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14.06.2015

19:53 Uhr

Liberale in Baden-Württemberg

FDP forciert Comeback im Stammland

Alle liberalen Augen schauen 2016 auf Baden-Württemberg. Scheitert die FDP in ihrem Stammland an der Fünf-Prozent-Hürde, könnte es auch mit dem Wiedereinzug in den Bundestag mau aussehen.

Michael Theurer in Balingen: „Wir können auch Männer.“ dpa

Landeschef der FDP in Baden-Württemberg

Michael Theurer in Balingen: „Wir können auch Männer.“

BalingenDer baden-württembergischen FDP kann es gar nicht schnell genug gehen: Hans-Ulrich Rülke hat gerade seine Rede beendet, da wird auf dem Landesparteitag am Samstag in Balingen auch schon abgestimmt. Per Handzeichen küren die mehr als 300 Delegierten den 53-Jährigen zu ihrem Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im März 2016. Es gibt nur zwei Enthaltungen. Die Delegierten jubeln.

Rülke kann diesen Rückhalt sehr gut gebrauchen. Auf den Vorsitzenden der insgesamt sieben Abgeordneten im Stuttgarter Landtag wartet nun eine große Aufgabe: Er soll die Liberalen im Südwesten mit einem Ergebnis von mindestens acht Prozent wieder ins Parlament führen und damit auch für Rückenwind für die Liberalen im Bund sorgen.

2017 will die FDP wieder in den Bundestag zurückkehren, den sie 2013 nach einem desaströsen Wahlergebnis verlassen musste. Gelingt beides nicht, könnte die einst so stolze Partei in ihrer Existenz gefährdet sein. Bestärkt sehen sich die Liberalen durch den Wiedereinzug in die Bürgerschaften von Hamburg und Bremen.

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Dort führten zwei Frauen die FDP in diesem Jahr zum Erfolg – Katja Suding und Lencke Steiner. „Wir können auch Männer“, sagt Baden-Württembergs FDP-Landeschef Michael Theurer und lobt Rülke als unermüdlich, intelligent, amüsant und „gelegentlich auch scharfzüngig“. Kritiker halten Rülke aber nicht für einen Menschenfänger, sondern für einen Polemiker und Zyniker. Aber er hat seine Attacken in den vergangenen Monaten etwas gezügelt.

Sowohl Rülke als auch Theurer vermeiden es, sich auf einen Koalitionspartner im Land festzulegen. Grüne, SPD und CDU - Angriffe gibt es gegen alle. Der Spitzenkandidat zeigt sich mit Blick auf die Lage der eigenen Partei demütig und sagt in Anspielung auf

„Die göttliche Komödie“ des italienischen Dichters Dante Alighieri: „Wir sind dem Inferno zwar entstiegen, aber der Weg ins Paradies ist noch weit.“ Die FDP befinde sich auf dem schwierigen Anstieg des Läuterungsberges, führt er aus. „Von dort aus kann man das Paradies sehen, aber man kann auch in die Hölle zurückgestoßen werden.“

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