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27.12.2011

18:53 Uhr

Marodes Lager

Atomkraftgegner fürchten Flutung von Asse

Der Ärger um das marode Atommülllager Asse reißt nicht ab. Atomkraftgegner werfen Bundesumweltminister Röttgen vor, die Rückholung der Fässer zu verzögern. Eine Sprecherin verweist auf eine baldige Neubewertung des Lagers.

Ein Schild mit der Aufschrift „Radioaktiv“ hängt im Atommülllager Asse. dpa

Ein Schild mit der Aufschrift „Radioaktiv“ hängt im Atommülllager Asse.

RemlingenDie Rückholung der 126 000 Fässer mit Atommüll aus dem einsturzgefährdeten Lager Asse bei Wolfenbüttel gestaltet sich weiter schwierig. Atomkraftgegner fürchten, dass die Behälter nun doch nicht geborgen werden sollen. Sie warfen Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Dienstag vor, die Rückholung des Mülls zu verzögern und zu torpedieren. Offensichtlich werde statt der Bergung inzwischen eine Flutung des maroden
Lagers bevorzugt, kritisierte der Asse-Koordinationskreis, in dem sich atomkritische Gruppen zusammengeschlossen haben.

Das Bundesumweltministerium wies die Vorwürfe zurück. Es stimme sich eng mit seiner zuständigen Behörde, dem Bundesamt für Strahlenschutz, ab. „Anfang des Jahres wird das Bundesamt für Strahlenschutz eine umfangreiche Bewertung abgeben“, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Das Lager Asse gilt als stark einsturzgefährdet, täglich sickert Wasser von außen ein.

Für Wirbel gesorgt hatte zuletzt ein Vermerk des Bundesamtes für Strahlenschutz zur bergtechnischen Sicherheit der Grube. Darin hatte es geheißen, es könnten bis Ende 2012 Dinge eintreten, die eine Rückholung des Mülls unmöglich erscheinen ließen.

Daraufhin hatte der scheidende niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) erklärt, es gebe keine Chance mehr für eine Bergung des Atommülls. Stattdessen sei so schnell wie möglich ein sicherer Verschluss der Asse notwendig. Das Ziel, den Müll zu bergen, scheine angesichts von Bedenken des Bundesamtes für Strahlenschutzes nicht mehr erreichbar.

Die Atomkraftgegner warfen Röttgen vor, er arbeite seit fast zwei Jahren gegen die Rückholung des Mülls. Röttgen habe sich auch noch nie vor Ort über die Lage in dem alten Bergwerk informiert. Auch das niedersächsische Umweltministerium verzögere durch seine Genehmigungs- und Auflagenpraxis eine Rückholung des Mülls.

Im Januar 2010 hatte das Bundesamt für Strahlenschutz das Ergebnis eines Vergleichs von verschiedenen Möglichkeiten zur Sicherung des einsturzgefährdeten Lagers vorgestellt. Eine Rückholung der Atommüllfässer wurde damals als beste Option präsentiert. Zur Alternative standen eine Verfüllung der Stollen oder die Umlagerung der Müllfässer in tiefere Schichten des alten Salzbergwerks.

„Jeder Kubikmeter geborgenen Atommülls ist ein Sicherheitsgewinn“, erklärte ein Sprecher des Asse-Koordinationskreises. Er betonte: „Niemand sollte erwarten, in der Asse noch intakte Fässer vorzufinden.“ Zu erwarten sei ein Mix aus Atommüll, chemotoxischen Abfällen, Behälterresten und Salz.

Wolfenbüttels Landrat Jörg Röhmann (SPD) erklärte, in dem Vermerk des Bundesamtes für Strahlenschutz gebe es viele nicht nachvollziehbare Behauptungen. „Dass die Rückholung Risiken birgt, wussten wir schon vorher“, erklärte der Landrat. Die Bergung des Mülls sei aber die einzige rechtlich zulässige und gesellschaftlich akzeptierte Stilllegungsoption für die Asse.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Lutz

27.12.2011, 20:01 Uhr

Bürger haften für ihre Politiker? Nein Danke!

Die Kosten sollte man Merkel vom Lohn abziehen, die hatte die Verantwortung.


Vandale

27.12.2011, 20:01 Uhr

Leicht- und Mittelradioaktive Abfälle werden international üblich in preiswerten Oberflächenlagern deponiert. Aufwendige Tiefenlager wie Asse sind für diese Abfälle übertrieben.

Das ehemalige Salzbergwerk Asse wurde vom Bund in den 60er Jahren als Versuchsendlager für 1/2 Mio. DM gekauft. Als Salzstock ist dieses ideal geeignet zur Lagerung giftiger, oder radioaktiver Abfälle. Asse hat lediglich den geringfügigen Nachteil das man seinerzeit das Salz bis zum Rande des Vorkommens abgebaut hat. Wasser drückt aus dem Berg mit 55bar und sickert in geringen Mengen ein (Ökopropaganda Asse säuft ab). Die Sole wird abgepumpt. Salz verhält sich plastisch, sprich schliesst Hohlräume und Spalten. Dies bedeuted Asse schliesst sich (Ökopropaganda Asse stürzt ein). Demzufolge wäre es sachlich geboten Asse entweder mit weiteren Abfällen zu verfüllen, oder zu fluten. Dadurch wird der Salzstock stabilisiert und kann analog der Soleeinschlüsse anderer Salzstöcke die Abfälle für Millionen Jahre sicher verwahren. Eine Rückholung ist technisch sinnlos, gefährlich für die Bergleute (Die Ökoreligion nimmt auf Menschenleben keine Rücksicht) und unnötig teuer.

Der Vorteil für Röttgen und seine Grünen Konsorten ist das Sie mit der teuren, gefährlichen und unsinnigen Bergung die erfolgreiche Ökolegende der "Ungelösten Endlagerfrage" anheizen können.

Vandale

Ablasshandel

27.12.2011, 21:31 Uhr

Endlich mal eine fundierte Antwort. Das Theater was nur in Deutschland gemacht wird bringt unsere Nachbarländer zum Erstaunen. "German Angst" ist schon ein Schlagwort geworden, die wirklichen Probleme werden durch Scheinprobleme wie die Asse oder das konstruierte Problem "Klimawandel" geplant überdeckt.
Wir werden demnächst Kernkraftstrom nicht nur aus Frankreicht, Tschechien und Skandinavien kaufen müssen, auch Polen bereitet sich schon vor. Wir ziehen mittelalterliche Energiequellen vor und zahlen uns dumm und dämlich.

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