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21.01.2015

17:06 Uhr

Lutz Bachmann

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Pegida-Sprecher

Bei Facebook postete Pegida-Initiator Lutz Bachmann ein Selfie mit Scheitel und Hitler-Bärtchen. Ein Scherz, wie er sagt. Womöglich rassistische Äußerungen Bachmanns rufen allerdings die Staatsanwaltschaft auf den Plan.

Dieses Bild hat Lutz Bachmann gepostet – mittlerweile ist es bei Facebook nicht mehr zu sehen. Twitter

Lutz Bachmann

Dieses Bild hat Lutz Bachmann gepostet – mittlerweile ist es bei Facebook nicht mehr zu sehen.

Dresden/BerlinEr gibt sich bürgerlich. Als besorgter Deutscher. Jede Art von Radikalismus lehne er ab, sagt Pegida-Gründer Lutz Bachmann. Er sei auch kein Rassist. „Ich habe einen türkischen Trauzeugen und viele muslimische Freunde“, sagt er. Doch nun ist ein Foto aufgetaucht, das ein anderes Bild vermittelt. Zu sehen ist Bachmann mit Hitlerbart und strengem Seitenscheitel.

Ein Bild, das Bachmann vorübergehend bei Facebook gepostet hat und nun der Diskussion über eine Nähe der islamkritischen Pegida-Bewegung zum Rechtsextremismus neue Nahrung gibt. Kathrin Oertel, die wie Bachmann Pegida in der Öffentlichkeit vertritt – jüngst auch bei Günther Jauch – bezeichnete das Foto, auf das die „Bild“-Zeitung gestoßen war, als einen „Scherz“. Bachmann selbst sagte der Zeitung: „Ich hatte das Foto zur Veröffentlichung des Satire-Hörbuchs von „Er ist wieder da“ beim Friseur geknipst und Christoph Maria Herbst auf die Pinwand gepostet.“ Diesem habe es gefallen. „Man muss sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen“, sagte Bachmann weiter.

Allerdings hat Schauspieler Christoph Maria Herbst die Darstellung des Pegida-Gründers zurückweisen lassen. Der Darsteller habe gar keine eigene Seite in dem sozialen Netzwerk, teilte Herbsts Anwalt am Mittwoch mit. „Ebenso falsch“ sei die Behauptung Bachmanns, Herbst habe das Foto mit einem „Like“ versehen.

Die Fotos sorgen für Unmut in der Führung der islamkritischen Bewegung. Der Vorfall müsse Konsequenzen haben, sagte Rene Jahn am Mittwoch der Onlineausgabe der „Bild“-Zeitung. „Mit so etwas will ich nichts zu tun haben.“ Jahn ist Mitglied im Vorstand des Pegida-Vereins, dem Bachmann vorsitzt. „Es geht hier um die gesamte Bewegung und nicht nur um eine Person“, sagte er.

Wer sind die Pegida-Demonstranten?

Geschlecht

75 Prozent der Pegida-Teilnehmer sind Männer.

Alter

Die größte Altersgruppe machen mit 37 Prozent die 40- bis 59-Jährigen aus.

Bildung

28 Prozent sind Hochschulabsolventen, 18 Prozent haben das Abitur als letzten Abschluss, 9 Prozent haben eine Meisterprüfung abgelegt.

Beruf

Fast die Hälfte (47 Prozent) sind Angestellte oder Arbeiter, 18 Prozent Rentner und nur 2 Prozent geben an, keine Tätigkeit auszuüben oder Arbeit zu suchen.

Einkommen

Fast 40 Prozent der Teilnehmer verfügen über ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 1500 Euro netto.

Politische Einstellung

62 Prozent geben an, keiner Partei verbunden zu sein. 17 Prozent stehen der AfD nahe, 9 Prozent der CDU, 4 Prozent der rechtsextremen NPD, 3 Prozent der Linken. Jeweils 1 Prozent sympathisiert mit SPD, Grünen und der FDP.

Glaube

73 Prozent sind konfessionslos, 21 Prozent protestantisch und 4 Prozent katholisch. 2 Prozent gehören anderen Glaubensgemeinschaften an.

Die Quelle

Wissenschaftler der TU Dresden haben bei drei Pegida-Demonstrationen zwischen dem 22. Dezember und dem 12. Januar rund 400 Teilnehmer befragt.

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat unterdessen ein Ermittlungsverfahren gegen Bachmann wegen des Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet. Das sagte Oberstaatsanwalt Jan Hille am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Hintergrund seien gestern bekanntgewordene Facebook-Posts, die von Bachmann stammen sollen und in denen menschenverachtende Bezeichnungen für Ausländer verwendet werden. Die Prüfung der Echtheit dieser Posts sei Bestandteil der Ermittlungen, sagte Hille.

Kommentare (97)

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Frau Frauke Müller

21.01.2015, 11:13 Uhr

Gäähn. Mal wieder die tägliche Pegida Schelte.

Aber was Prinz Harry darf, dürfen andere halt nicht ;-8

Sergio Puntila

21.01.2015, 11:18 Uhr

Hört hört: der Pegida-Cheffe als Prinzen Imitat...
Nun ja, man kann aus Politik auch eine Karnevalssitzung machen wollen.
Was das allerdings mit Politik zu tun haben soll wissen vmtl nichtmal die Hühner, die auch keine Zeit mehr zum Lachen haben.

Herr richard roehl

21.01.2015, 11:23 Uhr

Ist doch clever, wie er dergestalt die Pauschalverurteiler, die ihn gerne so sehen wollen auf die Schippe nimmt. Aber Satire ist halt nur dem erlauchten Kreis der Gutmenschen vorbehalten

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