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23.10.2013

19:05 Uhr

Lobbyisten-Serie (Teil 3)

Bier im Bundestag

VonJacqueline Goebel, Sebastian Kirsch

Politiker und Bier, das geht immer. Jedes Jahr kürt der Deutsche Brauer-Bund einen Minister zum Botschafter des Bieres. Auch in Sachen Reinheitsgebot und sogar beim Fracking haben die Brauer ihren eigenen Kopf.

BerlinEin alkoholfreies Bier lässt Marc Oliver Huhnholz nur unter Androhung einer Strafe an seine Besucher ausschenken – mit einem Augenzwinkern, versteht sich. Pils oder Weizen lautet seine Frage, nicht Kaffee oder Tee. Wo in anderen Büroräumen die Kaffeeküche steht, hat der Deutsche Brauer-Bund eine eigene Bar aufgebaut. Und an der lässt Marc Oliver Huhnholz frisches Bier für seine Gäste zapfen. Denn unter dem Einfluss eines kühlen Bieres lässt sich auch über dessen Einfluss auf die Politik gleich lockerer diskutieren.

Huhnholz arbeitet offiziell als Referent für politische Kontakte beim Deutschen Brauer-Bund. Heißt: Der Cheflobbyist vertritt die Interessen der deutschen Brauindustrie bei den Abgeordneten im Deutschen Bundestag. Zu den bekanntesten Mitgliedern der Brauer-Lobby gehören die Hersteller der sogenannten „Fernsehbiere“, die mit ihrer TV-Werbung omnipräsent sind: Bitburger, Krombacher, Warsteiner oder Radeberger. Auch der weltweite Marktführer AB Inbev, zu dem auch Beck's, Diebels oder Löwenbräu gehören, sitzt im Präsidium des Verbandes. Den größten Anteil machen aber die in Regionalverbänden organisierten Kleinbrauereien aus.

105 Liter Bier trank der Deutsche im Durchschnitt im vergangenen Jahr, insgesamt setzte die Branche 2012 über 96 Millionen Hektoliter in Deutschland um. Das deutsche Bier gilt als Kulturgut, der Brauereiverband weiß das. Geht es nach ihm, soll das weltberühmte Reinheitsgebot, nach dem in Deutschland seit fast 500 Jahren gebraut wird, gleich zum Unesco Weltkulturerbe erklärt werden. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass den Brauereien dieses Kunststück in den nächsten Jahren gelingen wird.

Das ist die Brauer-Lobby

Mitglieder

1339 Braustätten sind Mitglied beim Deutschen Brauer Bund, darunter die große Namen wie Bitburger, Krombacher, Warsteiner oder Radeberger. Auch der weltweite Marktführer AB Inbev, zu dem auch Beck’s, Diebels oder Löwenbräu gehören, sitzt im Präsidium des Verbandes. Den größten Anteil machen aber die in Regionalverbänden organisierten Kleinbrauereien aus.

Branche

Jedes Jahr setzt die Branche etwa acht Milliarden Euro um, 30.000 Arbeitsplätze hängen mit dran.

Wunschkoalition

Schwarz-Gelb. Und jetzt?

Widersacher

Naja, eigentlich mag ja jeder Bier. Gegenwind gibt es nur von Verbraucherschutzverbänden wie Foodwatch. Oder durch Konkurrenzkämpfe innerhalb der Branche, zum Beispiel mit dem Verband der Privatbrauereien oder den Brewers of Europe.

 

Huhnholz und seine Vereinskollegen wissen, wie Lobby geht: Ob Alkoholmissbrauch, das Pfandsystem mit Mehrwegflaschen oder das Reinheitsgebot – die Brauer verankern ihre Interessen in der politischen und medialen Agenda, suchen jetzt schon Einfluss auf die noch zu bildende Regierung.

Bereits vor der Wahl schickte der Brauereiverband Themenbroschüren an die – nach eigenen Angaben – „1.000 einflussreichsten Kandidaten für den neuen Bundestag“. Darin formulierte der Verband die Erwartungen der deutschen Brauwirtschaft zur Bundestagswahl. Die Forderungen sind klar formuliert: Keine Werbeeinschränkung, keine Biersteuer-Erhöhung, keinen Anstieg der Energiekosten durch das EEG. Unter der letzten Regierung hatten die Brauereien keine Probleme, sich mit diesen Forderungen Gehör zu verschaffen. „Mit der schwarz-gelben Regierung haben wir in der vergangenen Legislaturperiode gut zusammengearbeitet“, sagt Huhnholz.

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