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03.01.2006

08:53 Uhr

Leitfaden für Deutschland

Handbuch eröffnet Weg zum Bürokratieabbau

VonKlaus Stratmann

Die Gebrauchsanweisung liegt vor, der Bürokratieabbau kann beginnen: Ein jetzt erscheinendes Handbuch überträgt das erfolgreiche niederländische Modell für den Abbau administrativer Hürden auf Deutschland.

BERLIN. Politiker aus Union und SPD empfehlen, das Buch zur Grundlage des von der großen Koalition angestrebten Bürokratieabbaus zu machen.

Der Titel klingt etwas sperrig, ja sogar bürokratisch, doch das „Erste Deutsche Handbuch für das Messen und Reduzieren administrativer Belastungen für Unternehmen und Betriebe in Deutschland“, herausgegeben von der Fachhochschule des Mittelstandes in Bielefeld, enthält auf knapp 80 Seiten praxisnahe Handlungsanweisungen. Mit dem Handbuch, das dem Handelsblatt vorliegt, gibt es erstmals eine deutsche Version des Standardkosten-Modells (SCM). Das Modell wurde in den Niederlanden entwickelt. Heute arbeiten auch Dänemark, Norwegen, Schweden und Großbritannien nach der Methode. Ziel ist es, die in einzelnen Unternehmen anfallenden „administrativen Lasten“ zu definieren und zu beziffern, um sie anschließend abzubauen. Als administrative Lasten gelten etwa Kosten, die anfallen, um Statistik-, Buchführungs-, Dokumentations- und Nachweispflichten zu erfüllen.

Ein einfaches Beispiel: Eine administrative Aktivität, etwa die Erhebung bestimmter statistischer Daten, dauert in einem durchschnittlich effizient arbeitenden Unternehmen drei Stunden, der Stundenlohn des Beschäftigten, der sie ausübt, beträgt zehn Euro. Die Aktivität kostet also 30 Euro. Wenn die Datenanforderung sich auf 100 000 Unternehmen bezieht, die jeweils zweimal jährlich die Verpflichtung ausführen müssen, betragen die jährlichen Gesamtkosten der Aktivität sechs Mill. Euro.

Ein zentrales Element des Standardkosten-Modells ist es, dass die einmal zu einem Stichtag gemessene administrative Last fortgeschrieben werden muss. Sowohl gesetzliche Vereinfachungen von Informationsverpflichtungen als auch neu hinzu kommende Lasten sollen erfasst werden. Außerdem wird jede administrative Last einer bestimmten Gesetzgebungsebene (EU, Bund, Länder) zugeordnet. Am Ende steht eine systematische Zusammenstellung aller administrativen Lasten, wie es sie in Deutschland bislang nicht gibt.

Die Niederländer sind mit dem Modell zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die administrativen Lasten der Unternehmen in ihrem Land auf 16,4 Mrd. Euro pro Jahr summieren. Das entspricht 3,6 Prozent des niederländischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ziel der Niederländer ist es, diese Belastungen bis zum Jahr 2007 um 25 Prozent, also gut vier Mrd. Euro, zu reduzieren. Überträgt man diese Werte auf Deutschland, so würde sich ein Einsparpotenzial für die Unternehmen von rund 20 Mrd. Euro pro Jahr ergeben.

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