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26.10.2015

15:54 Uhr

#legosforweiwei

Ein Haufen Lego für Ai Weiwei

VonDana Heide

Nachdem der Klötzchenhersteller Lego sich weigerte, dem chinesischen Künstler Ai Weiwei Bausteine zu liefern, solidarisierte sich seine Internetgemeinde. Nun kann er sein Kunstwerk trotzdem bauen.

Wie zuverlässig und schnell ihm seine Internetgemeinde hilft, konnte der chinesische Künstler bei seinem aktuellen Konflikt mit Lego erfahren. AFP

Ai Weiwei

Wie zuverlässig und schnell ihm seine Internetgemeinde hilft, konnte der chinesische Künstler bei seinem aktuellen Konflikt mit Lego erfahren.

„Das Internet ist ein bisschen wie eine moderne Kirche“, sagt Ai Weiwei am Montag bei der Pressekonferenz zu seinem Antritt als Gastprofessor der Berliner Universität der Künste (UdK). „Sie gehen in eine Kirche und klagen dem Priester ihr Leid und alle in der Gemeinde können Anteil nehmen und eine Lösung finden.“

Ai Weiwei ist bekannt dafür, dass er den Kurznachrichtendienst Twitter und das soziale Netzwerk Instagram intensiv für seine Kunst nutzt. Wie zuverlässig und schnell ihm seine Internetgemeinde hilft, konnte der chinesische Künstler bei seinem aktuellen Konflikt mit dem Steinchenbauer Lego erfahren. Am Sonntag hatte Ai ein Foto mit Legosteinen, die eine Toilette heruntergespült werden, veröffentlicht. Daneben der Auszug aus einem Brief von Lego an die Mitarbeiter von Ai.

Sie hatten für ein Kunstprojekt des Chinesen eine große Menge Legosteine bestellt. Der Hersteller lehnte jedoch ab, zu liefern. Die Erklärung: „It must be clear to the public that the LEGO Group has not sponsored or endorsed the art work/project“ - Es müsse klar sein, so Lego, dass die Lego Gruppe das Kunstwerk/-projekt nicht sponsere oder befürworte. Daher könne das Unternehmen die Ausstellung Andy Wahrhol / Ai Weiwei in der National Gallery of Victoria nicht unterstützen. Die Idee der Ausstellung Andy Wahrhol / Ai Weiwei war laut Ai, einen Raum zu gestalten, in dem 20 Porträts von Menschen, die für die Freiheit Australiens eingetreten sind, mit Legobausteinen gelegt werden sollen. Ai hatte ein ähnliches Projekt bereits im auf der Gefängnisinsel Alcatraz realisiert. „Lego's refusal to sell its product to the artist is an act of censorship and discrimination", schreibt Ai in seinem Instagram-Beitrag, „Legos Weigerung, sein Produkt an den Künstler zu verkaufen, ist ein Akt von Zensur und Diskriminierung“.

„Ich war doch recht geplättet, denn es handelte sich dabei um einen ganz respektablen Auftrag“, erklärte Ai Weiwei am Montag in Berlin seine Reaktion auf die Absage von Lego. Es habe jedoch „sehr kluge Menschen“ gegeben, die seinen Protest aufgegriffen hätten und jemand habe dann die Idee gehabt, zu Spenden aufzurufen. Wenige Stunden nach dem Eintrag von Ai Weiwei solidarisierten sich unter anderem unter dem Hashtag #legosforweiwei zahlreiche Twitter-Nutzer mit Ai, schimpften auf das Unternehmen Lego, drohten mit Boykott und versprachen dem Künstler, ihm Lego-Steine zu schicken.

„Und in der Tat ist es jetzt so, dass wir genügend Legosteine zusammen bekommen haben um dieses Projekt trotzdem so wie ursprünglich geplant umzusetzen“, so der Künstler am Montag in Berlin.

Ein Lego-Sprecherin verteidigte das Unternehmen im Gespräch mit dem Handelsblatt damit, dass Lego Ai Weiwei nicht verboten habe, die Steine zu kaufen. Man habe Ai auch mitgeteilt, dass er die Steine im Handel kaufen könne. „Das darf jeder, unsere Marke steht für Kreativität“, sagte sie. Es gebe immer wieder Künstler, die Lego-Steine für ihre Kunstwerke verwenden. Allerdings gehöre es zur Politik des Unternehmens, Projekte, die politischer Natur sind, nicht zu unterstützen.

Bisher hatte das Unternehmen außer in vereinzelten Gesprächen mit Journalisten nicht auf die Kritik reagiert. Man wolle das aber nachholen und zunächst auf Facebook den Kritikern antworten, hieß es von dem Unternehmen.

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