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23.02.2011

07:22 Uhr

Maischberger-Talk zu Guttenberg

Messias im Stahlgewitter

VonIngrid Schneider

Der Abschreiber bittet um Absolution, bei Sandra Maischberger bekommt er sie. Zur Erklärung des Phänomens Guttenberg gehört eben auch die Erkenntnis, dass alle ihn brauchen.

Hat Guttenberg geschummelt? Darüber diskutierte am Dienstagabend die Talkrunde bei Sandra Maischberger. Quelle: obs

Hat Guttenberg geschummelt? Darüber diskutierte am Dienstagabend die Talkrunde bei Sandra Maischberger.

Was tun, wenn der Messias am Ende keiner ist? Es ist wohl die Angst vor dem vorzeitigen Aus der Prophezeiung, die Union und Guttenberg-Fans in diesen Tagen erzittern lässt. Da steht sie nun die Lichtgestalt der deutschen Konservativen - ohne Doktortitel und in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Peinlich, peinlich ist die Copy-Paste-Affäre für einen Mann, an dem alle bisherige Kritik abgeflossen ist wie von einer Teflon-Beschichtung. Der telegene Adelige und seine schöne Frau, die Deutschland ein bisschen vom Glanz und von der Eleganz der Obamas träumen lassen – und die Union von einer gesicherten weiteren Kanzlerschaft. 

Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Was wird nun aus ihm? Fehler eingestanden, aber Rücktritt ausgeschlossen?

Auf Sandra Maischbergers Ledersofas nimmt sich am späten Dienstagabend eine lustige Runde der Frage an „Der Schummelbaron – Frechheit siegt?“ Es plaudern ein  österreichischer Kabarettist, der wenig Respekt hat vor dem "Akademikerschmarrn", eine Guttenberg-Biographin, die weiter an seine Ehrlichkeit glaubt, eine ehemals grüne Baronin, die heftig über den Adel schimpft und ein Historiker, der den Freiherrn zwar persönlich „sehr mag“, aber als Wissenschaftler für eine „ziemliche Null“ hält. Hinzu kommen eine Journalistin, die wenig Schuldbewusstsein beim Abschreiber ausmacht sowie ein CSU-Abgesandter, der Guttenberg im „Stahlgewitter“ beistehen will.

Die Christsozialen haben Norbert Geis geschickt. Es ist nicht der erste Auftritt des Bundestagsabgeordneten bei „Menschen bei Maischberger“. Das letzte Mal ging es um die Rechte von Schwulen und Lesben, heute eben um Guttenberg. Es scheint, als habe von der CSU sonst keiner Zeit gehabt. Ist auch egal. Alle stehen sowieso hinter dem Minister, versichert Geis. „In diesem Stahlgewitter, das gerade auf Herrn zu Guttenberg einprasselt, hat er unsere volle Unterstützung.“ Guttenbergs Parteifreund hält die Plagiatsvorwürfe vielmehr für eine üble Schmutzkampagne. „Das ist der Versuch, einen beliebten Mann klein zu kriegen.“ In seiner Dissertation stünden schließlich auch ganz wunderbare Stellen drin. „Der Mann kann es.“

Kommentare (13)

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alanbenk

23.02.2011, 08:20 Uhr

Mein persönliches Fazit dieser Sendung: Sandra Maischberger ist als Moderatorin nicht mehr haltbar.

Account gelöscht!

23.02.2011, 09:09 Uhr

auch ich habe die Sendung gesehen und mir meine Gedanken gemacht. Die Doktorarbeit ist gefaket, das ist jetzt wohl gesichert. Damit sollte Herr zu Guttenberg in seinen Wäldern verschwinden, das wäre konsequent und "honorig". Es hindert ihn dann keiner, nach einigen Jahren geläutert wieder zukommen (dafür gibt es genug Beispiele). Wenn er so weiter macht, beschädigt ihn das nur für alle Zeiten.
Helmut

PanoramaH

23.02.2011, 09:11 Uhr

Oh, Mann,

was für eine Runde. So etwas durchgehen lassen, lässt jeden alles machen. Betrug, was soll's, der Mann wird gebraucht. Keiner fragt, was man ihm jetzt noch glauben kann. Warum erhalten jetzt nicht andere, die vorher getäuscht haben, und die deshalb aus ihren Positionen gehen mussten (z.B. falsche Ärzte oder Anwälte) obwohl sie nachweislich gut waren in ihrem "Job", nicht eine Generalrehabilitation. Ich denke, dass wäre nur recht und billig. Einzig streiten müsste man dann noch darüber, ob ihn für den in der Zwischenzeit entgangenen Lohn nicht ein Schadensersatz zustünde. hm.....

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