Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2015

02:11 Uhr

Liveblog zur Flüchtlingskrise

4000 Flüchtlinge in München eingetroffen

In München sind heute insgesamt rund 4000 Asylsuchende eingetroffen. Die USA wollen mehr Flüchtlinge aufnehmen. Der Papst legt bei seiner UN-Rede Ende September den Fokus auf die Flüchtlingskriese. Der Liveblog.

Flüchtlinge kommen am Mittwoch am Bahnhof Düsseldorf Flughafen (Nordrhein-Westfalen) an. dpa

Sonderzüge mit 900 Flüchtlingen

Flüchtlinge kommen am Mittwoch am Bahnhof Düsseldorf Flughafen (Nordrhein-Westfalen) an.

DüsseldorfAuch heute beherrscht die Flüchtlingskrise die Politik in Deutschland und der Welt. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wird seinen Plan zur Verteilung der Flüchtlinge in Europa vorstellen, Kanzlerin Angela Merkel wird sich bei der Haushaltsdebatte im Bundestag sprechen. Derweil kritisieren mehrere Landespolitiker das Flüchtlings-Paket der Bundesregierung. Die Ereignisse im Liveblog:

+++Papst Franziskus legt Fokus in UN-Rede auf Flüchtlingskrise +++

Papst Franziskus wird bei seiner mit Spannung erwarteten Rede vor der UN-Vollversammlung den Fokus auf die größte Flüchtlingskrise der Erde seit dem Zweiten Weltkrieg legen. Bei der Ansprache am 25. September in New York werde er auf die Notwendigkeit von Frieden in einer konfliktgebeutelten Welt eingehen, teilte der Heilige Stuhl am Mittwoch mit.

Erzbischof Bernardito Auza, der UN-Botschafter des Vatikan, sagte, das katholische Kirchenoberhaupt werde die Armut in der Welt und schlechte politische Anführer als Einflussfaktoren für Konflikte und die Flucht von Menschen geißeln. Die Flüchtlingskrise will er als „weltweites Problem“ titulieren. Halten will Franziskus die Rede in seiner Muttersprache Spanisch.

+++ Flüchtlinge vom Flensburger Bahnhof werden in Erstaufnahme gebracht +++

Zahlreiche Flüchtlinge sind am späten Mittwochabend vom Bahnhof in Flensburg in Erstaufnahmeeinrichtungen in Schleswig- Holstein gebracht worden. Die meisten der etwa 100 bis 150 Menschen wurden mit Bussen nach Boostedt (Kreis Segeberg) gefahren, wie ein Behördensprecher in Kiel sagte. „Damit der lange Weg ein Ende hat und alle sicher unterkommen.“

Die Flüchtlinge waren im Laufe des Abends mit Regionalzügen nach Flensburg gekommen. Sie konnten nicht weiter nach Norden, weil die dänische Bahn zuvor auf Anweisung der Polizei angesichts Hunderter ankommender Flüchtlinge den Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark eingestellt hatte.

+++ USA wollen mehr Syrer aufnehmen +++

Die USA wollen mehr Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen. Das kündigte US-Außenminister John Kerry am Mittwoch nach Gesprächen mit Kongressabgeordneten an. Kerry vermied es dabei, konkrete Zahlen zu nennen. Die USA stehen in der Kritik, im Vergleich zu den Verbündeten in Europa nur relativ wenige Syrer ins Land zu lassen. Im laufenden US-Haushaltsjahr erhielten bis Ende August weniger als 1300 Flüchtlinge aus Syrien die Erlaubnis zur Einreise.

„Wir wollen mehr Flüchtlinge. Dabei schauen wir besonders darauf, wie viele wir aufgrund der Krise in Syrien und die Migration nach Europa aufnehmen können“, sagte Kerry. Zudem werde man mehr Bedürftige aus dem Kongo aufnehmen, kündigte sein Ministerium an. Dort verüben Rebellen und Milizen Massaker an der Bevölkerung. Bei Kerrys Treffen mit den Abgeordneten sei es um die Festlegung der US-Quoten zur Aufnahme von Flüchtlingen aus aller Welt für 2016 gegangen.

Die USA verweisen in der Syrien-Frage auf ihre strengen Anti-Terror- Regelungen. Flüchtlinge aus Gebieten, in denen islamistische Terrorgruppen aktiv sind, müssen äußerst umfangreiche Überprüfungen über sich ergehen lassen, die bis zu zwei Jahre dauern können. Republikanische Kongressabgeordnete warnen davor, Extremisten könnten als Flüchtlinge getarnt ins Land gelangen.

