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30.11.2015

06:19 Uhr

Letzter ARD-Talk von Günther Jauch

„Wir werden es meischtern“

VonChristian Bartels

Zumindest meisterte Solo-Gast Wolfgang Schäuble seinen Auftritt in Günther Jauchs letztem ARD-Talk unangefochten. Eine skurril anmutende Überraschung erwartete die Zuschauer, die über den Abspann hinaus dranblieben.

Der scheidende ARD-Talker hatte zu seiner letzten Sendung nur den Bundesfinanzminister eingeladen. Screenshot

Günther Jauch und Wolfgang Schäuble

Der scheidende ARD-Talker hatte zu seiner letzten Sendung nur den Bundesfinanzminister eingeladen.

BerlinIn den letzten Minuten wurde es doch noch spannend: Bei der rituellen Übergabe an die nachfolgenden „Tagesthemen“ erwähnte Günther Jauch das aktuelle Topthema des Sonntagabends. Kurz vor Beginn der Sendung war das Ergebnis der Hamburger Volksabstimmung zur Olympia-Bewerbung 2024 bekannt geworden. Jauchs einziger Gast, Wolfgang Schäuble, fand die Ablehnung durch die Hamburger „schade“, äußerte andererseits aber fundiert Verständnis. Warum Jauch sein live gesendetes Interview nicht mit diesem Thema begonnen hatte, blieb unklar. Der Bundesfinanzminister, aus dessen Haushalt im Fall einer erfolgreichen Bewerbung allerhand Milliarden hätten fließen müssen, wäre ein perfekter Gesprächspartner gewesen.

Stattdessen hatte Jauch in der letzten Ausgabe seiner ARD-Talkshow ein um Ausgeruhtheit bemühtes Gespräch mit dem CDU-Politiker geführt, das zwischen Themen und Epochen zeitlos hin und her sprang und auch bei aktuellen politischen Thema keinerlei Brisanz entfaltete. Von Krise, trotz des Sendungstitels „Am Ende eines Krisenjahres“, kaum eine Spur bei Jauch.

Flüchtlingspolitik: Schäuble stärkt Merkel den Rücken

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Schäuble stärkt Merkel den Rücken

Wolfgang Schäubles Vergleich des Flüchtlingsstroms mit einer Lawine sorgte für viel Aufregung. Nun hat der Finanzminister seine Worte verteidigt. Mit dem „unvorsichtigen Skifahrer“ sei aber nicht die Kanzlerin gemeint.

Es ging los mit der Fragen an den „dienstältesten Abgeordneten“ des Deutschen Bundestags, wie sie Reinhold Beckmann drei Jahre zuvor geschickter gestellt hatte. Wie immer, riefen Einspielfilme ein paar spektakuläre Politiker-Zitate der letzten Wochen in Erinnerung. Seine eigenen viel diskutierten Formulierungen von der Flüchtlingskrise als „Lawine“ erklärte Schäuble damit, dass er gerne frei spreche und sich nicht jedes Wort im Voraus überlege. Und was die Identität des Lawinen-auslösenden „unvorsichtigen Skifahrers“ betrifft, von dem er bei gleicher Gelegenheit gesprochen hatte, wärmte der Minister das auch schon ältere Witzchen auf, dass er die Bundeskanzlerin schon deswegen nicht gemeint haben könne, da die ja nur Langlaufski fahre.

Im gleichen Zusammenhang allerdings warf Schäuble die Frage auf, warum „merkwürdigerweise“ erst seit 2015 „immer mehr Flüchtlinge über die Türkei nach Griechenland“ kommen. Könnte es sich bei jenem Lawinen-Verursacher also um die türkische Regierung handeln? Auch das wäre gestern Abend ein so brisantes wie aktuelles Talkthema gewesen. Schließlich hatten gerade Merkel und weitere EU-Regierungschefs mit der Türkei verhandelt. Doch Jauch ging erst einmal kaum darauf ein, sondern konzentrierte sich auf den fruchtlosen Versuch, Anzeichen von Distanz zwischen Schäuble und Merkel zutage zu fördern.

