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22.01.2015

02:50 Uhr

Legida-Kundgebung

Gegendemonstranten stellen sich quer

Der Verkehr stand seit dem Nachmittag still: Vorbereitet hatte sich Leipzig auf bis zu 100.000 Demonstranten – für und gegen den Pediga-Ableger Legida. Gegen Ende gab es Ausschreitungen. Aber von wem gingen sie aus?

Leipziger und Gäste der Stadt demonstrieren mit Transparenten für ein weltoffenes, vielfältiges Leipzig. dpa

Leipziger und Gäste der Stadt demonstrieren mit Transparenten für ein weltoffenes, vielfältiges Leipzig.

Leipzig, DresdenZum Ende der Legida-Demonstration in Leipzig ist es am Mittwochabend zu Tumulten gekommen. Wie die Polizei mitteilte, wurden mehrere Polizisten durch Böller, Flaschen und Laserpointer verletzt. Auch Journalisten seien attackiert worden. Aus welchem Lager, blieb zunächst ungeklärt. Die Fotoausrüstung eines Pressevertreters wurde zerstört. Die Polizei nahm drei Randalierer in Gewahrsam.

„Es ist tatsächlich so, dass wir im Abgang Probleme bekommen haben, die Lager zu trennen“, sagte ein Polizeisprecher. Vor dem Hauptbahnhof habe es Zusammenstöße von Legida-Anhängern und Gegendemonstranten gegeben. Die Beamten versuchten, die Legida-Sympathisanten unter Polizeibegleitung in nördlicher Richtung aus der Innenstadt zu leiten. Gegen 22.00 Uhr habe sich die Lage beruhigt.

Zu der Kundgebung versammelten sich am Mittwochabend nach Angaben der Stadt 15.000 Legida-Anhänger. 20.000 Menschen demonstrierten dagegen. Zu Beginn der Legida-Kundgebung in Leipzig war es zunächst nur wenigen Anhängern des islamkritischen Bündnisses gelungen, zum zentralen Augustusplatz vorzudringen. Wie Reporter der Deutschen Presse-Agentur aus der Stadt berichteten, wurden die Legida-Leute am Mittwochabend von vielen Tausend Gegendemonstranten in den umliegenden Straßen mit „Haut ab, haut ab“-Rufen empfangen und blockiert.

Pegida von Kopenhagen bis Prag

Viele Pegida-Ableger in Europa

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung hat in Dresden und anderen deutschen Städten in den vergangenen Monaten Zulauf erhalten. Aber auch im europäischen Ausland stoßen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf Sympathie: In mehreren Ländern gibt es inzwischen Ableger der Bewegung. Von einer Teilnehmerzahl wie in Dresden am Montag vergangener Woche, als 25.000 Menschen auf die Straße gingen, waren die ersten Pegida-Proteste im Ausland allerdings weit entfernt. Nachfolgend eine Auswahl der europäischen Ableger.

Tschechien

In der tschechischen Hauptstadt Prag demonstrierten am vergangenen Freitag etwa 600 Menschen gegen den Islam. Es war die erste islamfeindliche Demonstration in Tschechien, wo Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Muslime leben. Lediglich rund 20 Gegendemonstranten gingen auf die Straße. Die Organisatoren schlossen einen Zusammenschluss mit den Gleichgesinnten im nur 150 Kilometer entfernten Dresden nicht aus.

Dänemark

In Kopenhagen war für Montagabend der erste Protestzug des dänischen Pegida-Ablegers geplant. 300 Menschen hätten im Online-Netzwerk Facebook ihr Kommen zugesagt, sagte der Organisator des Protests, der Schulpsychologe Nicolai Sennels.

Norwegen

Am Montag vergangener Woche folgten in der norwegischen Hauptstadt Oslo rund 200 Menschen dem Aufruf des örtlichen Pegida-Ablegers. Man wolle die Aufmerksamkeit auf die Probleme im Zusammenhang mit der Einwanderung von Muslimen lenken, sagte der Organisator des Marschs, Gymnasiallehrer Max Hermansen. Auch Ausländer waren unter den Demonstranten, die ohne Zwischenfälle um das Osloer Rathaus herummarschierten. Nur eine Handvoll Gegendemonstranten stellten sich dem Protest entgegen.

Schweden

Der schwedische Pegida-Ableger zählt auf Facebook mehr als 8100 Anhänger. Die Gruppe verweist in zahlreichen Einträgen auf ihre Vorbilder in Dresden.

Österreich

Der österreichische Ableger, der auf Facebook mehr als 10.000 Sympathisanten zählt, bedauerte die Absage der Dresdner Pegida-Demonstration am Montag infolge von Anschlagsdrohungen. Ebenso wie die Dresdner Bewegung rief Pegida Österreich ihre Anhänger auf, anstelle des Protests am Montagabend eine Kerze ins Fenster zu stellen und die Landesflagge aus dem Fenster zu hängen.

Schweiz

In der Schweiz tauchte vergangene Woche auf Facebook ein örtlicher Pegida-Ableger auf und erhielt mehr als 3000 Unterstützer. Die Gruppe rief für den 16. Februar zu einem Protestmarsch gegen den Islam auf. Der Ort der Demonstration wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Auch die Mitglieder wurden nicht namentlich genannt, mit Ausnahme von Sprecher Ignaz Bearth. Dieser ist Chef der Direktdemokratischen Partei Schweiz, die enge Verbindungen zur rechtsextremen französischen Front National pflegt. Zuvor gehörte Bearth der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) an.

