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26.01.2007

10:00 Uhr

Lutz Raettig

Banker lobt die Grünen in Frankfurt

VonThomas Sigmund

Lutz Raettig, Aufsichtsratschef der Investmentbank Morgan Stanley in Deutschland, sitzt seit acht Monaten für die CDU im Frankfurter Römer. Er lobt den grünen Koalitionspartner und hat schon mal eine To-Do-Liste zusammengestellt – für den Fall, dass Oberbürgermeisterin Petra Roth am Sonntag wiedergewählt wird.

Stellt Forderungen an die Kommunalpolitik: Lutz Raettig. Foto: dpa

Stellt Forderungen an die Kommunalpolitik: Lutz Raettig. Foto: dpa

BERLIN. Am Sonntag stellt sich Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) den Wählern. Nach den Umfragen ist ihre Wiederwahl gesichert, SPD-Herausforderer Franz Frey liegt weit zurück. Sollte Roth gewinnen, hat der Banker Lutz Raettig für sie schon mal eine To-Do-Liste zusammengestellt. „Flughafenausbau durchziehen, für Unternehmensansiedlungen stärker als bisher werben, Wissensbetriebe in die Stadt holen“, steht darauf. Das klingt nach dem üblichen Wunschkonzert der Banken- und Wirtschaftsszene. Doch bei Raettig liegt der Fall anders.

Der Aufsichtsratschef der Investmentbank Morgan Stanley in Deutschland sitzt selbst seit acht Monaten für die CDU im Römer und ist damit für die Wirtschaftspolitik Frankfurts mitverantwortlich. Raettig will sein wirtschaftliches Wissen einbringen, das er bei der WestLB, Commerzbank und zuletzt als Vorstandschef von Morgan Stanley erworben hat. Nur missbilligend den Kopf über die Politiker schütteln, wenn was nicht funktioniert, kam für ihn nicht in Frage.

Nach so kurzer Zeit will sich Raettig aber kein Urteil über die für ihn neue Welt der Politik erlauben. Seine ersten Eindrücke über die Arbeitsabläufe vergleicht er jedoch mit einer „riesigen Papiermaschine“, die durch eine „Anfragenflut, die alle schriftlich formuliert sein müssen, und eine enorme Anzahl von Vorlagen an die Magistratsmitglieder“ gefüttert wird.

Schwer fällt es ihm, die politischen Mechanismen zu akzeptieren. Wie das „ewige Hin und Her“ im Streit um den Denkmalschutz der Frankfurter Großmarkthalle, das die Europäische Zentralbank (EZB), die ihre Zentrale dorthin verlegen will, schon stark irritiert hat. „Das wäre in der freien Wirtschaft schneller und ohne Öffentlichkeit beigelegt worden“, sagt Raettig. Da hätte sich sofort der Projektverantwortliche mit der EZB zusammengesetzt und eine Lösung gefunden.

Respekt hat der CDU–Mann vor dem Fleiß im Magistrat. „Ob in Beiräten, Ausschüssen oder wenn ein Gespräch vor Ort über einen Zebrastreifen ansteht, die Magistratsmitglieder und die Stadtverordneten sind voll engagiert“, sagt Raettig und es klingt so, als habe er vorher eine andere Meinung gehabt.

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