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24.01.2010

15:04 Uhr

Linksfraktionsvize Bartsch

„Lafontaines Rückzug ist eine Zäsur“

VonBarbara Gillmann

ExklusivDas Handelsblatt sprach mit Dietmar Bartsch über den Rücktritt von Oskar Lafontaine und dessen Folgen für die Linke. Der Bundesgeschäftsführer und Vizefraktionsvorsitzende der Linkspartei begrüßt die rot-rot-grüne Debatte und macht die politischen Gegner bei der CDU/CSU und der FDP aus.

Diemtar Bartsch und Oskar Lafontaine: "Rücktritt ist eine Zäsur." Quelle: dpa

Diemtar Bartsch und Oskar Lafontaine: "Rücktritt ist eine Zäsur."

Handelsblatt: Herr Bartsch, Lafontaine hat die Westausdehnung der Linken möglich gemacht – ist sie ohne ihn bedroht?

Dietmar Bartsch: Nein. Zweifelsfrei ist sein Rückzug eine Zäsur. Aber wir sind in einer völlig anderen Situation als vor 2005: wir haben heute sechs Landtagsfraktionen in den alten Ländern und Oskar Lafontaine wird sich – genauso wie ich als Bundesgeschäftsführer – aktiv in den Landtagswahlkampf für die Wahl in NRW im Mai einbringen. Unser Ziel ist der Einzug in den Landtag und wenn wir das schaffen, ist mir nicht Bange um den weiteren Westaufbau der Linkspartei.

HB: Führende Parteifreunde schätzen, dass Lafontaine allein für mindestens für fünf Prozent der Wählerstimmen steht.

Bartsch: Kein anderer steht so für den Erfolg der Linken im Westen, aber das kann man nicht in Prozenten messen. Wir haben im Westen inzwischen auch andere profilierte Personen.

HB: Für viele Sozialdemokraten ist ihr Ex-Vorsitzende Lafontaine ein rotes Tuch - werden Bündnisse nun leichter ohne ihn?

Bartsch: Das sehe ich nicht so. Erstmal muss die inhaltliche Grundlage stimmen. Die SPD muss sich erstmal in der Opposition finden. Daher ist spekulieren nicht angesagt.

HB: Junge Pragmatiker von SPD, Linker und den Grünen organisieren bereits die rot-rot-grüne Debatte.

Bartsch: Das ist sehr vernünftig, dass sie miteinander reden. Solche Kontakte unterstütze ich ausdrücklich.

HB: Müssen sie nicht fürchten, dass die SPD nun versucht, die Linke aus dem Ring zu drängen bzw. führende Politiker zu den Sozialdemokraten zu holen.

Bartsch: Das hat die SDPD schon immer versucht, und das ist ihr misslungen. Wir sind selbstbewusst und stabil. Wir versuchen im Osten auch nicht, die SPD wegzudrücken, obwohl sie dort überall schwächer ist als wir. Unser Hauptgegner bleiben die Neoliberalen der CDU/CSU und der FDP.

HB: Schließen sie noch immer aus, im Mai wieder für das Amt des Bundesgeschäftsführers oder ein anderes Amt an der Parteispitze zu kandidieren?

Bartsch: Ja. Ich bin gerade als Stellvertreter von Gregor Gysi in der Bundestagsfraktion gewählt worden.

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