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21.10.2013

19:59 Uhr

Lobbyisten-Serie (Teil 1)

Die Nebelmaschine

VonAndreas Dörnfelder, Patrick Schultz

Die Spenden der BMW-Aktionärsfamilie Quandt an die CDU waren nur der Anfang. Nach der Wahl flüstern auch andere Lobbys wieder lauter: Der Deutsche Zigarettenverband etwa hätte gerne die neue EU-Tabakrichtlinie vom Hals.

Die Macht in der Berlin haben nicht nur Politiker – sondern auch Lobbyisten.

Die Macht in der Berlin haben nicht nur Politiker – sondern auch Lobbyisten.

BerlinDer Mann gibt sich alle Mühe. „Ich bin Genuss-Raucher“, behauptet Henning Finck. Doch irgendwie fällt es schwer ihm das zu glauben, wenn man ihn schon mal mit einem Glimmstängel in der Hand gesehen hat.

Finck vertritt die Interessen von Zigarettenkonzernen wie Reemtsma („West“), British American Tobacco („Lucky Strike“) oder Japan Tobacco („Camel“). Läuft alles nach Plan, steigt der 38-Jährige bald zum Hauptgeschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbands (DZV) auf. Damit spricht er für eine Industrie, die mehr als 23,5 Milliarden Euro umsetzt. Und die nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums jedes Jahr etwa 110.000 Deutschen den Tod bringt.

Lobbyist Finck durchlebt gerade eine turbulente Zeit. Während in Berlin gut vier Wochen nach der Bundestagswahl noch immer kein Koalitionsvertrag in Sicht ist, geht in Brüssel seine wichtigste Schlacht in die entscheidende Phase: Die EU will die Tabakindustrie demnächst so streng regulieren wie noch nie. Anfang Oktober hat das Europäische Parlament über die neue Tabakproduktrichtlinie abgestimmt. Die Details des neuen Gesetzes dürften aber erst Ende des Jahres feststehen.

Tabak-Lobby

„Kaffee, Plätzchen, Zigaretten“

Tabak-Lobby: „Kaffee, Plätzchen, Zigaretten“

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Klar ist schon jetzt: Die Richtlinie bringt der Zigarettenindustrie neue Einschnitte. Geht es nach der Europäischen Kommission, sind Zigarettenpackungen bald mit Warnhinweisen und Schockbildern wie schwarzen Raucherlungen oder verfaulten Zähnen übersäht.

Zusatzstoffe wie Menthol will die Kommission verbieten. Das Gesetz könnte für die Hersteller verheerende Folgen haben: In Australien etwa, wo seit 2006 Schockfotos auf Zigarettenschachteln prangen, ist der Raucheranteil von 26 auf 20 Prozent der Bevölkerung zurückgegangen.

Die Richtlinie zu bekämpfen ist daher die wichtigste Aufgabe von Tabak-Lobbyisten wie Henning Finck. Er muss Politiker davon überzeugen, sich gegen eine an sich populäre Sache zu stellen: Suchtprävention. Dafür bringt Finck, der früher für die CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft saß, eine wichtige Eigenschaft mit. Er versteht es, seinen Gegenüber zu zermürben. Selbst hartnäckige Zwischenfragen halten ihn nicht davon ab, ununterbrochen zu reden. „Lassen Sie mich diesen Punkt noch machen“, sagt er gerne.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

21.10.2013, 20:44 Uhr

Wenn Politiker durch Aufnäher der jeweiligen Konzerne und Firmen, denen sie politisch zu Diensten waren, an ihrer Berufskleidung anbringen müssten, wären sie wandelnde Werbebotschafter und manch ein Bürger käme aus dem Staunen nicht mehr heraus, angesichts solch einer bunten Vielfalt, die selbst so manchen Profisportler ziemlich alt aussehen ließen.

Wir müssen jetzt nur alle ganz fest daran glauben, dass das nur im besten Interesse unserer Heimat und von uns Menschen gemacht wird, dann kann man auch weiterhin unbedarft und treudoof bei der nächsten Wahl sein Kreuzchen machen. Wir brauchen natürlich auch weiterhin nicht die Ratifizierung des Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Korruption und Elemente der “Direkten Demokratie“ sind sowieso Teufelszeug, der Bürger müsste dann ja mal den Verstand einschalten, einfach unzumutbar!

Account gelöscht!

22.10.2013, 09:08 Uhr

Mal vom Lobbyistentum abgesehen...
Da Rauchen ja so schädlich ist sollten die Regierungen es konsequenterweise verbieten.
Ach nein, da ist ja die Tabaksteuer, auf die kann man ja nicht verzeichten.
Vermutlich würde man den Steuerausfall durch irgendetwas anderes wieder rein holen wollen, Mineralölsteuererhöhung vielleicht, kommt nicht gut an.

Bei der Gelegeneheit sollte man vielleicht auch Schnapsleichen, Verkehrsunfälle und kaputte Lebern auf Bierflaschen drucken.
Die Anzahl der Toten durch Alkohol dürfte noch höher liegen als die der durch Tabak verursachten.
Aber Konsequenz ist ja n Fremdwort in der Politik wenns nicht gerade darum geht das Gegenteil von dem zu tun was man versprochen hat.

Vitalis

22.10.2013, 09:12 Uhr

Die Kombination von Großspenden für Volksparteien auf
der einen Seite und die 5 % Hürde für neue Parteien
führt die Demokratie ad absurdum. Wer hier noch glaubt,
dass es unter diesen Umständen demokratische Verhältnisse im Bundestag gibt, muss sich schon den Verwurf der Naivität gefallen lassen.
Es ist sicherlich kein Zufall, dass der Bundesvorsitzende der Freien Wähler, Herr Aiwanger,
darauf hingewiesen hat, dass die kleinen Parteien nicht
über die Werbemittel verfügen, um einen öffentlichen
Wahlkampf führen zu können.

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