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12.01.2010

13:17 Uhr

Linkspartei

Bartsch holt im Machtkampf zu neuem Schlag aus

„Ich lasse mir von niemandem Illoyalität vorwerfen“ – mit diesen Worten hat der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, die scharfe Kritik von Fraktionschef Gregor Gysi zurückgewiesen. Damit geht der innerparteiliche Schlagabtausch in die nächste Runde.

Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch. Reuters

Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch.

HB BERLIN. Illoyalität sei „so ziemlich das Schlimmste, was man dem Bundesgeschäftsführer einer Partei vorhalten kann“, sagte Bartsch am Dienstag in Berlin. Zu den Hintergründen und möglichen persönlichen Konsequenzen wollte sich Bartsch nicht näher äußern. „Ich will nicht weiter Öl ins Feuer gießen. Die Partei muss zur Ruhe kommen.“ Der 51-Jährige betonte ferner: „Seit 1991 arbeite ich loyal für die Partei.“

Gysi hatte seinen langjährigen politischen Weggefährten Bartsch am Montag ungewohnt offen und scharf attackiert. Der Parteimanager habe sich gegenüber dem erkrankten Parteichef Oskar Lafontaine nicht loyal verhalten und das Vertrauen beschädigt, hatte Gysi auf einer Klausurtagung der Bundestagsfraktion gesagt. Bartsch habe interne Informationen an Medien gegeben und damit die aktuellen Personalquerelen und Ost-West-Streitigkeiten ausgelöst.

Gysis öffentliche Rüge gegen den im Osten geschätzten und im Westen kritisierten Geschäftsführer stellt die politische Zukunft von Bartsch infrage. Gysi hatte gesagt, die Partei werde eine Lösung finden, die „wehtun“ würde. Es gilt als ausgeschlossen, dass Bartsch ohne Gysis Rückhalt das Spitzenamt weiter ausfüllen wird.

Die Linke in Sachsen und Sachsen-Anhalt stellte sich im Machtkampf sowohl hinter Parteichef Oskar Lafontaine als auch den umstrittenen Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Die Linke brauche eine starke Führungsmannschaft auf Bundesebene, „für die Oskar Lafontaine ebenso unverzichtbar ist wie Dietmar Bartsch“, erklärten die stellvertretenden Landesvorsitzenden beider Verbände.

In der gemeinsamen Mitteilung der Linken aus Sachsen und Sachsen-Anhalt heißt es weiter, Lafontaine und Bartsch seien profilierte Genossen und für unterschiedliche Teile der Partei Integrationsfiguren. „Wer den Rückzug eines von beiden fordert oder befördert, riskiert entweder eine tiefe Spaltung oder will weite Teile der Partei an den Rand drängen.“

Auch der Fraktionsvorsitzende der Linken im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, stellte sich hinter den umstrittenen Bundesgeschäftsführer. Im Deutschlandradio Kultur sagte er, Bartsch habe mit seinen Äußerungen bezüglich der Zukunft Lafontaines weder Majestätsbeleidigung begangen noch vorzeitig über die Führungsstruktur nachgedacht. Er gehe davon aus, dass der innerparteiliche Streit um die beiden mit der Fraktionsklausur beendet sein werde.

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