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31.03.2011

11:47 Uhr

Libyen-Krise und Atomdebatte

Merkels Politik isoliert Deutschland in der Welt

Erst die seltsame Enthaltung in der Libyen-Krise, dann die abrupte Atom-Wende: Nicht nur Deutschland, auch das Ausland versteht Angela Merkel und die Bundesregierung nicht mehr. Ein Streifzug durch die Welt der Macht.

Kanzlerin Merkel mit US-Präsident Obama beim G20-Gipfel in Seoul. Quelle: Reuters

Kanzlerin Merkel mit US-Präsident Obama beim G20-Gipfel in Seoul.

WashingtonDie Vereinigten Staaten hätten wichtige Verbündete im Kampf gegen Libyens Diktator Muammar el Gaddafi, sagte Präsident Barack Obama kürzlich. Dann zählte er eine „starke und wachsende Koalition“ auf: Großbritannien und Frankreich gehörten dazu, Kanada und Dänemark, Norwegen und Italien, Spanien und Griechenland, selbst die Türkei. Von den großen westlichen Nationen fehlte in Obamas Ansprache nur Deutschland. Die USA sind regelrecht fassungslos, weil sie die deutsche Enthaltung im Uno-Sicherheitsrat zu Libyen nicht einmal im Ansatz nachvollziehen können.

Und sie sind verständnislos über die Hauruck-Kehrtwende in der deutschen Atompolitik, weil Amerika nicht begreifen will, wie ein so fundamentaler Schwenk innerhalb weniger Tage vollzogen werden kann. Gravierender noch als das Kopfschütteln sind die Schlüsse, die aus diesen Entscheidungen gezogen werden. Deutschland, wie es sich heute präsentiere, sei offenbar bereit, „seine Beziehungen mit Verbündeten nationalen Interessen unterzuordnen“, urteilt die „New York Times“ – nationalen Interessen wie den Landtagswahlen am vergangenen Wochenende.

„Bisher hat man in Europa auf Berlin geschaut, wenn man wissen wollte, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln“, sagt Außenpolitiker Gary Schmitt vom konservativen Thinktank American Enterprise Institute: „Doch jetzt ist fraglich, ob das noch gilt.“ In Zweifel gezogen wird aber auch Kanzlerin Merkels langfristige politische Strategie. "Sie orientiert sich an kurzfristigen Überlegungen - und das ist ihre Schwäche", sagt Schmitt. Eine Schwäche, die in Washington aufmerksam registriert wird. „Auf Deutschland kann man bauen, so lange kein Risiko involviert ist. Sonst wohl eher nicht.“

Kommentare (50)

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Prenden

31.03.2011, 11:47 Uhr

Ich bin der meinung das viele Bürger in Deutschland Merkels Politik auch nicht verstehen in Punkto innenpolitische Themen. Merkel die unverstandene Ghandi?

Wahrhaftigkeit

31.03.2011, 12:04 Uhr

Frau Merkel ist politisch völlig ohne Vision. Sie reagiert nur auf Themen. Dies auch nur aus deutschnationaler Sicht, zum Zweck der eigenen Machterhaltung. Ein tragischer Irrtum. Damit manövriert sie Deutschland ins internationale politische Abseits und zeigt damit den Kleingeist deutscher Politik. Wie will man so in die internationale politische Champions League aufsteigen. Einfach lächerlich.

Account gelöscht!

31.03.2011, 12:12 Uhr

Die Welt versteht die Hysterie in Deutschland nicht? Dann hat sie wohl noch nichts aus Fukushima gelernt. Die Mehrheit der Deutschen wollen keine Atomkraft, also hat die Politik dafür zu sorgen, dass das auch so durchgesetzt wird. Egal was der Rest der Welt davon hält. Wir sind das Volk.

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