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21.06.2012

20:35 Uhr

Mangelnder Tierschutz

Grüne fordern Konsequenzen in Schlachthöfen

750 Schweine pro Stunde: In Schlachthöfen wird im Sekundentakt gearbeitet. Darunter leidet der Tierschutz: 12,5 Prozent der Tiere seien nicht richtig betäubt. Die Grünen fordern härtere Regeln, die Branche wehrt sich.

Die Grünen machen die straffe Zeiteinteilung für das unnötige Leiden der Tiere verantwortlich. ap

Die Grünen machen die straffe Zeiteinteilung für das unnötige Leiden der Tiere verantwortlich.

BerlinAkkord-Schlachten ohne richtige Betäubung: Beim Töten von Schweinen und Rindern in deutschen Schlachthöfen kommt es aus Sicht der Bundesregierung vielfach zu unnötigem Leiden. Solche Zwischenfälle seien so schwerwiegend, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssten, um sie sicher auszuschließen, heißt es in einer Antwort des Bundesagrarministeriums auf eine parlamentarische Anfrage. Die Grünen kritisierten zu hohen Zeitdruck in der industriellen Massenschlachtung und forderten strengere Vorgaben. Die Branche wies die Vorwürfe scharf zurück.

Zentrales Problem sind Defizite bei der Betäubung. Sie können dazu führen, dass Tiere vor dem eigentlichen Schlachten „das Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen wiedererlangen“ und zum Beispiel „reagierende oder wache Schlachtschweine in die Brühanlage gelangen“, erläutert die Regierung. Diese „Fehlbetäubungsrate“ erreiche bei Schweinen laut internationalen Studien bis zu 12,5 Prozent, wenn per Hand bediente elektrische Betäubungsanlagen eingesetzt werden. Bei Rindern würden demnach bis zu 9 Prozent nicht richtig betäubt. Damit wurden Informationen der „Saarbrücker Zeitung“ (Donnerstag) bestätigt.

In großen Schlachtanlagen werden bis zu 750 Schweine pro Stunde automatisch betäubt, wie die Regierung berichtet. Zum fachgerechten Töten per „Entblutestich“ sind dann etwa fünf Sekunden Zeit. Bei Rindern sind es bis zu 80 Tiere in der Stunde und jeweils 45 Sekunden fürs Töten. Im vergangenen Jahr wurden in 5100 zugelassenen Betrieben mehr als 59 Millionen Schweine und 3,7 Millionen Rinder geschlachtet.

Entscheidend seien „wirksame Betäubung und deren ordnungsgemäße Überwachung sowie das Feststellen des Fehlens von Lebenszeichen bei jedem einzelnen Tier vor Beginn der weiteren Schlachtarbeiten“, betont das Ministerium. Daher würden verschiedene Forschungsvorhaben zur „Weiterentwicklung einer tierschutzgerechten Tötung“ gefördert.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn kritisierte, die Bundesregierung verweigere es, den Zusammenhang zwischen dem Zeitdruck bei der Akkordarbeit und Tierschutzmängeln in Schlachthöfen anzuerkennen. „Die Verbraucher wollen aber keine Billigschnitzel um den Preis, dass eines von 100 Schweinen lebend verbrüht wird.“ Betäuben und Töten müssten verpflichtend aus der Akkordarbeit herausgenommen werden. Nötig seien zudem Vorschriften für maximale Tierzahlen pro Stunde, bessere Kontrolle und ein Branchen-Mindestlohn, um mehr ausgebildete Kräfte für die Branche zu gewinnen.

Der Verband der Fleischwirtschaft hielt der Bundesregierung „Pauschalierungen und Unkenntnis der aktuellen Situation“ in der Branche vor. Undifferenzierte Prozentwerte und nicht zeitgemäße Literaturquellen würden in unseriöser Weise verallgemeinert. Mehr als 95 Prozent aller Schlachtungen würden in 45 großen Rinder- und 60 Schweinefleischunternehmen vorgenommen. Diese seien mit moderner Betäubungs- und Entblutetechnik ausgerüstet und hätten ein großes Eigeninteresse daran, Prozesse ständig weiterzuentwickeln.

Von

dpa

Kommentare (16)

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Tabu

21.06.2012, 21:36 Uhr

da bin ich Grüner,wenns um Tiere und das menschliche
Freßverhalten geht..Ich fordere ein Ende,Tiere
abzuschlachten..

bjarki

21.06.2012, 21:51 Uhr

Leider nur ein Kommentar hier. Tierschutz geht niemand an ? Die Gruenen toenen nur laut , machen aber absolut nichts. Es ist beschaemend Tierelend mitansehen zu muessen. Wer sind wir, dass wir uns anmassen ueber Tiere herrschaftlich zu bestimmen. Es faengt bei den Bauern an. Diese sind subventionierte Berufstierquaeler. Es gibt Religionen, in den es verankert ist, als das tier wiedergeboren zu werden, was man am meisten gequaelt hat. Schweine zum Beispiel.

Alex

22.06.2012, 02:06 Uhr

Ein vor kurzem erschienbener HB-Artikel bringt es auf den Punkt:

"In einem hoch subventionierten System haben sich Großbauern, Tierfabriken, Hersteller von Pestiziden, Tierärzte, Saatgutproduzenten und Pharmafirmen zusammengetan. Die Überproduktion und der Wegwerf-Wahnsinn sind kein Irrläufer, sondern ein gern gesehener Nebeneffekt der Überproduktion. Es ist ein brutales Wachstum auf Kosten derjenigen, die wehrlos sind."

(www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/lebensmittel-produktion-das-giftige-geheimnis-auf-unseren-tellern/6629862.html)

Grosse Ketten wie Aldi und Lidl sollten Vorreiterrollen einnehmen und nur noch Fleisch aus Schlachtung mit Mindeststandards und tiergerechter Haltung vertreiben; noch besser wäre ein entsprechendes Gesetz.

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