Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.10.2013

19:56 Uhr

Lobbyisten-Serie (Teil 5)

Atom adieu

VonSara Zinnecker

Atomausstieg 2022: Seit der Katastrophe im japanischen Fukushima ist für das Deutsche Atomforum nichts mehr so, wie es war. Bei der Suche nach einer neuen Identität stößt die Lobby an ihre Grenzen.

BerlinDer Vorstoß von Angela Merkel am 12. März 2011, er kam über Nacht, er kam auf Drängen der Länder und auf Druck der Bevölkerung. Obwohl es sonst so gar nicht ihre Art ist, eilige Entscheidungen zu treffen, tat sie es diesmal: der Atomausstieg, er war beschlossene Sache. Die Zustimmung des Parlaments im Ende Juni: nur noch Formsache. Das Todesurteil der deutschen Atomindustrie, es schien gesprochen.

Zweieinhalb Jahre später, zu Beginn einer neuen Legislaturperiode, ist daher die Frage berechtigt, sie drängt sich regelrecht auf: Hat die deutsche Atomlobby, namentlich das Deutsche Atomforum (DAtF), eine Zukunft? 80 Mitglieder zählt das Atomforums, darunter die vier großen Energiekonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall sowie Forschungszentren, etwa in Jülich oder Karlsruhe. Doch für was können sie noch kämpfen, welche Meinung können sie noch machen, wenn sie sich doch –  wie Experten bestätigen – mit den Gegebenheiten abgefunden haben? 

Ein paar Dinge gäbe es da wohl noch. Die Frage der Endlagerung etwa. Sie ist für die Lobby nicht zuletzt deshalb ein Thema, weil die großen Energieerzeuger die Kosten für deren Erschließung tragen müssen. Im Moment sind sie gezwungen, in ihren Bilanzen Rückstellung für die Endlagersuche zu bilden.

Ärgerlich wäre es für die Energieriesen allemal, sollte die Endlager-Kommission beschließen, den Standort Gorleben nicht zu Ende zu erkunden. Milliarden Euro wären dann dahin; die Investitionen gingen von vorne los. Wenn der Präsident des Atomforums Ralf Güldner in der Endlager-Kommission mitarbeitet, wird er genau das zu verhindern suchen. Güldner ist hauptberuflich in der Geschäftsführung von Eon.

Auf die Endlagerdebatte Einfluss nehmen könnte die Lobby schließlich auch über Kontakte in die Ausschüsse für Wirtschaft und Technologie beziehungsweise Bildung und Forschung.  Entscheidend könnte für das Atomforum sein, welche Abgeordneten hier landen.

Endlagerung und Rückbau – diese Streitpunkte wird die Lobby die nächsten Jahre beschäftigen. Allerdings muss der Verband seinen Mitgliedern auch eine echte, eine langfristige Perspektive bieten. Eine Idee, wie die neue Identität aussehen könnte, gibt es bereits: Deutschland soll als Forschungs- und Technologiestandort im Bereich Kernenergie erhalten bleiben, seine Expertise im Ausland noch stärker vermarkten. Und hier könnte tatsächlich wieder Lobbyarbeit gefragt sein.  

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

28.10.2013, 20:47 Uhr

die Japaner fahren ihre Atomkraftwerke wieder an...

Weil es im Moment noch alternativlos ist.

Der Hals über Kopf Ausstieg der Deutschen ist rational nicht zu begründen...

Ausstiegsgedanke

28.10.2013, 21:59 Uhr

Man was bin ich froh, dass Deutschland aus dieser unheiligen Technik aussteigt!

Die Japaner haben in Fukushima nur noch Land unter und Unmengen an verstrahltem Wasser, das nur eine langfristig gute Wetterlage unter Kontrolle halten kann. Leider ist die Insel sehr klein, so dass ein Umgang damit a la Russland nicht funktionieren kann.

Ab und an nehme ich mein Strahlungsmessgerät mit in den Supermarkt, wenn ich ausländische Waren aus GB, Frankreich, Japan, Russland, Indien, China oder USA kaufen will. Früchte aus Übersee sind eh tabu für den Kauf, weil mit Elektronenstrahlen und Chemie "behandelt" bis die Kerne tot sind. Das kann einfach nicht gesund sein.

Account gelöscht!

28.10.2013, 23:17 Uhr

Die Kernenergie wird die Zukunft der Energieversorgung der Menschheit darstellen. Wind und Sonne werden schon aus Kostengründen keine Chance haben, zumal sie nicht grundlastfähig sind. Reaktortypen der 4. Generation - maßgeblich von chinesischen Wissenschaftlern entwickelt - sind im Kommen, d.h. erste kommerzielle Reaktoren sind bereits im Bau. Die Industrie wird dorthin gehen, wo solche Reaktoren künftig günstigen Strom bereitstellen. Die Aussichten für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind indes düster. Hier werden die Bürger gnadenlos von einer Ökomaffia abgezockt, während hoch qualifizierte Arbeitsplätze in der Kerntechnik und das technische Wissen um diese Schlüsseltechnologie dauerhaft verloren gehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×