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21.02.2016

22:25 Uhr

Löscharbeiten behindert

Mob jubelt vor brennendem Flüchtlingsheim

Immer unverhohlener treten Ausländerfeinde in Deutschland auf. Sie zünden Flüchtlingsheime an, schüren Angst vor Zuwanderern. Nun schockt das Verhalten einer Menschenmenge in Bautzen.

„Welcome“ steht auf einem Poster, das Teilnehmer zu einer Solidaritätskundgebung nahe der Flüchtlingsunterkunft in Clausnitz, einem Ortsteil von Rechenberg-Bienenmühle (Sachsen), mitgebracht haben. Nach den fremdenfeindlichen Protesten am Donnerstag in Clausnitz soll ein friedliches Zeichen gegen Gewalt und Rassismus in Sachsen gesetzt und gegen das Vorgehen der Polizei protestiert werden. dpa

Solidaritätskundgebung für Flüchtlinge in Clausnitz

„Welcome“ steht auf einem Poster, das Teilnehmer zu einer Solidaritätskundgebung nahe der Flüchtlingsunterkunft in Clausnitz, einem Ortsteil von Rechenberg-Bienenmühle (Sachsen), mitgebracht haben. Nach den fremdenfeindlichen Protesten am Donnerstag in Clausnitz soll ein friedliches Zeichen gegen Gewalt und Rassismus in Sachsen gesetzt und gegen das Vorgehen der Polizei protestiert werden.

Clausnitz/BautzenNach den Protesten eines wütenden Mobs gegen Flüchtlinge in Clausnitz sorgt ein neuer fremdenfeindlicher Vorfall in Sachsen bundesweit für Entsetzen. Nach dem Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen haben die Ermittler Spuren von Brandbeschleuniger in dem Gebäude entdeckt. Alkoholisierte Gaffer quittierten in der Nacht zum Sonntag dem vermutlich vorsätzlich gelegten Brand in dem noch unbewohnten Flüchtlingsheim mit Beifall und abfälligen Bemerkungen. Zudem behinderten sie laut Polizei die Feuerwehr bei ihren Löscharbeiten.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) twitterte: „Wer unverhohlen Beifall klatscht, wenn Häuser brennen, und wer Flüchtlinge zu Tode ängstigt, handelt abscheulich und widerlich.“ Ähnlich äußerte sich Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). „Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

In Bautzen beobachteten laut Polizei schätzungsweise 20 bis 30 Menschen das Feuer in einem früheren Hotel, das zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut wird. Teilweise seien die Gaffer angetrunken gewesen und hätten „abfällige Bemerkungen“ gemacht oder „unverhohlene Freude“ gezeigt, berichtete ein Polizeisprecher. Verletzt wurde bei dem Feuer niemand, die Polizei ging am Sonntag von Brandstiftung aus, ermittelte aber auch in andere Richtungen.

Drei Gaffer behinderten die Löscharbeiten, Details dazu nannte die Polizei nicht. Sie nahm zwei 20-Jährige vorläufig in Gewahrsam, weil sie sich Platzverweisen widersetzten. Es sei „unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird“, sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) der Deutschen Presseagentur (dpa).

Flüchtlinge in Sachsen: Chemnitzer Polizeipräsident verteidigt Vorgehen in Clausnitz

Flüchtlinge in Sachsen

Chemnitzer Polizeipräsident verteidigt Vorgehen in Clausnitz

Ein weinender Flüchtlingsjunge im Bus, grölende Demonstranten davor und ein hartes Vorgehen der Polizei gegen sich sträubende Neuankömmlinge. Der Chemnitzer Polizeipräsident verteidigt das Vorgehen.

Im Fall Clausnitz steht auch die Polizei in der Kritik. Dort hatten etwa 100 Menschen am Donnerstag versucht, die Ankunft eines Busses mit Bewohnern einer neuen Asylbewerberunterkunft zu verhindern. Dabei grölten sie „Wir sind das Volk“. Später zerrten Polizisten einzelne Flüchtlinge unter Zwang aus dem Bus - auf einem Videoclip im Internet sind verängstigte Flüchtlinge in dem Fahrzeug zu sehen, ein Polizist zieht einen Jungen mit Gewalt heraus.

Die fremdenfeindlichen Proteste sind nach MDR-Recherchen vom Bruder des Einrichtungsleiters mitorganisiert worden. In einem auszugsweise vorab gezeigten Interview des Fernsehmagazins „Exakt“ drückte der Mann sein Bedauern aus. „Wir wollten nur sehen, wer kommt. Es war eine kurzfristige Aktion“, sagte er. „Es wurde hochgeputscht.“ Er und seine Mitstreiter aus dem Dorf hätten zeigen wollen, dass man nicht mit der Asylpolitik in Deutschland einverstanden sei. Dass die Situation eskaliert sei, habe man nicht gewollt – aber nicht verhindern können.

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