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16.03.2011

06:31 Uhr

Maischberger-Talk zu Japan

Willkommen in der „Gefühlsdemokratie“

VonChristina Otten

AKW-Befürworter müssen Demut üben im TV. Die deutsche „Gefühlsdemokratie“ zwingt sie in die Knie. Warum verstehen das nur die Japaner nicht? Eine Kritik zu Sandra Maischberger.

Evakuierte Japaner werden auf Strahlenbelastung getestet. Quelle: dapd

Evakuierte Japaner werden auf Strahlenbelastung getestet.

DüsseldorfJedes Kind kennt diesen Satz: „Muss denn erst etwas Schlimmes passieren, damit du dein Handeln überdenkst?“ Wie richtig diese elterliche Ermahnung ist, hat jeder schon einmal am eigenen Leibe erfahren.

In der Nuklearfrage haben die meisten hierzulande – Politiker, Unternehmen und auch Bürger – diese Lebensweisheit lange ausgeblendet. Es schien auch gar nicht so teuflisch, dieses Kernkraftwerk, das sich so friedlich in die Flusslandschaft einfügt, das keinen schwarzen Rauch ausstößt, keinen Lärm macht, keine unangenehmen Gerüche produziert. Zu abstrakt wirkte der Begriff „Restrisiko“, zu unvorstellbar die enormen Kräfte der Spaltung von Atomkernen. Und was man nicht versteht, verdrängt man gern. Bis etwas Schlimmes passiert. An diesem Punkt sind wir nun wieder – in Japan, Fukushima.

Es ist ein hilfloses Warten auf den GAU. Und die deutschen TV-Talks müssen aufpassen, wollen sie bei der Aufarbeitung der Tragödie nicht im Banalen enden, sich verlieren in einer respektlosen Plauderei aus 8000 Kilometern Sicherheitsentfernung.

Was Anne Will zum Auftakt der großen Atomdebatte nicht gelang, will Sandra Maischberger nun besser machen. „Die Geister, die wir riefen – Atomkraft außer Kontrolle?“ fragt sie am späten Dienstagabend in ihrer Sendung, just nachdem die Nachrichten einen weiteren dramatischen Brand im Katastrophen-AKW verkündet haben. Und was passiert eigentlich gerade mit der Politik in Deutschland?  

Sandra Maischberger: „Die Geister, die wir riefen – Atomkraft außer Kontrolle?“ Quelle: obs

Sandra Maischberger: „Die Geister, die wir riefen – Atomkraft außer Kontrolle?“

Eigentlich sollte Markus Söder von der CSU kommen. Er kam aber nicht. Vielleicht beschäftigt mit der hastigen Abschaltung des Altmeilers Isar I. Dessen Aus hatte der bayrische Umweltminister zuvor unter Applaus im Parteipräsidium verkündet. „Politische Panikreaktion“ nennt das Richard David Precht, der hübsche langhaarige Dauertalkshowgast und Philosoph, der bekanntlich zu allem eine Meinung hat. Also auch zu Deutschlands „Schrottmeilern“. Und Achtung, jetzt wird es wirklich philosophisch: „Der Motor des sozialen Geschehens ist niemals die Vernunft, sondern der Affekt.“

Wie sonst ist Angela Merkels „180-Grad-Wende“ (SPD-Atomkritiker Erhard Eppler) in der Atompolitik zu verstehen? Es ist das Resultat einer deutschen „Gefühlsdemokratie“, meint der einsame Atombefürworter und Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer. Die Deutschen reagierten beim Thema Strahlung und Krebs eben besonders empfindlich.

Kommentare (13)

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harry

16.03.2011, 08:25 Uhr

Dem Großteil der Bevölkerung sind doch der tägliche Kaffee und die Zigarette wichtiger als ein realistischer Blick in die Zukunft. Da wird über 10 € mehr pro Monat für den Strom gestritten, aber nicht um die tödlichen Gefahren der Strahlung im Falle eines GAUs. Und im Schadensfall sind es eben diese Menschen, die sich am meisten beschweren und das Unglück nicht wahr haben wollen. Erinnert mich an den Kettenraucher, der die Krebsdiagnose des Arztes nicht akzeptieren will.

Account gelöscht!

16.03.2011, 08:52 Uhr

Der Stresstest wird definitiv nichts helfen. Denn getestet werden kann nur das, was man weiß. Was aber ist mit den vielen anderen Möglichkeiten, die wir uns nicht ausdenken können, weil wir nicht wissen. Daher ist nichts sicher und nur eine Frage, wann das Unvorhersehbare eintritt. Und eine so Tod-bringenden, komplexen Technik gehört nicht betrieben: http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/03/13/kernkraftwerke-und-warum-es-ein-wiegen-in-sicherheit-nicht-geben-kann

Wolfram007

16.03.2011, 09:56 Uhr

Wie immer, Deutschland einig Panikland!
Rein sachlich stellt sich dem erstaunten Betrachter natürlich die Frage, warum der Stresstest nicht vor
einer Entscheidung über die Verlängerung anberaumt wurde.

Gute Besserung
Wolfram007

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