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01.04.2011

08:25 Uhr

Machtkampf in der FDP

Der tiefe Fall des Guido Westerwelle

VonHannes Vogel

FDP-Chef Westerwelle hat jegliches Vertrauen verspielt: In Umfragen machen ihn zwei Drittel der Befragten für die Krise seiner Partei verantwortlich. Doch bringt ein Generationenwechsel die Glaubwürdigkeit zurück?

FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle: Der einstige Star wird zur Belastung.

FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle: Der einstige Star wird zur Belastung.

Er war der Shootingstar der Partei. Er war es, der den Liberalen nach dem Ende der Kohl-Ära wieder zu mehr Unabhängigkeit verhalf und die Partei in der Opposition erneuerte. Er war es, der die Partei bei der Bundestagswahl 2009 zum besten Ergebnis aller Zeiten führte, als die Liberalen 15 Prozent der Stimmen holten.

Doch schon am Montag könnte die politische Karriere von Guido Westerwelle an ihr vorläufiges Ende kommen. Auf der Sitzung des Parteipräsidiums fällt voraussichtlich schon eine Vorentscheidung über die künftige Führung, am 11. April dann will das Präsidium der FDP gemeinsam mit den Landeschefs das neue Personaltableau festlegen, das die Partei aus der Vertrauenskrise beim Wähler herausholen soll. Spätestens auf dem Parteitag im Mai wird sich die Zukunft Westerwelles entscheiden.

„In der Tat können wir nicht so weiter machen wie bisher. Wir müssen alles auf den Prüfstand stellen, sowohl inhaltlich wie personell“, sagte FDP-Bundestagsfraktionschefin Birgit Homburger der „Rheinischen Post“. Wenn sie von „alles“ spreche, meine sie damit selbstverständlich auch den Parteivorsitzenden. „Keiner sollte an seinem Posten kleben“, mahnt Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP).

Wer trägt die Verantwortung für den Vertrauensrückgang der FDP?

Wer trägt die Verantwortung für den Vertrauensrückgang der FDP?

Seit dem Absturz der FDP bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sucht die Partei nach einem Schuldigen, der für das Desaster die Verantwortung übernimmt. Parteichef Westerwelle ist abgetaucht, wohl auch weil er weiß, dass der Zorn der Partei und der Anhänger ihn treffen wird. Eine exklusive Handelsblatt-Umfrage bestätigt nun Westerwelles Befürchtungen: Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa unter 1001 Befragten machen 65 Prozent aller Bundesbürger den FDP-Chef selbst für den Vertrauensschwund verantwortlich.

Was noch schwerer wiegt: Unter denen, die 2009 die FDP gewählt haben, geben sogar 68 Prozent dem FDP-Chef die Schuld für die Wahlmisere und die verlorene Glaubwürdigkeit der Partei. Viel ist seit der Bundestagswahl passiert, aber eines sicher: Die FDP hat in den letzten 18 Monaten soviel Vertrauen eingebüßt, weil sie ihre Versprechen nicht gehalten hat. Sie ist damit für den Wähler unglaubwürdig geworden.

Angesichts des Machtkampfs in der FDP rechnet eine Mehrheit der Bürger auch laut ZDF-„Politbarometer“ mit einem Rückzug von Parteichef Westerwelle. 55 Prozent glauben nicht, dass der Außenminister nach dem FDP-Parteitag im Mai noch Vorsitzender der Liberalen sein wird. 36 halten es dagegen für wahrscheinlich, dass er sich bis dahin im Amt halten kann und dann bestätigt wird, wie die am Freitag veröffentlichte Befragung der Forschungsgruppe Wahlen ergab. Westerwelle trägt für 69 Prozent der 1283 Befragten sehr große oder große Schuld (sehr groß: 25, groß: 44) an den jüngsten Wahlniederlagen.

Kommentare (11)

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Morchel

01.04.2011, 09:10 Uhr

@ Geheimrat wasihr immer mit Immigranten und Arbeitslose habt.wenn du schon so Argumentierst mit dei sozialterrorismus dann sei auch konsequent, z.B. Wer nichts einzahlt nimmmmmt nichts raus die rundumversorgung ohne leistung auf hohen Level nach der Wahl ist vor der wahl.verursacherprinzip keine Subvensionen mehr für Atom/Solar E10 und so Aufstocker,Sklaven,1 eurojober abschaffen.Alle zahlen Steuer ha,ha.

azaziel

01.04.2011, 09:22 Uhr

Von einem Politiker erwarte ich, dass er eine UEBERZEUGUNG hat, diese in ein ganzheitliches KONZEPT fuer die Gestaltung unserer Zukunft umsetzt und dafuer mit seiner ganzen Person und seinem ganzen Wirken einsteht. Mit Aussagen wie „Wir muessen jetzt analysieren und mit neuen Inhalten und neuen Koepfen” die Partei neu aufstellen, ueberzeugt man mich nicht. Wer so denkt, wird immer nur dem Zeitgeist nachlaufen und bleibt beliebig. Vielleicht kommt ja die „Analyse“ zu dem Ergebnis, dass die Waehler mehr Gummibaerchen haben wollen.

Ich empfehle den ganz hervorragenden Kommentar von Jakob Augstein im Spiegel Online: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,754222,00.html

Account gelöscht!

01.04.2011, 09:40 Uhr

Ob es sich primär um den "Fall" der FDP oder des Herrn Westerwelle handelt, sei einmal dahingestellt: Der letzte theoriebildende Kitt, der die FDP zusammenhält ist der Begriff/der Gedanke des "Liberalismus", ein recht schwacher, wie sich in der Praxis zeigt! Weil brauchbarer "Kitt" fehlt, läuft ähnliches tausendfach auch in andern "Gruppen", "Gemeinschaften", Vereinen, sogar in Betrieben und Familien ab: Wenn Normen fehlen und sinnstiftende Kriterien fehlen, der Umgang mit Krisensymptomen weder geregelt, noch praktisch geübt, schon gar nicht rechtzeitig in Angriff genommen wurde, wenn anerkannte Fachleute und glaubwürdige realitätsorientierte Autoritäten fehlen, dann gehts zu, wie in der FDP! Fehlende Grundlagen, magelhafte Strukturierungen, einseitige Kompetenzen und eine nicht ausreichtende geistige Ausrichtung und Übereinstimmung derer, die gemeinsam zum Erfolg kommen sollen, können in der Regel nur zu solchen Ergebnissen führen, wie sie die FDP und andere Versagertruppen exeplarisch und prototypisch produzieren! Alle anderen Parteien sind ähnlich, wenn auch noch nicht so auffällig betroffen, ein "C", ein "S" oder eine naturverbundene Farbwahl sind zur Zeit !! noch !! der bessere "Kitt"!

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