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26.09.2014

06:57 Uhr

Letzte Ausgabe der Talkshow „Beckmann“

„Beim Asylrecht werden Menschenrechte kleingemacht“

VonMartin Pirkl

In Reinhold Beckmanns letzter Talkshow gab es viele Klagen und Forderungen – Verbesserungsvorschläge waren selten. Beim Thema Flüchtlingspolitik waren sich die Gäste einig – und das war das Problem.

Gästerunde mit Burkhardt, Prantl, Beckmann, Bittenbinder und Ali (v.l.n.r.): nur Forderungen und Anschuldigungen. dpa

Gästerunde mit Burkhardt, Prantl, Beckmann, Bittenbinder und Ali (v.l.n.r.): nur Forderungen und Anschuldigungen.

KölnEs sind harte Anschuldigungen, die sich Deutschland und Europa für ihre Flüchtlingspolitik anhören müssen. „Die Flüchtlinge erfrieren an der Kaltherzigkeit Europas“, sagt Heribert Prantl von der „Süddeutschen Zeitung“. Er war gestern Abend zu Gast in der letzten Ausgabe der ARD-Talkshow „Beckmann“. Das Thema der Sendung, Reinhold Beckmanns letzter nach 624 Ausgaben in 15 Jahren, lautete: „Menschen auf der Flucht - letzte Rettung Europa?“.

Neben Prantl diskutierten der Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“ Günter Burkhardt, der Innenminister Baden-Württembergs Reinhold Gall, Elise Bittenbinder, die traumatisierte Flüchtlinge therapiert und Aram Ali, der 2000 mit seinen Eltern vor dem syrischen Ministerpräsidenten Assad nach Deutschland floh.

Die Relevanz des Themas stellte ein kurzer Einspieler zu Beginn der Sendung fest: Über zehn Millionen Syrer und Iraker sind auf der Flucht, weltweit fliehen 50 Millionen Menschen aus ihrem Heimatland. Die Gäste waren sich einig, dass Europa mehr Flüchtlinge aufnehmen muss.

Wer nimmt die meisten Flüchtlinge auf?

Anstieg der Flüchtlingszahlen

Aufgrund von internationalen Krisen rechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit einem erneuten Anstieg der Flüchtlingszahlen in 2014. Im ersten Quartal 2014 haben rund 108.300 Flüchtlinge in einem der 28 EU-Staaten um Asyl angesucht. Doch kommen die meisten Asylsuchenden, die derzeit über das Mittelmeer nach Europa kommen, wirklich nach Deutschland?

Quelle: Eurostat/ Mediendienst Integration 2014

Platz 9

Griechenland: 2.440 Antragsteller

Platz 8

Ungarn: 2.735 Antragsteller

Platz 7

Österreich: 4.815 Antragsteller

Platz 6

Belgien: 5.065 Antragsteller

Platz 5

Großbritannien: 7.575 Antragsteller

Platz 4

Italien: 10.700 Antragsteller

Platz 3

Schweden: 12.945 Antragsteller

Platz 2

Frankreich: 15.885 Antragsteller

Platz 1

Deutschland: 36.890 Antragsteller

Doch darin lag das Problem der Sendung. Die Redaktion hatte niemanden eingeladen, der sich gegen mehr Flüchtlinge in Deutschland ausgesprochen hätte. So wie Maybrit Illner, die im ZDF zur selben Zeit über das gleiche Thema mit Björn Höcke, dem Vorsitzenden der AfD in Thüringen, diskutierte.

Der Zuschauer bei Beckmann bekam nur Forderungen und Anschuldigungen zu hören. „Gelder werden für Grenzschutz anstatt für Flüchtlinge ausgegeben“ sagt Ali, der Syrien verlassen musste, weil sein Vater einen regimekritischen Artikel veröffentlichte. Außerdem beschwert sich Ali über große bürokratische Hürden als er seine Verwandten nach Deutschland holte. Burkhardt von „Pro Asyl“ beklagt sich über fehlende Integrationskurse und nicht vorhandene Vermittlungshilfe für Flüchtlinge bei der Suche nach Wohnungen und Jobs. „Beim Asylrecht werden Menschenrechte kleingemacht“, sagt der Journalist Prantl.

Kommentare (15)

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Herr Markus Bullowski

26.09.2014, 08:03 Uhr

Fairerweise sollte man aber auch immer sagen, dass die meisten Flüchtlinge - auch Kriegsflüchtlinge - gar nicht Asylberechtigt im Sinne des Gesetzes sind. Asylberechtigt ist nur ein winziger Anteil. Es geht viel um die Flucht vor Krieg oder Armut und um eine Methode dauerhafter Einwanderung. Doch Einwanderung - gerade aus anderen Kulturen - verändert ein Land natürlich massiv und darum wäre es auch so wichtig, das Volk darüber entscheiden zu lassen, ob es das überhaupt will und in welchem Umfang.

Herr W. H.

26.09.2014, 08:48 Uhr

Menschenrechte?
Das wird zu einseitig diskutiert. Nur aus Sicht der "Flüchtlinge". Auch die Deutschen haben Menschenrechte und müssen sich nicht ihr Land besetzen lassen! Hier wollen wohl aufgenommene Flüchtlinge den Weg ebnen für nachfolgende zumeist Wirtschaftsflüchtlingen. Und finden in den Talkshows bereitwillige Plattformen!

Ginny Belina

26.09.2014, 09:01 Uhr

Einseitig und ärgerlich war die Sendung, blendete total die Realität der Leute aus, die wegen ungezügelter Einwanderung starke Veränderungen und Unsicherheit hin nehmen müssen,ohne sich,außer wenn sie selbst ihre sieben Sachen packen, wehren zu können. Die Quittung dafür werden über kurz oder lang alle Ausländer bekommen, selbst die, welche sich hier bereits über Jahre assimiliert oder integriert haben.

Man will uns einreden, noch viel mehr ungeregelt und auf unbestimmte Zeit aufzunehmen. Oft sind es solche, die sich nicht integrieren. weil sie einem anderen Kulturkreis angehören, die viel Energie darauf verwenden zu streiken, das Bleiberecht zu erpressen, ihre ganzen Sippen nach und nach hierher zu lotsen, oder von einer in die andere Talkshow zu wandern, weil sie sich hier schlecht behandelt fühlen und uns schon kurz nach Ankunft anmaßend erzählen, wie wir zu leben und wie wir zu denken haben. Parallelwelten entstehen, vergiften das Miteinander und zerstören den sozialen Frieden.

Wir können nicht das Elend der Welt ausbaden, welches u.a. durch Hass und unvernünftige Glaubenskriege und dadurch zerstörte Strukturen hervorgerufen wird.

In Schweden gibt es schon Orte, wo mehr Flüchtlinge wohnen als Einheimische.Verständlich, dass aktuell jeder achte Schwede rechts wählte, denn auch die Geduldigen sind nicht besonders glücklich über so viel verordnete Freizügigkeit.

Es fällt auf, dass Flüchtlinge und Asylanten meist in Süden ankommen und alle Richtung Norden möchten, weil es hier Wohnraum, großzügige soziale Leistungen gibt und eine bestehende regelrechte Flüchtlingsindustrie bis hin zu den privaten Flüchtlingsheimbetreibern, die sich alle gerne auf Steuerzahlerkosten für sie einsetzen. Schon alleine das lässt mich daran zweifeln, dass alle die kommen am Leib und Leben bedroht sind.

Es muss genau geprüft und schneller abgeschoben werden. Die wirklich Bedrohten müssten auf alle Länder (nicht nur EU) verteilt werden ungeachtet der Höhe von Sozialhilfe.

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