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18.04.2006

15:44 Uhr

Markt im Umbruch

Reha-Kliniken kämpfen um Kunden

VonAnna Sleegers

Sinkende Patientenzahlen zwingen Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen zum Umdenken. Die rund 1 300 meist privat geführten Reha-Kliniken in Deutschland kämpfen nicht nur um Patienten, sondern ums Überleben.

SANKT WENDEL. Die Handflächen des Empfangsmitarbeiters der Bosenberg-Kliniken im saarländischen Sankt Wendel zeigen nach oben. Er legt die Rechte leicht über die Linke und schiebt beide Hände in die Richtung seines Herzens – ein Willkommensgruß in der Gebärdensprache. Selbst kann der junge Mann mit dem Silberring in der Braue zwar uneingeschränkt hören, doch die Fachklinik will sich mit einem besonderen Service-Angebot für Gehörlose von der Konkurrenz abheben.

„Rehabilitationsangebote sind keine Selbstläufer mehr“, sagt Chefarzt Harald Seidler. Als der Spezialist für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde im vergangenen Jahr die Leitung der zum börsennotierten Mediclin-Konzern zählenden Bosenberg-Kliniken übernahm, setzte er sich zunächst daran, die Zielgruppe seines Hauses zu definieren: „Ohne ein ausgefeiltes Therapiekonzept bekommt man eine Reha-Klinik heute nicht mehr voll.“

Denn das Geschäft mit ärztlich verordneten Kuren, einst ein florierender Zweig des deutschen Gesundheitswesens, schwächelt. Renten- und Krankenkassen fehlen Mittel, um Anträge großzügig durchzuwinken. Zugleich werden immer weniger Anträge gestellt: Aus Angst vor Jobverlust scheuen sich viele Arbeitnehmer, eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit einzugestehen. Auch die Zuzahlung von zehn Euro pro Tag schreckt viele Patienten ab. Nach Angaben der gesetzlichen Rentenversicherung gingen die Patientenzahlen zwischen 2001 und 2004 um 15 Prozent zurück.

Die rund 1 300 meist privat geführten Reha-Kliniken in Deutschland kämpfen ums Überleben. In den fetten Nachkriegsjahrzehnten wie Pilze aus dem Boden geschossen, müssen sie sich heute Anteile eines kontinuierlich schrumpfenden Marktes sichern. Die durchschnittliche Auslastung ging immer weiter zurück – von fast 90 Prozent Anfang der neunziger Jahre auf zuletzt knapp 74 Prozent.

Doch es gibt auch Gewinner. Kliniken, die ihr Angebot an die veränderten Bedürfnisse von Patienten und Versicherern anpassen, können Zuwächse verbuchen. Für eine gewisse Belebung sorgt etwa der Trend zur Anschlussheilbehandlung. Anders als die konventionelle Heilkur knüpft diese direkt an den Krankenhausaufenthalt an.

„Wegen der sinkenden Verweildauern hat sich das Geschäft in diese Richtung verlagert“, sagt Peter Clausing, Geschäftsführer der Osnabrücker Paracelsus-Gruppe, die elf Reha-Einrichtungen betreibt. Der Anteil der Anschlussheilbehandlungen habe sich kontinuierlich erhöht – von einem Zehntel auf gut die Hälfte des gesamten Reha-Marktes.

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