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20.05.2012

15:22 Uhr

Marburger Bund fordert

Ausländische Ärzte sollen Deutschprüfung ablegen

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund setzt sich für eine Sprachprüfung für ausländische Ärzte ein. Ihr Vorsitzender meint: „Ein Arzt aus einem Drittland muss mehr können, als in der Nachtschicht Pizza zu bestellen.“

Chirurgen in einer Klinik: Der Marburger Bund fordert für ausländische Ärzte eine Sprachausbildung sowie eine Einführung in das deutsche Gesundheitssystem. dpa

Chirurgen in einer Klinik: Der Marburger Bund fordert für ausländische Ärzte eine Sprachausbildung sowie eine Einführung in das deutsche Gesundheitssystem.

NürnbergZum Schutz der Patienten fordert der Marburger Bund die Einführung von Sprachprüfungen für ausländische Ärzte. Auf ihrer Hauptversammlung am Wochenende in Nürnberg verlangte die Ärztegewerkschaft auch mehr Geld für Krankenhäuser. Darüber hinaus sollen sich die Bonuszahlungen für Chefärzte nicht an steigenden Fallzahlen, sondern an Qualitätskriterien orientieren.

Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, sagte: „Ein Arzt aus einem Drittland muss mehr können, als in der Nachtschicht Pizza zu bestellen.“ Ausländische Ärzte müssten von ihren deutschen Arbeitgebern eine mehrmonatige Sprachausbildung und eine Einführung in das deutsche Gesundheitssystem erhalten. Mindeststandard sei die Fähigkeit, praxistaugliche Arztbriefe und Behandlungsempfehlungen für die Patienten verfassen zu können.

„Unter diesem Niveau sollte kein Arzt aus dem Ausland eine Zulassung in Deutschland erhalten“, sagte Henke. Der Marburger Bund geht davon aus, dass sich durch die Krise in der Eurozone in den kommenden Monaten verstärkt junge Mediziner aus Griechenland und Spanien an deutschen Krankenhäusern bewerben werden.

Vor dem am Dienstag beginnenden 115. Deutschen Ärztetag in Nürnberg beschäftigten sich die Delegierten auch mit dem von der Bundesregierung geplanten Patientenrechtegesetz. „Das hat noch einige Zähne, die wir ziehen müssen“, sagte Henke. Kritik übte er vor allem an der geplanten Verpflichtung, dass Patienten vor einer Operation von dem Arzt aufgeklärt werden müssen, der tatsächlich den Eingriff vornimmt.

Das ist nach Henkes Ansicht „unsinnig und realitätsfremd“. Seiner Einschätzung nach würde dies dazu führen, „dass nicht mehr genug erfahrene Ärzte für Operationen an den Kliniken zur Verfügung stehen, weil sie mit Aufklärungsgesprächen beschäftigt sind“.

Kommentare (17)

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atinak

20.05.2012, 15:41 Uhr

Danke für diesen Bericht, die Kritik ist mehr als gerechtfertigt. Ein besonderer Skandal aber, der nirgendwo Erwähnung findet, besteht darin, dass auf Kosten des deutschen Steuerzahlers gut ausgebildete deutsche Ärzte angesichts der miserablen Bedingungen, die sie hier vorfinden, in Scharen ins Ausland abwandern, während in Scharen meist erheblich schlechter ausgebildete Ärzte aus dem Ausland hier einwandern, die dann noch nicht mal der deutschen Sprache mächtig sind und Dialekte schon gar nicht verstehen. Deutschland, das einst ein weltweit vorbildliches Gesundheitssystem hatte, schafft sich auch hier systematisch ab. Gepempert werden nur noch eine seelenlose, krankmachende Apparate- und Medikamentenmedizin und eine ständig weiter steigende Überbrurokratisierung auch im Pflegebereich. Und die Profiteure sind dann die Pharmaindustrie und die Klinikbetreiber, denen die Gesundheit des einzelnen Patienten von Herzen schnuppe ist.

Account gelöscht!

20.05.2012, 16:48 Uhr

Unvorstellbar das ein guter Arzt der sich in der Deutschen Provinz niederlassen und dort Arbeiten möchte ,keine Zulassung bekommt , nur weil er den Vorstellungen
einer deutschen Inquisition nicht entsprechen kann .
Ein Arzt der in gebrochenem deutsch seine Patienten
behandelt ist uns allen lieber als einen den es
nicht gibt .

Petra

20.05.2012, 17:36 Uhr

Was, wenn dieser Arzt aus mangelndem Sprachverständnis eine falsche Diagnose mit falscher Medikation stellt?

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