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02.01.2008

09:53 Uhr

Mangelnde Weitsicht

Zweifel an Beschäftigungswunder für Ältere

VonRainer Nahrendorf

Demografische Effekte: Die Belegschaften in den Betrieben altern, doch nur wenige Unternehmen stellen sich der Problematik. Zwar profitieren Ältere überproportional vom Aufschwung – ihre Arbeitslosigkeit ist stärker gesunken als die Arbeitslosigkeit insgesamt –, doch Gewerkschaften werfen der Wirtschaft mangelnde Weitsicht vor.

DÜSSELDORF. Mit der mutmachenden Schlagzeile „Golden Fifties“ wirbt der Ennepe-Ruhr-Kreis für einen Beschäftigungspakt zugunsten Älterer. Aus gutem Grund: Um rund 40 Prozent wird die Zahl der 55- bis 64-Jährigen bis zum Jahr 2020 in der Bevölkerung Deutschlands zunehmen, in einigen Regionen sogar um 60 Prozent.

Bundesweit sieht es dennoch nicht danach aus, als brächen für die Älteren mit der heraufziehenden „Silberwirtschaft" goldene Jahre an. Bislang stellen sich nur wenig Unternehmen auf alternde Belegschaften ein. Annelie Buntenbach, Mitglied des geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes, wirft den Unternehmen mangelnde Zukunftsvorsorge vor.

Derzeit allerdings profitieren Ältere überproportional vom Aufschwung. Ihre Arbeitslosigkeit ist stärker gesunken als die Arbeitslosigkeit insgesamt. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung der 50- bis 65-Jährigen ist gegenüber 2005 um 350 000 auf 6,1 Millionen gestiegen, so die amtlichen Zahlen.

Buntenbach relativiert diese Erfolge: „Die Fortschritte sind nicht so groß“, sagte sie dem Handelsblatt. Der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung Älterer sei zum größten Teil darauf zurückzuführen, dass die Belegschaften in den Betrieben alterten und die Jahrgangsstärke höher sei. Außerdem verlören im Zuge der Konjunktur auch weniger Ältere den Arbeitsplatz. Gehe dieser aber verloren, fänden Ältere nach wie vor kaum den Weg zurück ins Erwerbsleben. Bis Ende September diesen Jahres seien 407 000 über 50-Jährige arbeitslos geworden, aber nur 383 000 Arbeitslose dieser Altersgruppe hätten wieder einen Job gefunden.

Eine Trendwende zugunsten einer höheren Beschäftigung Älterer kann auch DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy nicht erkennen. Er führt die höheren Beschäftigtenzahlen der Älteren nicht nur auf konjunkturelle und demografische Effekte zurück. Er verweist auch darauf, dass die steigende Zahl von Arbeitnehmern in der Freistellungsphase der Altersteilzeit noch als sozialversichert beschäftigt gezählt werde.

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