Als wenig später ein Einspieler eine schon oft kommentierte Horst-Seehofer/Merkel-Szene zeigte, zu der Schäuble sich äußern sollte, zeigte der Minister sich geradezu gelangweilt. Das habe man doch schon so oft gesehen, wies er Jauch und seine Redaktion zurück: „Es wird doch nicht besser, wenn jeder noch seinen Senf dazu gibt.“

Kurzum: Wer das Gespräch nach Belieben und meist ins Allgemeine lenkte, mal an Helmut Schmidt erinnerte, mal Sentenzen von zeitloser Schön- oder zumindest Schlichtheit einstreute („Man muss ja versuchen, die Menschen zu verstehen.“), mal mit zweifellos respektablen Aussagen zum eigenen Schicksal glänzte („Eigentlich sind alle Menschen behindert. Unser Vorteil ist: Wir wissen es wenigstens.“), war Wolfgang Schäuble.

Kommentare (58)

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30.11.2015, 07:51 Uhr

Mir hat diese Talkshow nur eines ganz deutlich vor Augen geführt, es gibt keinen in der Union, der Kanzler oder Kanzlerin werden will. Die Union wird mit und durch die Grün-Sozialistische Merkel untergehen. Vor allen vor den Hintergrund des AfD Deligierten Parteitag am Wochenende in Hannover.
Die AfD zeigt Geschlossenheit und wird in Zukunft eine Alternative für frustrierte Unionsmitglieder und Wähler darstellen.
Schäuble hätte bei Jauch die Chance nutzen sollen, sich als Gegen-Kanzler zur werteverratenden Unionspolitik dieser Grün-Sozialistischen Merkel zu präsentieren. Schäubles Loyaliät gilt jedoch schon lange nicht mehr den Unionswerten, sondern dem Macht erhalt einer Persön -Merkel-.
Und das ist sein großer Fehler....er ist nicht der Union und damit ihren konservativen-und sozialen Werten loyal, sondern einfach nur der Führerin Merkel. Und dies kann nur in die Hose gehen.
Die AfD wird daraus profetieren und die Union wird dadurch nur noch mehr geschwächt.

Herr C. Falk

30.11.2015, 08:20 Uhr

Nun, wer spekuliert hatte, Schäuble könnte irgendetwas Kritisches in Richtung der skifahrenden Lawinenkanzlerin sagen, etwa von dem Kaliber wie es Horst Seehofer gemacht hat, um damit den Startschuß zur Kanzlerdämmerung zu setzen, der kennt nicht den Fuchs Wolfgang Schäuble.

Schäuble hielt sich , was die Kanzlerin anging, vollständig bedeckt und mimte den Loyalen. Es wäreauch höchst merkwürdig gewesen, wenn Schäuble ein Format wie die Sendung des Herrn Jauch benutzt hätte, um eigene Ansprüche auf die Kanzlerschaft zu signalisieren.

Frau Merkel hat Zeit bis in den März kommenden Jahres zu beweisen ob ihre Politik des sich Abhängigmachens vom Wohlwollen des Herrn Erdogan den Erfolg haben wird, den sie sch verspricht.

Das scheint auch die politische Linie des Herrn Schäuble zu sein.

Die offen zu Tage getretenen erheblichen Spannungen innerhalb der Union sind natürlich auch ein Thema für Herrn Schäuble, anmerken läßt er sich nichts und ergeht sich stattdessen in harmlosen Plaudereien.

Auch so kann man Politik unter die Leute bringen. Mit welchem Erfolg, bleibt dahingestellt.

Stefan Heinz

30.11.2015, 08:26 Uhr

Leider dreht sich auch Schäuble um bzw. versteckt sich hinterm Rockzipfel von Merkel die zielsicher Deutschland (und Europa) ruiniert. Dass Schäuble (ebenso wie de Maizière und Seehofer) zwar mal kurz aufmuckt, zwei Wochen später aber sagt Merkel macht doch alles super und man hat ihn wohl falsch verstanden zeigt dass auch er (wie sein ganzer Verein) (m)einer Stmme nicht würdig ist. In der Sendung habe ich zudem Verweis auf den neuen Merkel-Deal mit der Türkei vermisst. Findet Schäuble dass auch gut?

Gefallen hat mir dagegen der AFD Parteitag wo die Dinge beim Namen genannt werden.

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