogar gut, denn dadurch sichert sich der staat auf umgekehrten Wege doch Einnahmen, denn das führen eines schiffes in deutschem register macht so überhaupt erst sinn! Genau wie die Lohnnebenkostenerstattung! Ansonsten hätten wir gar keine Reedereien in Deutschland, wobei erhebliche steuereinnahmen durch den Bereederungsbetrieb wegfallen würden! Das zeitlich begrenzte Ausflaggen kann nebenbei nach 2 Jahren auch immer wieder verlängert werden - früher waren die Schiffe gar nicht in Deutschland registriert, sondern in Panama oder in sonst irgendeiner Steueroase (für Reeder) und die Bereederung erfolgte auf Zypern.

Herr Franz Paul

13.02.2015, 10:35 Uhr

Wieso deutsche Reeder? Ist Deutschland jetzt auch pleite, und lebt von anderer Leute Geld? Dieser Vergleich ist überflüssig. Typischer Nestbeschmutzer. Bitte den Verfasser nach Griechenland abschieben.

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