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11.12.2013

14:28 Uhr

Linke hilft Homm

Wagenknecht setzt sich für Finanzhai ein

Finanzhai, Pitbull, Anti-Christ: Florian Homm hat hässliche Spitznamen. Der Ex-Spekulant sitzt in Italien hinter Gittern. Nun setzt sich ausgerechnet die Linke Sahra Wagenknecht für ihn ein. Er bedankt sich per Brief.

Sahra Wagenknecht, Peter Hahn und Florian Homm (von links) im Frühjahr in einem Interview beim ZDF. Screenshot

Sahra Wagenknecht, Peter Hahn und Florian Homm (von links) im Frühjahr in einem Interview beim ZDF.

DüsseldorfSie sind ein merkwürdiges Duo, denn die Gegensätze könnten fast nicht größer sein. Florian Homm ist vielleicht so etwas wie der personifizierte Kapitalismus, vor allem mit negativen Eigenschaften: „Finanzhai“, „Pitbull“, „Anti-Christ der Finanzwelt“ sind nur einige der wenig schmeichelhaften Namen, die den Ex-Börsenspekulanten verpasst wurden – oder die er sich selber gab. Sahra Wagenknecht hingegen steht für das Gegenteil, vor allem für Sozialismus.
Nun hat sich die Linken-Politikerin und Bundestags-Fraktionsvize bei der Bundesregierung dafür eingesetzt, dass der Ex-Spekulant das Gefängnis verlassen darf, falls es ihm gesundheitlich zu schlecht gehe, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Auch wenn sich Homm vor der Justiz verantworten müsse. Das überrascht selbst Homm. Er antwortet in einem Brief auf Süddeutsche.de, Wagenknechts Einsatz für ihn habe ihn „fast vom Stuhl gehauen“.

Gleichzeitig ist dieser Brief fast so etwas wie eine Liebeserklärung von Homm, wenn auch nicht an Wagenknecht, dann an die Partei. Deutschland solle „froh sein, dass es die Linke gibt. Wer setzt sich denn sonst für die Belange der steigenden Anzahl der links (oder rechts) Liegengelassenen ein?“ Und weiter: „Vielleicht kann ich eines Tages auch etwas für Sie oder Ihre Partei/Ihre Bewegung tun.“ Wagenknecht wollte auf Anfrage den Brief bisher nicht kommentieren.

Wagenknecht und Homm waren im Frühjahr Interviewgäste bei Peter Hahne im ZDF. Schon damals wurde in der Diskussion die konträrer Meinung von Wagenknecht und Homm mehr als deutlich. Wagenknecht ging Homm kräftig an. Doch unsympathisch schienen sich die beiden trotzdem nicht.

Seit Monaten sitzt Homm in Italien hinter Gittern. Der Grund: Ihm wird Anlagebetrug im großen Stil vorgeworfen. Um 200 Millionen Dollar soll er Kunden geprellt haben. Fünf Jahre war er untergetaucht. Dann gab er im Frühjahr das Interview im ZDF, wo er auch Wagenknecht traf. Im Frühjahr wurde er in Italien festgenommen, auf Antrag der US-Justiz.

Doch die Haft in einem italienischen Gefängnis ist kein Zuckerschlecken. Erst recht nicht für einen, der an Multipler Sklerose erkrankt ist. Der 54-Jährige leidet an der Nervenkrankheit, die medizinische Betreuung notwendig macht. Homms Anwälte halten ihn nicht mehr für haftfähig, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Er selbst schreibt vom „Vorzimmer der Hölle“. Am Donnerstag entscheidet ein Gericht darüber, ob Homm in ein Krankenhaus verlegt wird.

Einst war Homm eine schillernde Figur, sozusagen das Klischee eines Börsenspekulanten. Er hatte alles: Teure Autos, Flugzeuge, ein Haufen Geld. Homm verdiente Mitte der Neunziger Millionen daran, als die Werft Bremer Vulkan bankrott ging. Er schaufelte sich die Taschen voll, die Arbeiter saßen auf der Straße. Doch für moralisch verwerflich hielt er das nicht, sagte er im Interview. Viel mehr sei moralisch verwerflich, dass eine Milliarden an Steuergeldern per Subvention in ein marodes Unternehmen geflossen wären, so Homm. 2004 war der Großneffe des Versandhausgründers Josef Neckermann beim damals finanziell angeschlagenen Fußball-Bundesligisten BVB Borussia Dortmund mit mehr als 25 Prozent als Großaktionär eingestiegen. Das alles brachte ihm den Ruf des Finanzhais ein.

Doch dann gab er sich geläutert. Und so klingt das auch im Brief: „Gehen Sie 100-prozentig davon aus, dass ich mich für menschliche, seelische, spirituelle Themen einsetze und nicht das geringste Interesse habe, in die Weltwirtschaft oder ins Finanzgeschäft zurückzukehren.“

Von

mai

Kommentare (6)

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JosDob60

11.12.2013, 14:49 Uhr

Eine Haft in Italien soll (wie in Deutschland) auch kein Zuckerschlecken sein! Italien ist ein Rechtstaat und das einen Häftling nicht gefallen sollte, steht ihm der Weg zum Europäischen Gerichtshof offen.
Falls sich die Bundesregierung für "Justizopfer" einsetzen will, sollte sie sich z.B. um den Fall Gustel M. oder Ulvi K. kümmern. Das sind wirkliche Opfer

Account gelöscht!

11.12.2013, 15:04 Uhr

Deutschland sollte wieder einen "repräsentativen Monarchen" an die Spitze stellen, einen Nachkömmling von Wilhelm II. Dann hätten wir einen König als Repräsentaten "als Wink-August", so ähnlich wie die Queen in UK. Mehr Zweck hat doch die Stelle des Präsidenten in Deutschland auch nicht.

Wahrscheinlich soll Gauck jetzt langsam auch abtreten, damit wir wieder einen neuen Präsidenten bekommen mit all dem Theater, was bei der Wahl dazugehört, ein neuen Affen-Theater zur Ablenkung.

Und nebenbei agiert auch Frau Merkel wie eine Monarchin mit Regierungs-gewalt. Grabes-Stille aus CDU und Regierung, so mag sie es. Abartiges Deutschland-Theater. Hinterzimmer-Diktatur mit Harlekin-Fassade.

Account gelöscht!

11.12.2013, 15:05 Uhr

Eine ganz offensichtlich humanitäre Haltung.
Wie auch immer: S. Wagenknecht offenbart immer wieder einen scharfen, analytischen Sachverstand. Sie entwickelt sich ganz offensichtlich zur ersten herausragenden politischen Querdenkerin. Das kann für neue Ideen, Ansichten und Meinungen des im Spektrum der innerhalb der Parteien ansonsten vorherrschenden und vorgegebenen Zwanges nur gut sein.

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