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02.12.2013

16:30 Uhr

Leistung in der Schule

Mathe-Defizite schrecken Wirtschaft auf

ExklusivBeim aktuellen Pisa-Schultest schneidet Deutschland wieder nur mittelmäßig ab. Naturwissenschaftliche Fächer gelten als schwierig und anstrengend. Unternehmer sind vor allem mit den Mathematik-Kenntnissen unzufrieden.

BerlinAm Dienstag will die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) die Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie veröffentlichen, ein erster Trend zeichnet sich aber schon ab. Danach haben sich deutsche Schüler beim Leistungstest 2012 zwar leicht verbessert, landen im Vergleich aber immer noch im Mittelfeld aller teilnehmenden Länder.

Nach diesen ersten Trendmeldungen drängt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vor allem auf einen besseren Mathematikunterricht: „Auch unsere eigenen Umfragen belegen eine leichte Verbesserung. Die Unzufriedenheit der Unternehmen über unzureichende Mathekenntnisse ist aber mit 45 Prozent immer noch viel zu hoch“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe). „Industrieunternehmen sehen sogar zu 55 Prozent hier Mängel bei der Ausbildungsreife.“

Erwachsenen-Pisa: Ergebnisse bei der Rechen-Kompetenz

Spitzenplätze

Auch bei der „alltagsmathematischen Kompetenz“ liegen Japan und Finnland ganz vorne. Wobei beide Länder mit 288 Punkten (Japan) und 282 Punkten (Finnland) deutlich hinter den Ergebnissen bei der Lese-Kompetenz zurückbleiben.

Verfolger

Das Verfolgerfeld beim Rechnen ist deutlich ausgeprägter als beim Lesen. Mit 279 Punkten sind die Schweden deutlich näher an den Finnen als im Kapitel Lesen. Dänemark (278 Punkte), die Niederlande (276 Punkte), Slowakei und Tschechien (je 275 Zähler) und Norwegen mit 274 Punkten folgen mit knappem Abstand.

Oberes Mittelfeld

Über dem Durchschnitt von 266 Punkten liegen noch Estland und Österreich, die auf jeweils 272 Zähler kommen. Deutschland muss sich mit 269 Zählern den beiden deutlich kleineren Länder bei der Rechenkompetenz geschlagen geben.

Durchschnitt

Den Durchschnitt von 266 Punkten trifft keines der 24 Teilnehmer-Länder.

Unteres Mittelfeld

Mit 264 Zählern knapp unter dem Durchschnitt liegen Australien und Kanada. Auch die Koreaner liegen nur einen Punkt dahinter. Polen (260 Punkte) und das Vereinigte Königreich (259 Punkte) folgen mit einem kleinen Abstand.

Tabellenkeller

Hinter dem Vereinigten Königreich folgen Irland (255) und Frankreich (253). Es folgt ein Sprung von etwa einem Schuljahr (entspricht sieben Punkten) auf das Trio Italien (246), USA (246) und Spanien (245).

Schlusslicht

Die rote Laterne der Rechen-Kompetenz geht wie schon beim Lesen mit deutlichem Abstand an Zypern. Die Bevölkerung der Mittelmeer-Insel kam im Schnitt beim Rechnen nur auf 233 Zähler.

An dem OECD-Leistungstest mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften nahmen rund 510.000 Schüler im Alter zwischen 15 und 16 Jahren aus insgesamt 65 Staaten und Regionen teil. In Deutschland stellten sich 6250 Schüler im Alter von 15 Jahren dem Test. Die Pisa-Studien finden alle drei Jahre statt.

Beim ersten Pisa-Test 2000 hatten die deutschen Schüler schlechter als der Durchschnitt abgeschnitten. Besonders auffällig war damals der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Erfolg in der Schule. Nach diesem Schock hatte Deutschland in den folgenden Pisa-Tests etwas bessere Ergebnisse erzielt.