+++ Norwegen regt Geberkonferenz für Syrien-Flüchtlinge an +++

Angesichts der Flüchtlingskrise hat Norwegen eine internationale Geberkonferenz für die rund zwölf Millionen durch die Kämpfe in Syrien vertriebenen Menschen vorgeschlagen. Sie habe einen entsprechenden Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon geschrieben, sagte Regierungschefin Erna Solberg am Mittwoch in Oslo. Darin habe sich Norwegen auch bereit erklärt, eine solche Konferenz auszurichten.

„Der Konflikt in Syrien hat die schlimmste Flüchtlingskrise unserer Epoche ausgelöst“, sagte Solberg. Die internationale Gemeinschaft müsse nun ihre Kräfte bündeln, um den Menschen in dem Bürgerkriegsland zu helfen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind rund acht Millionen Menschen innerhalb Syriens auf der Flucht. Vier Millionen Syrer flohen wegen der Kämpfe ins Ausland. Die meisten von ihnen halten sich in den Nachbarländern Türkei, Libanon und Jordanien auf. Aber auch in Deutschland sind in den vergangenen Wochen - und vor allem in den vergangenen Tagen - viele Flüchtlinge aus Syrien eingetroffen.

+++ Obama sieht moralische Verpflichtung +++
US-Präsident Barack Obama sieht eine moralische Mitverantwortung der USA bei der Bewältigung des Flüchtlingszustroms nach Europa. Daher werde geprüft, wie die europäischen Partner unterstützt werden könnten, teilte das US-Präsidialamt mit. Erwogen werde auch, mehr Flüchtlinge als bislang in die USA einreisen zu lassen.

+++ Insgesamt 4000 Asylsuchende in München eingetroffen +++
Am Münchner Hauptbahnhof kamen im Laufe des Tages nach Angaben der Regierung von Oberbayern rund 4000 Asylsuchende an. Damit stieg die Zahl der in der bayerischen Landeshauptstadt seit Anfang September eingetroffenen Flüchtlinge auf rund 33.000, so viele wie im gesamten Vorjahr. In zwei Sonderzügen wurden je 500 Menschen nach Dortmund gebracht. Ein weiterer sollte um Mitternacht nach Berlin abfahren.


+++ Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark gestoppt +++
Angesichts Hunderter ankommender Flüchtlinge hat die dänische Bahn ihren Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark auf unbestimmte Zeit eingestellt. Zwischen Flensburg und Padborg in Südjütland sollten auf Anweisung der Polizei keine Züge mehr fahren, sagte ein Sprecher der Bahngesellschaft DSB. Gleiches gelte auch für Züge, die auf der Fähre zwischen Fehmarn und Rødby auf der Insel Lolland transportiert würden. Eine Fähre aus Fehmarn mit etwa hundert Flüchtlingen an Bord hatte die Polizei am Mittwoch im Hafen von Rødby gestoppt. Andere Fähren müssten vor Rødby warten. Seit gestern Nacht waren etwa 330 Flüchtlinge auf Lolland angekommen. Mehrere Hundert waren mit dem Zug nach Padborg bei Flensburg gelangt.

+++ Zahl der Abschiebungen steigt deutlich +++
Die Zahl der Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. Bis Juli seien insgesamt 9.915 Flüchtlinge nach Ablehnung ihres Asylantrags in ihre Heimatländer zurückgeführt worden, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Mittwoch in Berlin. Im Gesamtjahr 2014 habe die Zahl bei 10.884 gelegen. Jene Flüchtlinge, die freiwillig zurückkehrten, seien in der Zahl nicht enthalten.

+++ Feuer in geplanter Flüchtlingsunterkunft im Saarland gelegt +++
In einer geplanten Flüchtlingsunterkunft im saarländischen Gersheim ist ein Feuer gelegt worden. Wie das Landespolizeipräsidium in Saarbrücken mitteilte, wurden bei dem Brand in einer früheren Schule in der Nacht zum Mittwoch keine Menschen verletzt. Die Ermittler gehen von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Ob es einen Zusammenhang mit Plänen gab, in dem Gebäude künftig Flüchtlinge unterzubringen, sei jedoch noch offen, sagte ein Polizeisprecher in Saarbrücken. „Wir ermitteln in alle Richtungen.“

+++ World Vision: Lage der Flüchtlinge in Serbien ist katastrophal +++
Die Versorgungslage der Flüchtlinge in Serbien ist nach Einschätzung der Hilfsorganisation World Vision katastrophal. Die Organisation hat deshalb am Mittwoch mit der Verteilung von Windeln und anderen Sanitärartikeln im Grenzgebiet zu Ungarn begonnen. „Diese Art von Hilfsgüterverteilung ist nicht neu für uns - neu ist aber, dass wir so einen Einsatz in Europa haben“, sagte Harry Donsbach, Leiter der humanitären Hilfe bei World Vision.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×