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16.05.2013

12:42 Uhr

Leserbriefe zum Lucke-Interview

Liebe AfD-Freunde . . .

VonOliver Stock

Das Handelsblatt hat zahlreiche Zuschriften zur Berichterstattung über die AfD erreicht. Online-Chefredakteur Oliver Stock antwortet mit einem Brief an die vielen Schreiber.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Liebe AfD-Freunde,

als Sympathisanten der „Alternative für Deutschland“ gehen Sie heute auf die Barrikaden. Der Grund ist ein Interview, das Parteichef Bernd Lucke im Handelsblatt gegeben hat und über das wir in den Online- und Printausgaben ausführlich berichtet haben. Sie sehen darin ihren Vormann zu Unrecht in die rechte Ecke gedrängt. „Frechheit“ rufen Sie und das ist noch der unbekümmertste Ausdruck.

Lucke hatte in seinem Interview gesagt: „Grundsätzlich ist es gut, wenn jemand uns wählt und nicht die NPD.“ Er sieht im Einbinden rechter Protestwähler eine Funktion der AfD, denn diese seien nicht von vornherein extremistisch. „Ohne uns“, so der AfD-Chef, „gäbe es die Gefahr, dass enttäuschte Wähler, die eigentlich gar nicht rechts sind, aus Protest extremistische Parteien wählen“. Allerdings setzte sich Lucke von extremistischen Partei-Mitgliedern ab: „Ehemalige Mitglieder von NPD oder DVU lehnen wir generell als Mitglieder ab.“ Bei Ex-Republikanern würde jeder „Einzelfall“ in einem „persönlichen Gespräch“ geprüft. So haben wir es im Handelsblatt berichtet – und wir haben es auch kommentiert: „Lucke setzt darauf, dass er am rechtsextremen Rand nach Wählern fischen kann“, lautet die Bemerkung meines Kollegen Stefan Menzel dazu.

Seitdem schreiben Sie uns, Sie schreiben auch mir persönlich. In Mails in Briefen in Kommentaren lassen Sie ihrer Meinung freien Lauf  – das finde ich prima, denn wir lieben ja die Diskussion. Eine Art „the best of“ veröffentlichen wir hier schon mal und Sie können sich selbst ein Bild davon machen, wie die Diskussion verläuft. Auch ich habe einen Eindruck von dieser Diskussion gewonnen, den ich so zusammenfasse: Mit dem Fischen am rechten Rand war die AfD bereits erfolgreich. Anders kann ich mir Kommentare, die beispielsweise unsere Berichterstattung mit der Propaganda eines Joseph Goebbels vergleichen, nicht erklären.

Ich meine, die Anti-Euro-Partei und ihr Chef sollten sich deutlich von diesen falschen Freunden distanzieren. Das habe ich als Leser des Gesprächs mit Herrn Lucke vermisst. Diese Unterlassung zeigt mir, dass das Spitzenpersonal in Sachen Euro zwar geschult ist, in Sachen Strategie aber noch ganz am Anfang steht. Und ich frage mich jetzt, was so eine Gruppe anrichtet, wenn sie in politische Verantwortung gerät. Meine Ahnung war bislang, dass die Alternative für Deutschland möglicherweise eher eine Alternative gegen Deutschland ist, weil sie die Interessen unseres Landes beschädigt. Seit heute bin ich mir dessen sicher. Ich danke Ihnen für diesen Fortschritt in meiner Erkenntnis.

You made my day

Oliver Stock

Kommentare (575)

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Desillusionierter

16.05.2013, 12:49 Uhr

You made my day...
Die alte Regel:
Ungebildete benutzen Anglizismen falsch, Halbgebildete benutzen sie richtig. Gebildete benutzen sie nie.

Joker1

16.05.2013, 12:56 Uhr

Die Interessen Deutschlands haben doch die etablierten
Parteien beschädigt, wer sonst?
Jetzt eine neue Partei in dieser Art zu diffamieren ist
Wahlkampfhilfe für die herrschende Parteienlandschaft.

Heiko

16.05.2013, 12:57 Uhr

Lieber Herr Stock, welcher politischen Coleur gehören Sie denn an, darf ich das einmal fragen? Es mag sicherlich Kommentare geben, wie Sie bereits erwähnten - wie Goebbels, etc. - aber denken Sie wirklich das ist die Mehrheit? Ich bin enttäuscht von Ihrem Brief und ich bin enttäuscht über diese einseitige Berichterstattung! Sie machen es durch Ihren offenen Brief nicht besser und ich, als früher SPD Wähler, fühle mich von Ihnen diffamiert und ich die rechte Ecke gestellt, in die ich eindeutig NICHT gehöre!!! Die Schamesröte sollte Ihnen in den Kopf steigen, aber gewiss nicht mir...

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