Trotzdem bleibt Deutschland nur Mittelmaß. Naturwissenschaftliche Fächer wie Mathematik und Physik würden in der Schule als schwierig und anstrengend gelten, beklagt der DIHK. „Sie werden zudem nicht immer praxisnah unterrichtet und fallen überdurchschnittlich oft aus“, kritisierte Dercks. „Das muss sich ändern, wenn Deutschland ein Land der technischen Innovationen bleiben will.“

Pisa-Studie: Aus dem föderalen Chaos lernen

Video: Pisa-Studie: Aus dem föderalen Chaos lernen

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Von

bag

Kommentare (14)

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Der_Techniker

02.12.2013, 17:05 Uhr

"Naturwissenschaftliche Fächer wie Mathematik und Physik würden in der Schule als schwierig und anstrengend gelten, beklagt der DIHK."
Klagen hilft nicht.
Wenn ich mich recht erinnere war ich im Alter von 15/16 Jahre zumindest in Mathe nicht gerade vorne mit dabei - Physik war für mich eher einfach.
Dennoch habe ich nach dem Abitur, zu einer Zeit, in der es völlig uncool war (ist es heute sicher natürlich auch noch..) erfolgreich etwas technisches an einer TU im süddeutschen Raum studiert. Die Anforderungen lagen natürlich "Lichtjahre" über dem was so an der Schule gemacht wird.
Daher denke ich, daß ein Pisa-Test den aktuellen Stand der Dinge in einem gewissen (schwierigen!) Alter zeigt, nicht aber das Potential das die Schüler haben.
Es ist zu vermuten, daß die "Industrie-Jammerer" früher auch nicht die großen Leuchten waren. Um etwas zu erreichen braucht es eine "Can Do" Mentalität und keine Jammerlappen, die mit den Fingern auf andere (Schüler, Lehrer, Eltern, Politik etc.) zeigen.

hermann.12

02.12.2013, 17:15 Uhr

Förderalismus hat mit den schlechten Ergebnissen eher wenig zu tun. Es ist so leicht zu glauben, das einheitliche Standards da Abhilfe schaffen könnten.
Die Erfahrung zeigt, das das Gegenteil der Fall ist, weil noch mehr Ressourcen für Berichte, einheitliche Terminierung und Kontrollen und erheblich weniger Zeit für das Vermitteln von Wissen bleibt.
Das Zentralabitur hat vermutlich den größten Qualitätsverlust auf einen Schlag in den letzten 30 Jahren an den Gymnasien verursacht.
Da A und O einer erfolgreichen Schulbildung ist nicht Arbeit und Disziplin, sondern fähige Lehrer, die nicht mit ihren Schülern überfordert sind oder durch Zeitdruck nicht auf sie eingehen können, oder schlicht nicht die Vorbildfunktion ausfüllen können, die Kinder und Jugendliche brauchen.
Disziplin und Fleiss sind nicht vorauszusetzen sondern durch Spass oder mindestens Respekt gegenüber dem Stoff zu erlernen. Erst an der Universität und im Berufsleben sind Disziplin und Fleiss vorauszusetzen.
Wir machen es umgekehrt, was Desinteresse und Überforderung und Leistungsverweigerung zur Folge hat.
Es geht auch nicht darum ständig neue Wege zu finden wissen zu vermitteln, damit die Schulbuchverlage etwas zu tun haben. Manche Lehrer glauben auch, das sie die Aufgabe haben ungeeignete Schüler herauszufiltern.
Alles Blödsinn. Aber bestimmender Duktus an unseren Schulen.
Besonders schlimm ist der tatsächlich der naturwissenschaftliche Unterricht, der überdurchschnittlich häufig versagt, wenn es darum geht Begeisterung zu wecken.
Wohingegen die Mathematik sich in dem duzendsten Verfahren verliert, wie man es auch machen kann, aber für keines ausreichend Zeit besteht, damit es dauerhaftes Wissen wird.
Zu meiner Zeit wurde deutlich weniger vermittelt, aber das was wir lernten, das blieb auch deutlich häufiger haften.

H.

Account gelöscht!

02.12.2013, 17:29 Uhr

Deshalb brauchen wir mehr Zuwanderung. Vor allem aus der Türkei, Libanon und Afrika. Des Weiteren muss das sitzen bleiben abgeschafft werden und die Zensuren ebenso. Kindergeld sollte auch weiter erhöht werden, denn das
ein Zusammenhang zwischen Geld und Bildungschancen besteht, ist ja amtlich erwiesen. Das Kindergeld sollte auch weiterhin nicht zweckgebunden sein, denn die Eltern wissen am besten was gut fürs Kind ist. Bei dem einen hilft eine neue Playstation, oder ein größerer Fernsehen. Bei anderen Kindern ist es wichtiger das Papa tolle Alufelgen an seinem Auto hat, dann kann das benachteiligte Kind beim Angeben in der Schule besser mithalten.

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