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20.01.2013

14:12 Uhr

Leitende Täuschungsabsicht?

Dr. Annette Schavan will ihren Titel verteidigen

Am Dienstag entscheidet der Fakultätsrat der Uni Düsseldorf, ob ein Verfahren zur Aberkennung von Schavans Doktorgrades eingeleitet wird. Für die Merkel-Vertraute wird es eng. Doch die 57-Jährige gibt sich kämpferisch.

Annette Schavan beteuert, nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet zu haben. dpa

Annette Schavan beteuert, nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet zu haben.

DüsseldorfBundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) gibt sich in der Plagiatsaffäre kämpferisch: Die Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will auch dann wieder für den Bundestag kandidieren, wenn der Fakultätsrat der Hochschule an diesem Dienstag ein Verfahren zur Aberkennung ihres Doktortitels einleiten sollte. Rückendeckung erhielt Schavan am Wochenende aus dem Kanzleramt und von den großen deutschen Wissenschaftsorganisationen.

Schavan wird vorgeworfen, in ihrer 1980 verfassten Doktorarbeit „Person und Gewissen“ Textpassagen unsauber übernommen und Quellen nicht klar gekennzeichnet zu haben. Die Ministerin hat wiederholt beteuert, ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen erstellt zu haben. In einem im vergangenen Oktober bekannt gewordenen internen Prüfbericht wurde Schavan hingegen eine „leitende Täuschungsabsicht“ bescheinigt.

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ hat die Promotionskommission der Hochschule inzwischen den Vorwurf der absichtlichen Täuschung abgeschwächt. Gleichwohl halte das siebenköpfige Gremium an seiner Forderung nach Einleitung eines Verfahrens gegen Schavan fest. Schavan habe bei ihrer vor 33 Jahren eingereichten Doktorarbeit in Kauf genommen, mit ihrer Zitierweise gegen gängige Regeln wissenschaftlichen Arbeitens zu verstoßen.

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Für Annette Schavan wird die Luft in der Plagiats-Affäre dünner.

Die Ministerin will aber in jedem Fall wieder in den Bundestag: „Ich trete am 25. Januar an. Das bin ich der Wissenschaft schuldig“, sagte die 57-Jährige der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Der Kreisgeschäftsführer in Schavans Bundestagswahlkreis Ulm/Alb-Donau, Thomas Schweizer, sagte der dpa: „Sie ist unangefochten Kandidatin für das Mandat.“ Laut „Spiegel“ steht auch Merkel fest zu ihrer Vertrauten. Ein Rücktritt Schavans komme nicht infrage.

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen forderte die Beachtung wissenschaftlicher Kriterien bei der Prüfung von Schavans Doktorarbeit. „Verfahrensrechtliche Korrektheit“, wie dies der Universität Düsseldorf in einem jüngsten Rechtsgutachten bescheinigt werde, sei notwendige Voraussetzung, aber allein „keine hinreichende Bedingung, um die Entscheidung über die Aberkennung eines Doktorgrades zu begründen“, heißt es in der Erklärung der Allianz. In ihr arbeiten die Forschungsorganisationen, wie DFG und MPG, die Humboldt-Stiftung, der Wissenschaftsrat und die Hochschulrektorenkonferenz zusammen.

Plagiatsvorwürfe: Uni Düsseldorf will sich zu Schavan nicht äußern

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Das sei sie sich und der Wissenschaft schuldig, sagte die Bundesbildungsministerin.

Zu einem ordentlichen Verfahren gehört laut Allianz „das Mehraugen-Prinzip, die Trennung von Begutachten, Bewerten und Entscheiden sowie eine angemessene Berücksichtigung des Entstehungskontextes“, heißt es mahnend in der Erklärung, die zum Teil auch als Kritik an der bisherigen Vorgehensweise der Uni zu verstehen ist. Eine inhaltliche Bewertung könne nur auf der Basis einschlägiger fachwissenschaftlicher Expertise vorgenommen werden. Ähnliche Aussagen von einzelnen führenden Repräsentanten der deutschen Wissenschaft waren bereits zuvor als Parteinahme pro Schavan verstanden worden und hatten in der Hochschul- und Forschungsszene für heftige Dispute gesorgt.

