Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2013

12:09 Uhr

Linke provozieren Skandal

„Deutsche Politik zieht Blutspur durch Südeuropa“

Die Linke macht die deutsche Euro-Politik von Regierung, SPD und Grünen mitverantwortlich für Selbstmorde und Verelendung. Ein Abgeordnete fand dafür drastische Worte und sorgte so für einen Eklat im Bundestag.

Oskar Lafontaine hat in einem Interview schwere Vorwürfe erhoben. dapd

Oskar Lafontaine hat in einem Interview schwere Vorwürfe erhoben.

BerlinEmpörung über die Linke und Ex-Parteichef Oskar Lafontaine im Bundestag: Deren Wirtschaftsexperte Michael Schlecht erklärte am Donnerstag in der Debatte zum Jahreswirtschaftsbericht, Bundesregierung, SPD und Grüne trieben mit ihrem Euro-Rettungskurs Menschen in südeuropäischen Krisenländern in den Tod. „Insofern zieht die deutsche Politik mittlerweile eine breite Blutspur mindestens durch Südeuropa. Und das ist ein Skandal“, sagte Schlecht.

Zuvor hatte bereits Ex-Linke-Chef Oskar Lafontaine in einem Interview behauptet, SPD und Grüne seien für Suizide in Südeuropa mitverantwortlich. Die Grünen wiesen die Äußerungen scharf zurück und wollen den Fall nun vor den Ältestenrat des Parlaments bringen.

Jahreswirtschaftsbericht: SPD teilt aus – Rösler muss einstecken

Jahreswirtschaftsbericht

SPD teilt aus – Rösler muss einstecken

Laut SPD hat die schwarz-gelbe Koalition zu wenig für den Schuldenabbau getan.

Lafontaine äußerte sich am Montag im ARD-„Morgenmagazin“ zur Wahl in Niedersachsen und Perspektiven für mögliche rot-rot-grüne Bündnisse. Der frühere SPD-Chef und aktuelle Vorsitzende der Linksfraktion im saarländischen Rundfunk führte dann aus, dass SPD und Grüne sich von sozialer Gerechtigkeit verabschiedet und Maßnahmen wie Fiskalpakt, Hartz IV und Agenda 2010 auf ganz Europa übertragen hätten: Und „also mitverantwortlich sind – vielleicht wissen die das gar nicht – dafür, dass sich Menschen im Süden Europas umbringen. Das ist für uns schon ein gravierender Sachverhalt, der mich wirklich traurig macht“, sagte Lafontaine.

Die stellvertretende Grünen-Fraktionschefin Kerstin Andreae sagte im Bundestag: „Wer von Blutspur spricht und wer von Haftung für Selbstmorde spricht, macht billigen Wahlkampf.“ Die Folgen der Euro-Beschlüsse nehme niemand in der Politik auf die leichte Schulter. „Uns treibt alle um, wie es den Menschen in Griechenland und Südeuropa geht.“

Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, schrieb auf Twitter: „Linke spricht von Blutspur Deutschlands im Süden Europas! Unglaublich! Das ist antidemokratisch!“ SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hatte Lafontaines Aussagen als „gehässige Verzweiflungstat“ im Niedersachsen-Wahlkampf kritisiert. „Im Abstiegskampf scheinen Lafontaine alle Mittel recht zu sein – je unbedeutender die Linkspartei, desto verantwortungsloser“, sagte Nahles der „Süddeutschen Zeitung“.

Im Euro-Krisenstaat Griechenland war die Zahl der registrierten Suizide binnen zwei Jahren sprunghaft gestiegen. Im Dezember erklärte die Regierung in Athen, die polizeilich gemeldeten versuchten oder vollzogenen Suizide sei von 677 im Jahr 2009, vor Ausbruch der schweren Krise, auf 927 im Jahr 2011 gestiegen. Die griechische Regierung betonte aber, der Entschluss zum Suizid könne nicht auf einen einzigen Faktor wie die Folgen der Finanzkrise reduziert werden.

Von

dpa

Kommentare (51)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rene

17.01.2013, 12:31 Uhr

Ginge es nach der LINKSpartei, wäre die Verelendung eher in Deutschland, damit das Geld schön in den Süden flösse.

merkle

17.01.2013, 12:52 Uhr

Es ist schwer für die Altparteien, die Wahrheit zu hören. Fakt bleibt aber, dass die Selbstmordrate in den südlichen Ländern gestiegen ist. Die Politik hat Mitschuld, weil sie fern der Bürger nur kapitalistisch agiert. Und wenn man dann die Wahrheit sagt, sind diese Pfeifen erschüttert.

Karin

17.01.2013, 12:58 Uhr

Natürlich hat Lafontaine Recht!! Schliesslich waren es die Deutschen, die den Euro unbedingt einführen wollten!! Ohne Rücksicht auf die schwachen Länder und deren Volkswirtschaften!! Das dieses zum Scheitern verurteilt ist, stand schon am Anfang fest!! Nur geht es doch gar nicht darum. Sondern um eine Refeudalisierung der Gesellschaften!! Und das die Krise wieder einmal durch das Geldsystem hervor gerufen wurde, steht auch fest! Die Welt ist zu reich für den Kapitalismus!! Da mittels Geldsystems zuviel Reichtum angehäuft wurde, der sich beständig weiter vermehrt!! Damit haben einige wenige zuviel Macht und bestimmen die Welt!!

Und das dieses die LINKE auch nicht erkennt, da sie alle mit von den Zinsen profitieren, werfe ich Lanfontaine vor! Somit ist die LINKE für mich auch nicht wählbar!! Da sie das eigentliche Problem, welches die Menschheit in den Abgrund treibt, auch nicht erkannt hat!!

Das es im Kapitalismus nur um fressen und gefressenw erden geht, ist doch klar! Also muß ein Land immer daran glauben!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×