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02.02.2017

08:19 Uhr

Martin Schulz

Basiskontakt im Mondpalast

VonKathrin Witsch

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat seinen Wahlkampf an der Basis begonnen. In Herne, mitten im Ruhrgebiet. 500 Menschen kommen zu seinem Auftritt, viele sind begeistert. Doch entscheidend sind die Zweifler.

Martin Schulz in Herne

Aufbruchstimmung und Kampfansagen – Das sagt die SPD-Basis

Martin Schulz in Herne: Aufbruchstimmung und Kampfansagen – Das sagt die SPD-Basis

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HerneIm historischen Volkstheater in Wanne-Eickel scheint alles möglich. Wenn sich „Ronaldo und Julia“, ein Schalke-Fan und eine Dortmund-Anhängerin, allen Widrigkeiten zum Trotz hier in einer Aufführung im Mondpalast verlieben können, warum dann nicht auch hier den Wahlkampfauftakt des – so hoffen die meisten Anwesenden in diesem Moment – nächsten sozialdemokratischen Bundeskanzlers ausrufen?

Mit Stolz in der Stimme und sichtlich euphorisiert begrüßt die SPD-Abgeordnete Michelle Müntefering die Anwesenden mit einem standesgemäßen „Glück auf“. Knapp 500 Menschen goutieren den traditionellen Bergmannsgruß mit lautem Applaus. Hier im Ruhrgebiet, dem einstigen Herzen der Sozialdemokratie, soll er also beginnen, der Neustart für die SPD.

Dafür steht SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

Präsenz

Schulz verdankt seinen Aufstieg in Brüssel Eigenschaften, die ihm Freunde und Gegner gleichermaßen zuschreiben: Ehrgeiz, Arbeitseifer, klare Sprache, Machtbewusstsein. Vor allem als EU-Parlamentspräsident und als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der Europawahl 2014 schärfte er nicht nur sein eigenes Profil, sondern gab Europa eine starke Stimme. Der Christsoziale Manfred Weber würdigte Schulz zum Abschied aus Brüssel als kraftvollen und durchsetzungsstarken Europäer.

Klare Botschaften

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat gilt als Politiker, der Streit nicht aus dem Weg geht. Zuletzt übte er zum Beispiel heftige Kritik am EU-Mitgliedsland Ungarn und dessen Referendum zur Flüchtlingspolitik. Wachsenden Nationalismus und Rechtspopulismus verurteilte er scharf und verlangte Einsatz für das europäische Gesellschaftsmodell gegen die „Feinde der Freiheit“. Seine eigene Partei mahnt er, normalen Menschen zuzuhören und auf ihre Nöte einzugehen. Die Krise der EU trieb ihn um – wobei er gerne die Brüsseler Perspektive einnahm und vor allem den Streit der Mitgliedsstaaten kritisierte.

Anpacken

Obwohl das Amt als EU-Parlamentspräsident eher zeremoniell angelegt ist, präsentierte sich Schulz als Macher. Ein Beispiel: der Handelspakt Ceta mit Kanada. Im Herbst überzeugte er die vom Streit mit der Wallonie völlig entnervte kanadische Ministerin Chrystia Freeland, ihre Abreise zu verschieben und sich noch ein letztes Mal mit ihm zu treffen. Fernsehkameras standen bereit, das Überraschungsgespräch im Morgengrauen zu dokumentieren. Letztlich wartete Kanada die europäischen Kapriolen dann geduldig ab, und das Abkommen kam doch noch zustande.

Allianzen

In Brüssel und Straßburg stand Schulz für die informelle große Koalition mit der Europäischen Volkspartei und deren Vorsitzendem Weber. 2014 unterzeichneten beide einen Pakt, der Schulz bei der Wiederwahl zum Parlamentspräsidenten EVP-Stimmen sicherte. Dafür sollte er im Januar 2017 seinen Posten für einen EVP-Kandidaten räumen. Es ging aber nicht nur um Personal: Die beiden größten Fraktionen sahen den Pakt als Mittel, in Europa stabil und effizient Politik zu machen und der EU-Kommission zu Mehrheiten zu verhelfen.

