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24.09.2013

06:23 Uhr

Liberale in der Krise

Sanierungsfall FDP

VonMartin Dowideit

Wären die Liberalen ein Unternehmen, käme der Stimmenverlust einer plötzlichen Absatzkrise gleich. Welche Werkzeuge aus der Firmensanierung lassen sich anwenden, um nicht unterzugehen? Ein Gedankenspiel.

FDP-Schlappe war nur Frage der Zeit

Video: FDP-Schlappe war nur Frage der Zeit

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DüsseldorfBei einem angeschlagenen Unternehmen gilt meist dasselbe wie jetzt bei der FDP: Schnell fragen die Gläubiger nach der Verantwortung der Geschäftsleitung. Bei der FDP gilt das für das Vertrauen der Wähler in die Führung der Liberalen. Der Rücktritt von Parteichef Philipp Rösler ist ein Weg, die Wiedergesundung der FDP einzuleiten – wenn man sich die Parallelen zur Unternehmenswelt anschaut. Auch bei einer Firmensanierung sind solche Veränderungen üblich.

Aus Expertensicht ist damit aber eigentlich der zweite vor dem ersten Schritt geschehen. „Bei angeschlagenen Firmen stellt man zuerst die Frage: abwickeln oder sanieren?“, so ein erfahrener Berliner Unternehmensberater. Im politischen Spielfeld bedeutet das: Gibt es für die Grundprämisse der Partei genügend Anhänger?

In Hessen konnte sich die FDP knapp im Landtag halten, ein Lichtblick. Vor allem für die Wirtschaft. Im Unternehmerlager finden sich viele Anhänger der Partei. So zeigte sich Industrie-Präsident Ulrich Grillo enttäuscht, dass die FDP im neuen Bundestag mehr vertreten sein wird. „Liberales Gedankengut hat uns in den vergangenen Legislaturperioden vorangebracht“, ist er überzeugt.

Der tiefe Fall der FDP

Ende einer Ära

Die Liberalen sind bei der Bundestagswahl 2013 zum ersten Mal in ihrer Geschichte aus dem Bundestag geflogen. Als Regierungspartei ereilte dieses Schicksal bisher nur die damalige Kriegsgeschädigten- und Vertriebenenpartei Gesamtdeutscher Block/BHE (GB/BHE) 1957 in der jungen Bundesrepublik.

Die Königsmacher

Seit 1949 saß die FDP ununterbrochen im Parlament. Mehr als vier Jahrzehnte war sie an Bundesregierungen beteiligt und bei Kanzlerwechseln mehrfach das Zünglein an der Waage.

Hohe Stimmenverluste

Den in früheren Jahren größten Stimmenverlust mussten die Liberalen 1994 hinnehmen. Damals rutschten sie von 11,0 auf 6,9 Prozent - ein Verlust von 4,1 Punkten. Nach ihrer „Wende“ von der SPD zur Union war die Partei aber schon 1983 auf 7,0 Prozent abgerutscht (minus 3,7).

Der Tiefpunkt

Schon 1969 hatte der FDP fast das Totenglöcklein geläutet. Mit ihrem schlechten Ergebnis von 5,8 Prozent (minus 3,7) überwand sie nur knapp die Sperrklausel, konnte aber mit der SPD eine sozial-liberale Bundesregierung bilden. Das Bündnis hielt 13 Jahre lang bis 1982.

Letzte Bastion Baden-Württemberg

Mehr als 50 Mal wurde die FDP aus Landtagen gekippt - zuletzt in Bayern. Nur in Baden-Württemberg ist sie noch nie gescheitert.

Den Niedergang der Partei auf Bundesebene konnte das aber nicht stoppen. „Es mangelt an einer klaren Positionierung und Strategie“, sagt ein Düsseldorfer Unternehmensberater. Die Partei sei als Mehrheitsbeschaffer wahrgenommen worden. Ein zweitägiger Workshop zur Neupositionierung mit externem Sachverstand sei als erste Reaktion angemessen, um dieses Problem anzugehen, schlägt der Experte vor.

Doch wie ist die Partei in die Falle gelaufen? Ein anderer Restrukturierungsexperte sagt: „Die FDP hatte ein klassisches Wachstumsproblem. Der plötzliche Erfolg 2009 zeigte, dass es einen Mangel an gestandenem Personal gegeben hat.“ Für den Neuanfang steht jetzt allerdings ein interner Kandidat bereit, der auch bei den Gläubigern – den Wählern – Vertrauen genießt: Der nordrhein-westfälische FDP-Chef Christian Lindner hatte in seiner „Abteilung“ erfolgreich gearbeitet. Ihm ist das Kunststück gelungen, seine Partei im Düsseldorfer Landtag zu halten – trotz widriger Rahmenbedingungen, vorgegeben durch die bereits schwächelnde Bundespartei.

Kommentare (31)

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milo

24.09.2013, 07:29 Uhr

Auf welchem Planeten hat denn der Herr Grillo die letzten Jahre verbracht? Wo hat denn die FDP liberales Gedankengut vertreten, wo hat sie ueberhaupt was vertreten? Es sei denn der Herr Grillo hat ein Hotel, dann ist sein Kommentar verstaendlich. Wenn die Industrie von Herren wie Grillo vertreten wird, dann gute nacht Industrie, Einfaeltigkeit pur.

Frei

24.09.2013, 07:54 Uhr

Eine Partei, die sich wie die FDP für den EU-Beitritt der Türkei stark macht, ist leider nicht wählbar. Die Türkei ist z.B. so "liberal", dass sie die Evolutionstheorie aus dem Schulunterricht verboten hat, da dort nur noch den religiösen Kreationismus gelehrt werden darf.

Vor der FDP hätte ich mir erwartet, dass sie stattdessen religiöser Fundamentalismus die rote Karte zeigt und nicht auch noch unterstützt.

Account gelöscht!

24.09.2013, 08:06 Uhr

Wäre es ein Unternehmen, so würde die Partei der Besserverdienenden hier die Abwicklung fordern, nicht die Sanierung.
So sollte man es tun!

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