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22.10.2013

10:17 Uhr

Lobbyisten-Serie (Teil 2)

Waffen für die Welt

VonLaura-Patricia Montorio, Lin Freitag

Pistolen für Indonesien, Panzer für Saudi-Arabien, Munition für Ägypten: Die deutsche Rüstungsindustrie lebt von den Exporten. Von der neuen Regierung wünscht sich die Waffenlobby daher, dass alles so bleibt wie bisher.

BerlinDie Waffen lassen ihn einfach nicht los: 37 Jahre lang war Christian-Peter Prinz zu Waldeck  bei der Bundeswehr. Erst als Panzeroffizier, später als Militärattaché in Seoul. Privat ist er Jäger. Und seit der Pensionierung: Waffenlobbyist. Seit drei Jahren ist Waldeck der Geschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V. (BDSV).

Damit hat sich der 68-jährige wohl einen der schwersten Jobs in der deutschen Lobby-Landschaft ausgesucht. „Die Anzahl derjenigen, die unserem Industriezweig skeptisch gegenüberstehen, ist schon enorm“, sagt Waldeck.

Den BDSV gibt es seit 2009. Er ist aus dem Ausschuss für Verteidigungswirtschaft des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) hervorgegangen und vertritt rund 50 Unternehmen, darunter Namen wie Krauss-Maffei-Wegmann, Heckler & Koch oder Rheinmetall. Das einzige Aufnahmekriterium: Die Rüstungsunternehmen müssen in Deutschland fertigen.  

Das ist die Waffenlobby

Mitglieder

Etwa 50 Unternehmen gehören dem Bundesverband der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie an. Zählt man auch die Tochterunternehmen mit, steigt die Anzahl der Mitglieder auf mehr als 100 an.

Branche

Jährlich werden allein in den Bereichen Verteidigungs- und Sicherheitstechnik etwa 28 Milliarden Euro umgesetzt. 220.000 Mitarbeiter sind in der Branche beschäftigt.

Mitarbeiter

Der Berliner bdsv hat acht Mitarbeiter.

Wunschkoalition

Die große Koalition.

Alptraum-Koalition

Rot-Rot-Grün

Widersacher

Aktion Aufschrei, Pax Christi, Die Linke

Waffen und Krieg – ein schwieriges Thema für die Deutschen. Gerade deshalb ist es für Waldeck wichtig, die Interessen der Hersteller diskret zu vertreten. Dafür braucht es vor allem eins: gute Kontakte zu Politikern. Das BDSV-Büro liegt nur 800 Meter vom Berliner Regierungsviertel entfernt. Von dort beobachten Waldeck und sein achtköpfiges Team die Koalitionsverhandlungen. Bald werden neue Köpfe auftauchen. Für Lobbyisten wie Waldeck heißt das: die richtigen Gesprächspartner finden, Positionspapiere verschicken und in persönlichen Gesprächen Überzeugungsarbeit leisten.

Aber nicht sofort, Waldeck wartet lieber ab. „Die Politik zu diesem frühen Zeitpunkt mit Vorschlägen zu kontaktieren, kann nicht zielführend sein. Die Politiker haben gerade andere Sorgen“, sagt der blaublütige BDSV-Geschäftsführer und richtet sein Halstuch mit Jagdmotiv. Doch sobald die Regierungskoalition und die Besetzung der Ministerien stehen, geht die Arbeit los. Wirtschaft und Verteidigung, das sind die entscheidenden Ressorts für die Rüstungslobby.

Kommentare (12)

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peacemaker

22.10.2013, 10:27 Uhr

Deutsche Spitzenprodukte für Arbeitsplätzchen und den Frieden (in) der Welt.

Account gelöscht!

22.10.2013, 10:40 Uhr

Wenn deutsche Firmen keine Waffen mehr exportieren dürfen, übernehmen die Amerikaner, Franzosen, Briten, Chinesen, Russen evtl. Nord-Korea gerne das Geschäft.

Vielleicht lagern die deutschen Firmen ihre Produktion auch in andere Länder aus und wir haben einige Hartzer mehr.

Es ist eine schöne Illusion, bewaffnete Konflikte komplett abzuschaffen, aber auch hier kann die Welt am "deutschen Wesen" genesen.

Man sieht es an der Atomkraft, wir schalten ab, die Engländer und andere bauen neue.

Deutschland geht gerne mit gutem Beispiel voran, koste es den Bürger was es wolle.

Der_ewige_Spekulant

22.10.2013, 10:58 Uhr

Das Ziel der Waffenindustrie in einem kapitalistischen System ist letztendlich ein Fünfschichtbetrieb.

Allerdings habe ich persönlich darauf keine Lust. Denn wir alle wissen, wie das enden wird. Deutsche Soldaten hatten noch nie Eier einen Krieg zu gewinnen. Selbst mit Drohnen und Robotern wird es nichts.

Vielleicht sollten wir diesmal den Frauen den Vortritt lassen ?!

"Frauen an die Front" heißt es ja immer bei den Unternehmensberatern. Früher war das für mich eine Floskel. Unerwartet bekommt diese nun einen tiefen Sinn.

Es ist zwar unerwartet, aber erstaunt einen nicht. Denn solche Länder wie die USA und Deutschland, sind nicht nur rein sprachlich, sondern auch in ihrer Denkweise im 2. Weltkrieg stecken geblieben. Die USA durften das, als selbstverklärte Siegermacht, unverschämt zeigen. Deutschland musste sich da deutlich zurück halten.

Aber auch wenn Deutschland in wenigen Jahren mehr Waffen exportiert als der böse, böse Putin. Deutschland - auch die USA - sollte niemals vergessen, dass die Russen Eier haben. Deren Arsenal an Wasserstoffbomben ist nicht dazu da, um uns den Endsieg zu ermöglichen.

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