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10.09.2014

13:05 Uhr

„Lügen der Medien“

Auf Besuch bei der Scharia Polizei

Wuppertal gilt als Hochburg des radikalen Islamismus in Nordrhein-Westfalen. Die Patrouillen der „Scharia-Polizei“ scheinen dies zu bestätigen. Oder war doch alles nur eine PR-Aktion? Ein Ortsbesuch.

Mit Westen und dem Hinweis, eine „Scharia-Polizei“ zu sein, verunsicherten Salafisten Menschen in Wuppertal. dpa

Mit Westen und dem Hinweis, eine „Scharia-Polizei“ zu sein, verunsicherten Salafisten Menschen in Wuppertal.

WuppertalDie Klophausstraße in Wuppertal ist eine Sackgasse - gar nicht weit vom Zentrum entfernt. An der Straßenecke residiert das Bibelmuseum. Doch die Prediger, die hier derzeit für Aufsehen sorgen, haben mit der Bibel nichts am Hut. In der Straße befindet sich das islamistische Zentrum Wuppertals, von hier aus operierte in der vergangenen Woche die selbst ernannte „Scharia-Polizei“, um das islamische Recht, die Scharia, zu propagieren. Auf dem Hinterhof eines Gewerbekomplexes, in dem auch ein Gerichtsvollzieher sein Büro hat, findet man ein kleines, aber verräterisches Schild. „Masjid Darul Arqam“ steht darauf. „Masjid“ steht für „kleine Moschee“. „Darul Arqam“, später „Al-Arqam“, war eine fundamentalistische Organisation, die einen islamischen Staat in Malaysia errichten wollte und 1994 verboten wurde.

Die Fenster sind mit Vorhängen oder Folien verhangen oder aus blickdichtem Glas. Doch die Haustür steht offen. Im ersten Stock ist offensichtlich ein Gebetsraum, davor liegen drei Paar Schlappen. Die Salafisten seien ganz oben, sagen die Nachbarn. Von dort kommt Stimmengemurmel. Auf der Internetseite lädt ein Ibrahim Al Almani zum Besuch ein. Doch die Polizei rät telefonisch, nicht weiterzugehen.

Salafisten – radikale Islamisten mit Verbindung zum Terror

Wer sie sind

Die Salafisten sind eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine „islamische Ordnung“ mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Was sie wollen

Salafisten vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und lehnen jede theologische Modernisierung ab. Das arabische Wort „Salaf“ steht für: Ahnen, Vorfahren. Viele Salafisten tragen lange Bärte und weite Gewänder. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegen Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

Wie viele Anhänger sie haben

In Deutschland zählen die Salafisten oder Neosalafisten knapp 6300 Anhänger, bis Ende des Jahres sieht der Verfassungsschutz die Zahl bei 7000. 1800 seien bereits nach Syrien oder in den Irak gezogen, um mit dem Islamischen Staat (IS) zu kämpfen. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Wen sie beeinflussen

Aus der größten Terrorvereinigung Algeriens, der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ ging die Terrororganisation „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ hervor. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad (Heiligen Krieg) befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

Sven Lau und Pierre Vogel haben hier schon gepredigt. Es sind zwei der bekanntesten Namen der salafistischen Szene in Deutschland. Er möchte dennoch nicht als Salafist bezeichnet werden, schreibt Ibrahim, der sich zugleich als „langjähriger Freund und Wegbegleiter von Pierre Vogel“ ausweist. Er verwahrt sich gegen die „Lügen und Unterstellungen der Medien“, gegen die „Hetze gegen Muslime“.

Auf einem Propaganda-Video, das inzwischen aus dem Netz genommen wurde, konnte man hören, wie die „Scharia-Polizei“ in Wuppertal für das Zentrum in der Klophausstraße wirbt. Das gewaltige Echo hat sie offenbar selbst überrascht. Die „Scharia-Polizei“ erzeugt Assoziationen: von Taliban-Terror, iranischen Revolutionswächtern oder der Terrortruppe „Islamischer Staat“ (IS).

In einem Video gab sich Sven Lau als einer der Hintermänner der Aktion zu erkennen - und zugleich erstaunlich kleinlaut: „Der Name war vielleicht sehr provokant. Vielleicht war es auch ein Fehler von uns“, sagt Lau. „Wenn die Muslime sich falsch vertreten gefühlt haben, tut es mir leid.“ Die Szene hat plötzlich Kreide gefressen.

Kommentare (7)

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Frau Wil Fried

10.09.2014, 13:25 Uhr

"Das ist eine höchst gefährliche Truppe, die für den Heiligen Krieg rekrutiert.“
Wenn das so ist und damit die demokratische Grundordnung unserer Gesellschaft gefährdet ist, dann muss man sich schon fragen, welcher rechtlichen Handhaben bedarf es denn noch, um diese Gruppierung aufzulösen?

G. Nampf

10.09.2014, 14:23 Uhr

"Die Szene hat plötzlich Kreide gefressen."

Und die Politik (vor allem die linke Seite) glaubt das auch noch.

Herr Andreas Friedrich

10.09.2014, 15:22 Uhr

Das Grundproblem ist doch, das der Islam keine Religion sondern eine Ideologie ist und er hat alle Merkmale einer faschistischen Weltanschauung! Schießlich fordert! der Koran (das Buch von Allah) herabgesandt in der Nacht der Bestimmung (Lailat al Quadr?) dazu Nichtmuslime zu unterwerfen, und tributpflichtig zu machen (siehe 9.29 und 9.33) dürften aber immerhin weiterleben mit minderen Rechten (Dhimmis). Polytheisten müssen konvertieren oder werden getötet. Ebenso jeder der Widerstand leistet. Deswegen kann der Muslimen nicht dagegen protestieren, denn das wäre Apostasie (Glaubensabfall) und der wird mit dem Tod bestraft.
Gerade auch durch die Scharia ist der Islam Verfassungsfeindlich und müsste verboten werden! Eine Mindestanforderung an jeden Muslime müsste sein und zwar öffentlich, die Scharia abzulehnen ohne sich auf div. Suren (wo der Muslime für Allah Lügen bzw. Verschleiern darf) zu berufen. Aber das wäre auch Apostasie (Glaubensabfall)
Hier eine Umfrage der Türkischen Zeitung Hürriyet vor ca. 3 Monaten :
88% der Türken wollen nicht neben einen Homosexuellen wohnen, 82% nicht neben einen Atheisten, 76% nicht neben einen Juden und 64% nicht neben einen Christen.
Tja, was mag man sich vorstellen wenn der Islam mal hier das sagen hat! Der geht dann mit folgendem Zitat anders um wie wir Michels!
“Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft” Aristoteles
Gute Nacht Abendland und Aufklärung, den die Sichtweise über den Islam und die Unfähigkeit der Trennung von Islamkritik und Ausländerfeindlichkeit spiegelt den Mangel an Erkenntnis der Regierenden / Medien wieder.

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