Zum Verfahrensablauf hatte die Uni selbst eine gutachterliche Stellungnahme in Auftrag gegeben und das Ergebnis jetzt auf der eigenen Internetseite veröffentlicht. Die Untersuchung kommt zu folgendem Ergebnis: „Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass rechtlich relevante Verfahrensfehler nicht festzustellen sind. Die Fakultät hat die nach geltendem Recht erforderlichen Prüfungen ordnungsgemäß durchgeführt. Auch die Verfahrensführung lässt keinen Grund zur Beanstandung erkennen.“

Ob Schavan im Fall der Aberkennung des Doktortitels im Amt bleiben kann, ist unklar. In Koalitionskreisen heißt es, verliere Schavan ihren Doktortitel, sei sie im Kabinett schwer zu halten – auch mit Blick auf den nahenden Bundestagswahlkampf. Die Eröffnung eines Verfahrens sei aber noch kein Rücktrittsgrund.

Die Plagiatsvorwürfe waren im April 2012 anonym auf einer Internetplattform erhoben worden. Vorgeworfen wird Schavan, Quellen nicht vollständig aufgelistet und zum Teil „verschleiert“ zu haben. Auch geht es um wissenschaftliche Standardfragen - etwa wie weit eigene Gedanken und Erkenntnisgewinn von ähnlichen Ausführungen anderer Autoren abgegrenzt wurden.

Kommentare (21)

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Rechtsberatung

20.01.2013, 16:18 Uhr

"Die Plagiatsvorwürfe waren im April 2012 anonym auf einer Internetplattform erhoben worden."

Eine typisch linksintellektuelle denunziatorische Pseudoenthüllung gegen politisch Unliebsame auf der Basis 33 Jahre alter "Erkenntnisse" und möglicher Weise universitärer Versäumnisse jener Zeit.

Das ist natürlich einfacher, als sich inhaltlich mit dem politischen Gegner auseinanderzusetzen.

Widerliche und heuchlerrisch Neiddiskussion. Die Medien nehmen es dankbar an.... Wir haben ja auch sonst keine Probleme!

Account gelöscht!

20.01.2013, 16:25 Uhr

Es wird alles wieder im Sande verlaufen. Dafuer gebuehrt ihr gar noch ein Ehrendoktor. Aber mal ehrlich - wie kann ein Mensch so an einem Titel haengen?

Es gibt viele Menschen, die hatten nie einen echten Titel (Bill Gates zum Beispiel, aber auch viele andere sehr erfolgreiche Menschen) - die waren einfach wirklich gut. Die mussten sich an keinen Titel klammern. Die klammerten sich einfach an ihre persoenliche grossartige Leistung und konnten auch nicht von einem einmal erreichten Titel endlos zehren, sondern mussten sich staendig neu beweisen.

Also vielleicht taugen die ganzen Titel ueberhaupt nichts. Letztlich zaehlt Leistung und Beliebtheit und nicht Anspruchsdenken aufgrund einer unnatuerlichen Hackordnung. Aber ich denke, dies findet man selber sehr bald heraus, wenn man wegen der Titel einsam wird. Manche begreifen dies nie und meisseln ihre Titel gar noch auf den Grabstein - besser (ueberheblich) bis ueber den Tod hinaus.

Ansonsten, Frau Schavan, ich habe auch studiert und einen Titel. Aber wenn ich damit angesprochen werde, ist mir dies immer peinlich und ich bitte die Menschen, ihn nicht zu verwenden. So ein Titel schafft nur persoenliche Distanz, die voellig unbrauchbar ist.

Ich denke, es ist mehr als ueberfaellig Titel abzuschaffen. Vielleicht sollten wir auch mehr ueber Menschen kritischer nachdenken, die solche verwenden und sich dazu noch an die Titel klammern. Ihr Verhalten macht die Situation nur noch peinlicher. Nun kann man nur hoffen, dass sich dazu nicht auch noch herausstellt, dass der Titel unrechtmaessig erworben wurde. Also wenn einem so etwas trifft, dann kann man nicht tiefer sinken. Aber bei Frau Schavan ist die Sache ja noch nicht ausdiskutiert. Aber andiskutiert ist natuerlich auch nicht schoen.

Account gelöscht!

20.01.2013, 16:28 Uhr

Frau Schavan hat in ihrer ohnehin "dünnen" Dissertation völlig eindeutige Plagiate in Serie begangen, ob wissentlich oder "leichtsinnig" sei dabei einmal völlig dahingestellt. Dass sie sich der "Wissenschaft verpflichtet fühle" und daher im Amt bleiben wolle, ist blanker Hohn. Ihre "Leistungen" als Ministerin werden von der "scientific community" inkl. der deutschen Universitäten als überwiegend mangelhaft eingestuft. Was sie mit Merkel verbindet, ist eher schleierhaft. Sie sollte endlich abtreten und die politische Bühne endgültig verlassen.

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