Belgien

In Belgien tauchte auf Facebook die Gruppe Pegida Vlaanderen auf, die sich mit der deutschen Pegida solidarisch erklärte. „Von Flandern aus unterstützen wir die Pegida-Bewegung in Deutschland“, heißt es in dem Eintrag der Gruppe. Rund 4500 Nutzer klickten auf die Sympathie-Bekundung „Gefällt mir“. Die Gruppe regte eine Demonstration in Antwerpen am kommenden Samstag an, legte aber keinen Termin fest.

Spanien

Auch in Südeuropa hat die Pegida-Bewegung Sympathisanten. In einem Eintrag im Kurzbotschaftendienst Twitter hieß es vergangene Woche, der spanische Ableger sei am 8. Januar gegründet worden – einen Tag nach dem islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

Die Polizei war mit starken Kräften im Einsatz. Viele Geschäfte in Leipzig hatten wegen der Demonstration vorzeitig geschlossen. Zudem wurde der Leipziger Innenstadtring am Mittwochnachmittag komplett gesperrt. Weder Straßenbahnen noch Autos durften fahren, wie die Stadt mitteilte.

Rätselhafte Brandanschläge in Leipzig

Am Abend verübten unbekannte Täter in Leipzig zwei weitere Brandanschläge. An zwei Stationen des Leipziger Citytunnels seien Kabelschächte beschädigt worden, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei in Leipzig. Daraufhin sei der S-Bahn-Verkehr am Mittwochabend zwei Stunden lang zum Erliegen gekommen.

Bereits am Nachmittag hatten Unbekannte zwei Kabelschächte an der Bahnstrecke Leipzig-Dresden beschädigt. Es kam zu massiven Beeinträchtigungen. Die Vermutung sei naheliegend, dass die Anschläge mit dem Leipziger Legida-Aufmarsch in Verbindung stünden, sagte die Sprecherin.

"Pegida" ist nicht rechts

Video: "Pegida" ist nicht rechts

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Die Behörden erwarteten am Abend bis zu 100.000 Teilnehmer bei den Demonstrationen - allein Legida, der Leipziger Ableger des Dresdner Pegida-Vereins, könnte bis zu 40.000 Anhänger mobilisieren. Dazu sollte es 19 Gegenveranstaltungen geben.

Die Stadt Leipzig schaltete zum Aufmarsch des islamkritischen Legida-Bündnisses am Mittwochabend die Außenbeleuchtung markanter Gebäude ab. Etwa am Gewandhaus und am City-Hochhaus sollten die Strahler ausgestellt werden, wie ein Stadtsprecher sagte. Es werde geprüft, wo eine Abschaltung unter Berücksichtigung der Sicherheit der Demonstranten möglich sei. Das weltberühmte Gewandhaus, an dem der Legida-Zug am Abend vorbeigehen sollte, bezog schon am Nachmittag Position: „Gewandhausorchester und Gewandhaus: tolerant, aufgeklärt, weltoffen“ stand auf einem Transparent, das an der Fassade aufgehängt wurde.

Kommentare (41)

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Frau Frauke Müller

21.01.2015, 17:43 Uhr

Ich wünsche Leipzig einen "Aufstand der Anständigen"

... doch wer "anständig" ist und wer nicht, definiert das Volk und nicht die Systemmedien!

Account gelöscht!

21.01.2015, 17:51 Uhr

Zitat: "Die Stadt Leipzig schaltet zum Aufmarsch des islamkritischen Legida-Bündnisses am Mittwochabend die Außenbeleuchtung markanter Gebäude ab."

Es ist unerträglich und ein weiteres Zeichen dafür, daß unser Staat sich Schritt für Schritt zu einem totalitären Gesinnungsstaat hin entwickelt, daß die Stadt Leipzig während der Legida-Demonstration die Beleuchtung markanter Gebäude abschalten will.

Das steht dem Staat nicht zu! Er hat sich nicht als Staat in die politischen Auseinandersetzungen seiner Bürger einzumischen. Pegida nimmt wie die Gegendemonstranten, wenn diese denn hoffentlich diesmal gewaltfrei demonstrieren, das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit wahr. Der Staat hat das zu dulden und zu schützen. Keinesfals darf er Partei ergreifen. Schließlich ist die Stadtverwaltung für alle Bürger da.

Parteien, Verbände, Einzelpersönlichkeiten etc. dürfen und sollen öffentlich ihre Meinung, auch parteiisch, sagen. Die Stadtverwaltung als Vertretung aller Bürger hat die demokratischen Meinungsäußerungen aller ohne Parteinahme dulden.

Das Verhalten der Leipziger Stadtverwaltung dokumentiert, daß die dortigen Verantwortlichen schlechte Demokraten sind.

Verglichen damit ist es lediglich eine Petitesse, daß das Handelsblatt bei der Pegida-Demonstration das bewußt bösartige und gezielt abwertende Wort vom "Aufmarsch" benutzt. Mit dieser Wortwahl soll unterschwellig Vorurteil gefördert und Haß geschürt werden.

Das Handelsblatt sollte sich fragen, ob angesichts dieser unfairen und verwerflichen Sprachregelung das von katholischen Christen im 19. Jahrhundert gegen die liberale Presse gemünzte Kampfwort von der "Lügenpresse" nicht doch ein gewisses Recht hat.

Frau Frauke Müller

21.01.2015, 17:56 Uhr

Volle Zustimmung!

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