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26.01.2007

09:39 Uhr

Lohnerhöhungen

IG Metall fordert bis zu sieben Prozent

VonDietrich Creutzburg

Die IG Metall will in Baden-Württemberg Lohnerhöhungen bis zu sieben Prozent durchsetzen. Das Votum des schlagkräftigen Bezirks spielt eine wichtige Rolle für die Beratungen des Bundesvorstandes. Der Chef des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall warf der IG Metall vor, keine Rücksicht auf die Interessen von Arbeitssuchenden zu nehmen.

Auch die Arbeitnehmer müssen von den Gewinnen profitieren, fordert die Gewerkschaft.

Auch die Arbeitnehmer müssen von den Gewinnen profitieren, fordert die Gewerkschaft.

BERLIN. Die IG Metall will in ihrem Schlüsselbezirk Baden-Württemberg Lohnerhöhungen von 6,5 bis sieben Prozent für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie durchsetzen. „Von den teilweise explodierten Gewinnen dürfen jetzt nicht nur die Aktionäre und Manager profitieren“, begründete Bezirksleiter Jörg Hofmann die zuvor von der großen Tarifkommission im Südwesten beschlossene Empfehlung. Die Arbeitgeber wiesen diese als „schädlich für Aufschwung und Arbeitsplätze“ zurück.

Das Votum des besonders schlagkräftigen IG-Metall-Bezirks spielt eine wichtige Rolle für die Beratungen des Bundesvorstandes, der am 6. Februar die Marschroute in der Tarifrunde 2007 für die bundesweit 3,5 Millionen Metall-Beschäftigten bestimmt. Der Vorstoß aus dem Südwesten geht über den des Bezirks Hessen hinaus. Dieser hatte sich am Dienstag für „sechs Prozent plus X“ ausgesprochen. Eine Sitzung der IG Metall in Nordrhein-Westfalen schließt am 5. Februar die aktuelle Etappe der Forderungsfindung ab.

Hinter dem Votum der Südwest-IG Metall steht eine breit gefächerte Diskussion in den Betrieben. Die Metaller beim Sportwagenhersteller Porsche hatten sich zuvor für 9,5 Prozent stark gemacht, die bei Daimler-Chrysler für acht Prozent. Das andere Ende der Skala markierten Zahlen, die laut Hofmann auf oder knapp über dem Forderungsniveau des Vorjahres lagen. Die Tarifrunde 2006 hatte die Gewerkschaft mit einer Forderung von fünf Prozent eröffnet. Sie erreichte damit Erhöhungen von drei Prozent und eine Einmalzahlung von im Regelfall 310 Euro. Zusätzlich setzte sie damals Tarifregelungen zur betrieblichen Weiterbildung durch. Solche „qualitativen“ Forderungen spielen für die IG Metall diesmal erklärtermaßen keine größere Rolle.

Sollte sich die bundesweit abgestimmte Lohnforderung für 2007 am Ende bei 6,5 Prozent einpegeln, dann entspräche das den Tarifrunden 1999 und 2002. Dass für die IG Metall aber auch höhere Zahlen nicht tabu sind, hat sie 2006 in der boomenden Stahlindustrie gezeigt: Dort forderte sie sieben Prozent und bekam eine Erhöhung von 3,8 Prozent plus 1 250 Euro.

Der Chef des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Jan Stefan Roell, warf der IG Metall vor, sie nehme keine erkennbare Rücksicht auf die Interessen von Arbeitssuchenden. Würde die Forderung von 6,5 bis sieben Prozent auch nur annähernd umgesetzt, dann werde dies den Aufbau von Arbeitsplätzen in der Metall- und Elektroindustrie sofort stoppen, warnte Roell. „Wir wollen weiter Arbeitsplätze schaffen und nicht Arbeitsplätze gefährden.“

Ziel von Südwestmetall ist es, in diesem Jahr neben einer moderaten, dauerhaft wirkenden Lohnerhöhung einen prozentualen „Konjunkturbonus“ zu vereinbaren. Dies wäre eine abgewandelte Form der Einmalzahlung von 2006, die als Euro-Betrag ausgewiesen und damit unabhängig vom individuellen Arbeitslohn war. Doch auch ein Prozent-Bonus würde die aktuelle Lage der Betriebe widerspiegeln, ohne die Kosten dauerhaft und damit für konjunkturell schlechtere Zeiten zu erhöhen.

Die IG Metall lehnt dies strikt ab und sieht keinen Grund, sich auf Abstriche von einer dauerhaften Lohnerhöhung einzulassen. Hofmann warf den Arbeitgebern „Drückebergerei“ vor: „Läuft es gut, dürfen die Löhne nicht erhöht werden, denn es könnte ja mal wieder schlechter gehen – läuft es schlecht, können die Löhne nicht erhöht werden, weil kein Geld da sei“, schimpfte er. So redeten die Arbeitgeber die wirtschaftliche Lage schlecht.

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