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04.07.2015

10:30 Uhr

Machtkampf bei der AfD

Endgültige Trennung oder doch Zusammenarbeit?

An diesem Wochenende entscheidet der AfD-Bundesparteitag über die Zukunft der Co-Chefs Bernd Lucke und Frauke Petry. Für Lucke kommt eine weitere Zusammenarbeit nicht in Frage – Petry schließt die Option nicht aus.

Die Mitglieder des Bundesparteitags entscheiden nun, in welche Richtung es mit der AfD gehen soll. AFP

Frauke Petry und Bernd Lucke

Die Mitglieder des Bundesparteitags entscheiden nun, in welche Richtung es mit der AfD gehen soll.

Köln/EssenVor dem Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD) hat die Bundesvorsitzende Frauke Petry ihre Bereitschaft bekräftigt, die Partei mit Bernd Lucke in einer Doppelspitze zu führen. „Wenn der Parteitag uns beide in den Vorstand wählt, dann müssen wir zusammenarbeiten“, sagte Petry am Samstag im WDR5-„Morgenecho“.

Bei dem am Samstag begonnenen Parteitag wird über die Parteiführung entschieden. Hauptkontrahenten sind der AfD-Chef Lucke als Vertreter des wirtschaftsliberalen Flügels und die Ko-Vorsitzende Petry als Führungsfigur des nationalkonservativen Flügels. Während Lucke nicht mehr mit Petry zusammenarbeiten will, schloss Petry eine weitere Zusammenarbeit mit Lucke nicht aus.

Die Mitglieder würden beim Parteitag auch über das Selbstverständnis der Partei entscheiden, sagte Petry. Die Frage sei, „ob man sich primär als Oppositionspartei versteht, in der man reifen oder sich politisch entwickeln muss. Oder ob man mit einer kleinen Anzahl von Getreuen wesentlich zum Mehrheitsbeschaffer einer großen Partei wird“. Letzteres sei der Wille von Bernd Lucke, sagte Petry. „Diese Meinung teile ich nicht und ich glaube auch, dass die Mehrheit der AfD-Mitglieder sie nicht teilt.“

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Petry verteidigte zugleich die Gespräche ihrer Parteispitze mit Organisatoren der anti-islamischen Pegida-Bewegung. Die Partei habe festgestellt, dass sie die Anliegen der Bürger auf der Straße vertreten müsse. „Es geht darum, ob die AfD sich weiterhin als neue politische Kraft versteht, die bereit ist, auch Tabus zu brechen und die Debatte zu beleben, oder ob sie in die gleichen starren Strukturen verfällt wie die etablieren Parteien“, sagte sie.

AfD-Gründer Bernd Lucke dagegen sucht beim Parteitag die Entscheidung im Machtkampf. Im neuen Bundesvorstand soll das bisherige Trio aus drei gleichberechtigten Vorsitzenden durch eine Doppelspitze ersetzt werden. Lucke möchte erster Vorsitzender werden und hat als zweite Vorsitzende die Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein, Ulrike Trebesius, vorgeschlagen. Sollten die über 4000 erwarteten AfD-Mitglieder Luckes Personalvorstellungen folgen, wäre die sächsische Parteichefin Petry entmachtet.

Petry steht wie der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland und der dritte AfD-Bundesvorsitzende Konrad Adam für den nationalkonservativen Flügel. Sie hält Lucke und dessen wirtschaftsliberalen Flügel im Kern eine thematische Verengung der AfD auf die Ablehnung der Euro-Rettungspolitik vor. Lucke wirft seinen Gegnern vor, die AfD nicht gegen das rechte Spektrum abzugrenzen und kritisierte unter anderem Kontakte zur Islam-feindlichen Pegida-Bewegung.

Fakten zur Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“ (AfD)

Parteigründer

Zu den Gründern der Partei gehören neben dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke unter anderem der langjährige FAZ-Feuilletonist Konrad Adam und der ehemalige hessische Staatssekretär Alexander Gauland.

Nein zum Euro

Die AfD fordert die Auflösung des Euro-Währungsgebietes und die Wiedereinführung nationaler Währungen.

Bundestagswahl

Zur Bundestagswahl im September 2013 ist die neugegründete Partei erstmals angetreten. Bei der Europawahl im Mai 2014 erzielte sie sieben Prozent und zog mit sieben Abgeordneten ins EU-Parlament ein.

Sympathisanten

Diversen Umfrage zufolge können sich zwischen 20 und 30 Prozent der Deutschen vorstellen, eine euroskeptische Partei zu wählen.

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