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02.04.2014

04:00 Uhr

Lufthansa-Streik

CDU-Wirtschaftsrat fordert Reform des Tarifrechts

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer Streik bei der Lufthansa bringt das Fass zum Überlaufen beim Wirtschaftsrat der CDU: Dessen Generalsekretär Steiger fordert ein neues Tarifrecht. Seine Kritik trifft nicht nur Arbeitsministerin Nahles.

Gewerkschaft macht ernst

Lufthansa-Streik hat begonnen

Gewerkschaft macht ernst: Lufthansa-Streik hat begonnen

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BerlinAls Konsequenz aus dem Pilotenstreik bei der Lufthansa fordert der Wirtschaftsrat der CDU von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) eine Reform des Tarifrechts.

"Die massive Erpressbarkeit der gesamten Wirtschaft durch Streiks an Schaltstellen der Infrastruktur ist so nicht mehr hinnehmbar", sagte der Generalsekretär des Rats, Wolfgang Steiger, Handelsblatt Online. "Wenn kleinste Berufsgruppen ihre Sonderstellungen ausnutzen und bundesweit Transportsysteme stilllegen können, müssen die notwendigen Konsequenzen gezogen werden."

Nahles setze die falschen Schwerpunkte in ihrem Ressort, kritisierte Steiger. "Wo bleibt der Gesetzentwurf aus dem Bundesarbeitsministerium zur Tarifeinheit?"

Scharfe Kritik äußerte Steiger auch am Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). "Die DGB-Gewerkschaften im Öffentlichen Dienst haben über Jahre durch ihre Tarifpolitik Berufsgruppen abspenstig gemacht und so den Erosionsprozess befördert", sagte der CDU-Politiker und fügte hinzu: "Jetzt muss der Gesetzgeber die Fehlentwicklung einfangen."

Hunderttausende Flugpassagiere sind betroffen

Seit Mitternacht wird der Flugbetrieb der Lufthansa für drei Tage bestreikt. Dazu aufgerufen hat die Pilotengewerkschaft "Vereinigung Cockpit". Die Lufthansa hat den größten Teil ihres Flugprogramms bis inklusive Freitag abgesagt. 3800 Verbindungen werden gestrichen; betroffen sind rund 425.000 Passagiere. Auch bei der Lufthansa-Tochter Germanwings fallen mehr als die Hälfte der gut 1300 geplanten Flüge aus.

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

In dem Tarifstreit geht es um höhere Gehälter sowie um die Frage, wann und zu welchen Bedingungen die 5400 Kapitäne und Co-Piloten in Rente gehen können. Bislang können Piloten bereits mit 55 Jahren aufhören zu fliegen, die Lufthansa bezahlt dann bis zum Renteneintritt die Übergangsversorgung in Höhe von bis zu 60 Prozent des Brutto-Verdienstes.

Die Fluggesellschaft will das Austrittsalter aber auf lange Sicht auf 60 Jahre anheben. Neu eingestellte Piloten sollen sich außerdem an der bislang vom Arbeitgeber allein finanzierten Leistung beteiligen. Das lehnt die Piloten-Gewerkschaft ab.

Kommentare (4)

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02.04.2014, 07:32 Uhr

Es gäbe auch die Möglichkeit, die scheibchenweise Beschneidung von Vergünstigungen und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen "über Jahre hinweg" zu beenden. Dann bräuchte man nicht zu streiken.

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02.04.2014, 07:54 Uhr

Die Freiheiten auf Arbeitgeberseite wie beispielsweise Austritt aus den Tarfifverträgen sieht man bei der CDU hingegen gerne?
Gründungen von Billiggewerkschaften wie der Christlichen Gewerkschaft Metall zum Zwecke des Lohndumping wurden als Freiheit der Arbeitgeber bergrüßt.
Genauso sollte die CDU nun die Freiheit der Arbeitnehmer begrüßen, durch Einzelgewerksschaften die Tariflandschaft zu bereichern!!

Typisch für die verlogene CDU - ausschließlich Sprachrohr der Unternehmen!

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02.04.2014, 09:08 Uhr

Komisch, dass die CDU erst jetzt, beim Pilotenstreik wach wird. Was ist mit dem öffentlichen Personenverkehr? Dort sind überwiegend Arbeitnehmer betroffen, die nicht, nicht pünktlich oder nur zu höheren Kosten zu ihrem Arbeitsplatz gelangen, wenn Ver.di oder die Bahngewerkschaften abwechselnd streiken. Weiter sind viele Leute mit geringem Einkommen, Rentner und Schüler betroffen, die nicht mal einfach ein Auto aus der Garage holen können. Auch wenn die meisten Pendler mit dem Auto fahren, sind fast alle, die mit "Öffis" fahren, auch darauf absolut angewiesen.
Wer fliegt, tut das meistens zum Vergnügen (Urlaub) oder als Geschäftsreise. Das ist ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung. Sicher sind auch diese auf das Flugzeug angewiesen, eine Bahnfahrt in Deutschland geht noch an, bereits innerhalb Europas ist die selten schnell genug. Sofern nur fliegendes Personal streikt, kann man theoretisch auch mit einer anderen Gesellschaft fliegen. In der Praxis ist das aber nur für Vollzahler gegeben. Andere gehen leer aus.
Ich halte es für wichtig, dass Streiks im Verkehrswesen und bei der Versorgung grundsätzlich ausgeschlossen werden. Denn mit Streiks werden hier immer überwiegend Dritte getroffen, die Arbeitgeber eher weniger bis gar nicht. Es gibt genügend Instrumente, eine angemessene und gerechte Bezahlung zu finden oder finden zu lassen.

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