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02.02.2015

14:05 Uhr

Lindner-Wutrede

„Dämlicher Zwischenruf“ bringt FDP-Chef in Rage

VonDésirée Linde, Tina Halberschmidt

Ab Minute 22 drehte Christian Lindner auf: Der FDP-Parteichef setzte zu einer Wutrede im Düsseldorfer Landtag an. Grund war der Zwischenruf von Landtagsneuling Volker Münchow. Der schwieg erst, verteidigt sich aber nun.

Bei einer Rede von Christian Lindner vor dem nordrhein-westfälischen Landtag hat der FDP-Parteivorsitzende zu einer wahren Wutrede angesetzt. Anlass war ein Zwischenruf eines SPD-Abgeordneten. Er habe ja wohl „Erfahrung mit der Gründerkultur“ hatte der SPD-Mann Volker Münchow ihm zugerufen, während Lindner am Rednerpult stand. Es war eine hämische Anspielung auf Lindners einstiges Scheitern mit seinem Unternehmen während der New Economy.

Lindner, als guter Redner bekannt, nahm den Zwischenruf auf mit den Worten: „Ah, das ist ja interessant“ und wusch dem SPD-Hinterbänkler gehörig den Kopf. SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hatte zuvor in der Regierungserklärung gesagt, man solle Scheitern von Pionieren nicht ein Leben lang biographisch als Stigma verwenden.

„Da haben Sie einen, Frau Ministerpräsidentin“, sagte Lindner, auf Münchow, Fraktionsgeschäftsführer der SPD und Landtagsneuling, deutend. „Da haben Sie einen in Ihren eigenen Reihen, der nicht zuhört, was Sie machen.“ Genau das sei der Grund, warum junge Menschen heute lieber in den öffentlichen Dienst treten würden, statt sich zu gründen.

Das ist Christian Lindner

Heimat

Christian Lindners Heimat ist das Bergische Land. Geboren wurde er am 7. Januar 1979 in Wuppertal, aufgewachsen ist er in Wermelskirchen.

Studium

Der Wermelskirchener studierte Politikwissenschaft, Öffentliches Recht und Philosophie an der Rheinischen Friedrich‐Wilhelms‐Universität Bonn und schloss sein Studium 2006 mit einem Magister Artium ab. In seiner Magisterarbeit am Institut für politische Wissenschaft beschäftigte er sich mit dem Thema „Steuerwettbewerb und Finanzausgleich. Kann die Finanzverfassung reformiert werden?“. Anschließend begann er mit der Abfassung seiner Dissertation, die er aufgrund seiner politischen Tätigkeit aber bisher nicht abgeschlossen hat.

Beruflicher Start

Von 1997 bis 2004 war Lindner Inhaber einer Werbeagentur sowie Mitgründer eines Internet‐Unternehmens. In dieser Zeit gab er zwei Fachbücher heraus.

Politischer Werdegang

Mit 16 trat er der FDP bei. Von 1996 bis 1998 war er Landesvorsitzender der Liberalen Schüler NRW und Vorstandsmitglied der Jungen Liberalen NRW.

Gestalter in Düsseldorf

Seit 1998 ist Linder Mitglied des NRW-Landesvorstandes der FDP. Von 2000 bis 2009 war er Abgeordneter des nordrhein‐westfälischen Landtags, wo er die Themen Generationen, Familie, Integration sowie Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie verantwortete, seit 2005 als stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Von 2004 bis April 2010 war Lindner zugleich Generalsekretär des FDP‐Landesverbandes Nordrhein‐Westfalen.

Von Düsseldorf nach Berlin

2009 wechselte Lindner in den Deutschen Bundestag und wurde zum Generalsekretär seiner Partei berufen. Dieses Amt gab er im Dezember 2011 zurück. Sein Bundestagsmandat gab er im Zuge der NRW‐Landtagswahl im Juli 2012 auf.

An die Spitze der FDP

Lindner ist seit der Landtagswahl im Mai 2012 Mitglied des Landtages (Rheinisch-Bergischer Kreis) sowie Vorsitzender der Landtagsfraktion und des Landesverbandes der FDP in Nordrhein‐Westfalen. Nach einer historischen Zäsur für die FDP bei der Bundestagswahl 2013 wurde er am 7. Dezember des selben Jahres zum Bundesvorsitzenden der FDP gewählt.

Privates

Lindner ist seit August 2011 mit der „Zeit“-Journalistin Dagmar Rosenfeld-Lindner verheiratet.

„Wenn man Erfolg hat, gerät man in das Visier der sozialdemokratischen Umverteiler und wenn man scheitert, ist man sich Spott und Häme sicher“, schimpfte Lindner. Er redete sich weiter in Rage und teilte ordentlich aus: „Sie haben im Grunde die ganze Regierungserklärung ihrer Ministerpräsidentin durch Ihren dämlichen Zwischenruf zur Makulatur gemacht. Bei dem Kollegen, der jetzt hier im Land zum ersten Mal in Erscheinung tritt, können Sie sich bedanken, Frau Ministerpräsidentin.“

Es seien meistens solche Sozialdemokraten, die solche Kritik äußerten, die das ganze Leben im Staat gearbeitet oder vom Staat selbst gelebt hätten, die anderen unternehmerisches Engagement vorwerfen würden.

Kommentare (33)

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Herr Michael Träger

02.02.2015, 14:25 Uhr

Toller Hecht, der Herr Lindner. Und der will in Berlin mitregieren? Nein danke.

Herr Simon Schmitt

02.02.2015, 14:33 Uhr

Danke Herr Lindner, volle Zustimmung meinerseits!

Herr Franz Paul

02.02.2015, 14:54 Uhr

Ja, so ein Verwaltungsheini und Partei-Hofschranze hat leicht ätzen! Er musste ja nie um seine Existenz kämpfen. Ich kann zwar Lindner und seine Partei nicht leider, aber der SPD haben wir es zu verdanken, wenn hier bald keiner mehr was investieren und riskieren will.

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