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17.08.2016

09:54 Uhr

LKA-Bericht zu München

Schütze spaziert nach Amoklauf noch durch Wohnhaus

Neun Menschen hat der Amokschütze von München getötet. Dann richtete er sich selbst. Doch die Zahl der Opfer hätte noch viel höher sein können.

Hier hat der Amokschütze neun Menschen erschossen und anschließend sich selbst getötet. AFP; Files; Francois Guillot

Olympia-Einkaufszentrum

Hier hat der Amokschütze neun Menschen erschossen und anschließend sich selbst getötet.

Frankfurt/MünchenDer Amokschütze von München hätte nach den tödlichen Schüssen an einem Einkaufszentrum weitere Menschen umbringen können. „Aber offensichtlich wollte er niemanden mehr töten“, sagte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) am Mittwoch. Den Ermittlungen zufolge war der 18-Jährige am Tatabend unter anderem in ein Wohnhaus gegangen und hatte dort im Treppenhaus mehrere Bewohner getroffen. „Es hätte mehr Opfer geben können“, sagte der Sprecher.

Doch der Schütze habe seine Waffe zu dem Zeitpunkt nicht mehr in der Hand gehabt. „Sonst hätten die Menschen die ja gesehen.“ Mit den Anwohnern habe es eine „völlig normale Kommunikation“ gegeben, sagte der Sprecher. Ein Bewohner des Hauses habe den 18-Jährigen sogar gefragt, ob er ihm helfen könne. „Die wussten gar nicht, wen die da vor sich haben“, sagte der Sprecher. Der Täter habe keinen Bezug zu dem Wohnhaus. „Wahrscheinlich stand einfach nur die Tür offen.“

Der 18-Jährige hatte am 22. Juli neun Menschen und sich selbst getötet. 36 Menschen wurden bei dem Amoklauf verletzt. Inzwischen ist den Angaben zufolge niemand von ihnen mehr im Krankenhaus.

Was bedeuten die Begriffe?

Amoklauf

In Asien nannte man sie „amucos“ – Krieger, die den Feind ohne Angst vor dem Tod angreifen und vernichten. Heute beschreibt der Begriff in der Regel blindwütige Aggressionen – mit und ohne Todesopfer. Die meisten Amokläufer sind männlich und eigentlich unauffällig, in vielen Fällen ledig oder geschieden. Neben psychisch kranken Tätern gibt es auch Amokläufer, die aus banalen Gründen plötzlich ausrasten. Angst, Demütigung oder Eifersucht haben sich oft lange aufgestaut, bevor es zur Katastrophe kommt. Teils werden Taten auch im Kopf durchgespielt. „Amok“ kommt aus dem Malaiischen und bedeutet „wütend“ oder „rasend“.

Terrorismus

...ist politisch motivierte, systematisch geplante Gewalt, die sich gegen den gesellschaftlichen Status quo richtet und auf politische, religiöse oder ideologische Veränderung ausgerichtet ist. Dass Terroristen töten und zerstören, ist Mittel zum Zweck. Sie wollen vor allem Verunsicherung in die Gesellschaft tragen. Terrorakte richten sich oft gegen die Zivilbevölkerung oder symbolträchtige Ziele.

Terror

...geht auf das lateinische Wort „terrere“ zurück, was „erschrecken“ oder „einschüchtern“ bedeutet. Terror und Terrorismus werden oft gleichbedeutend verwendet. Im Unterschied zum Terrorismus bezeichnet der Begriff „Terror“ aber eher das Machtinstrumentarium eines Staates. Der „Terror von oben“ steht für eine Schreckensherrschaft, die willkürlich und systematisch Gewalt ausübt, um Bürger und oppositionelle Gruppen einzuschüchtern. Auch in die Umgangssprache hat der Begriff Eingang gefunden – etwa für extreme Belästigung, zum Beispiel Telefonterror.

Attentate

...sind politisch oder ideologisch motivierte Anschläge auf das Leben eines Menschen, meistens auf im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeiten. Der Ausdruck „Attentäter“ wiederum wird auch für Menschen verwendet, die einen Anschlag auf mehrere Menschen begehen. Terroristische Attentäter zielen etwa auf Angehörige eines ihnen verhassten Systems oder einer Religion ab. Mit Anschlägen auf öffentlichen Plätzen, in Verkehrsmitteln oder auf Feste versuchen sie, in der Bevölkerung Angst und Schrecken zu verbreiten. Der Begriff „Attentat“ leitet sich vom lateinischen attentare (versuchen) im Sinne eines versuchten Verbrechens ab.

Lange war unklar, was der Amokschütze in den rund zwei Stunden zwischen der eigentlichen Tat am Olympia-Einkaufszentrum und seinem Suizid gemacht hatte. Knapp vier Wochen nach dem Amoklauf haben die Ermittler den Weg nun weitgehend rekonstruieren können: Demnach suchte der Deutsch-Iraner nach seinen tödlichen Schüssen zunächst das Zwischengeschoss des Parkhauses am Einkaufszentrum auf und gab 17 Schüsse auf ein geparktes Auto ab. Danach sei er auf das obere Parkdeck gegangen, hatten die Ermittler am Dienstagabend mitgeteilt.

Dort lieferte sich der 18-Jährige ein Streitgespräch mit einem Anwohner. Danach hätten ihn zwei Polizeibeamte gesichtet. Einer habe einen Schuss auf den Amokläufer abgefeuert, diesen aber verfehlt.

Über eine Außentreppe des Parkhauses sei der Todesschütze dann wieder nach unten auf die Straße gelangt. Dort habe er eine Grünanlage betreten und sei dann in die nahe gelegene Henckystraße gegangen, wo er in das Treppenhaus des Wohnanwesens gelangte. Im Anschluss daran habe er sich offensichtlich „für längere Zeit“ in der Tiefgarage des Hauses versteckt. Schließlich habe er diese über eine Außentreppe verlassen und „unmittelbar danach“ mehrere Polizisten getroffen. Vor deren Augen habe er sich dann selbst gerichtet.

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