Machtanspruch

Kleinere Parlamentsfraktionen wie die Grünen oder Linken fühlten sich in der Ära Schulz an den Rand gedrängt und ignoriert. Auch wurden Schulz Eigenmächtigkeiten vorgeworfen – sowohl inhaltlich, wenn er für das Parlament sprach, als auch bei der Besetzung von Spitzenposten im Haus. Etliche Abgeordnete zeigen sich nun erleichtert, dass neue Zeiten anbrechen.

Für Martin Schulz ist der Auftritt ein Heimspiel. Nicht nur weil seine Schwiegermutter in Wanne-Eickel geboren sei, wie er betont. Er braucht ein paar Minuten, aber dann besinnt Schulz sich auf seine Wurzeln in NRW und ist ganz da.

Anders als bei seinem Interview mit der Moderatorin Anne Will am vergangenen Sonntag wirkt Schulz im kleinerem Rahmen gelöst. Er spricht mit viel Nachdruck und aus Überzeugung. So wirkt es zumindest auf die Anwesenden. Die verfallen genau an den richtigen Stellen in lautes Klatschen. Etwa wenn Schulz davon spricht, dass das „hart arbeitende Volk“, das die „Republik und die Demokratie“ trage, auch etwas vom wirtschaftlichen Aufschwung haben sollte. Dass keiner zurückgelassen werde.

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Das Wort „Gerechtigkeit“ hat der designierte SPD-Vorsitzende zu seinem Mantra erklärt. Mit dem Urgedanken der Sozialdemokratie will Martin Schulz die Wahl gewinnen.

Herne ist SPD-Hochburg. Bei der Bundestagswahl 2013 erhielten die Sozialdemokraten hier 44,2 Prozent der Zweitstimmen. Michelle Müntefering gewann mit 48,5 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. Aber auch in der Stadt zwischen Dortmund, Bochum und Gelsenkirchen sind die Zeiten, als die Sozialdemokraten noch Zweidrittel-Mehrheiten erreichten, seit vielen Jahren vorbei.

Parteiinterne Skandale und Mitgliederschwund gefährden die Vormachtstellung der SPD im Revier. Zumal die AfD in der strukturschwachen Region aktiv auf Wählerfang bei den Genossen geht. All das soll Martin Schulz nun richten. Es ist der erste Besuch an der Basis, den Schulz, seit Montag vom Parteivorstand als Kanzlerkandidat nominiert, absolviert. Hunderte Neueintritte in die Partei gab es seither.

Kommentare (23)

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Herr Wolfgang Wüst

02.02.2017, 08:47 Uhr

Ohne wenigstens 10-12 der sogenannten Spitzen-SPD'lers aus deren Ämtern zu schmeisen (ersatzlos!), wird das mit einem neuen Schulz als Zugpferd nichts werden.

Diese Partei ist verkrustet und in Selbstbeschäftigung erstarrt.

Herr Michael Müller

02.02.2017, 08:56 Uhr

Schulz führt automatisch zu noch mehr EU-Reglementierung in Deutschland und Deutschland wird noch mehr an die EU überweisen müssen als bisher!

Die Zahlungsausfälle durch den Brexit (Nettozahler!) muß irgendjemand kompensieren und Griechenland wird es ganz sicher nicht sein!

Italien wird monetäre Forderungen an die EU stellen um einen Itaexit zu vermeiden.

Griechenland wird weitere Milliarden kosten.

Frankreich wird Wahlgeschenke erwarten.

Deutschland wird noch mehr Flüchtlinge aufnehmen.

Die Ukraine braucht frisches Geld.
...
Wer wird das alles und noch viel mehr bezahlen? Größtenteils DEUTSCHLAND!

Durch Schulz wird Deutschland noch mehr seiner Eigenständigkeit verlieren. Egal ob Schulz Kanzler oder Vizekanzler wird.

Wir haben noch EINE Alternative. Bei den übernächsten Wahlen vermutlich nicht mehr, denn dann ist es zu spät!

Herr Holger Narrog

02.02.2017, 09:25 Uhr

Ich gehe davon aus dass Herr Schulz die marxistischen und ökoreligiösen Herzen der SPD Funktionäre, Basis und der regelmässig ökosozialistisch sozialisierten Journalisten der Qualitätsmedien erfreut.

Die Sachziele des Herrn Schulz richten sich gegen die urdeutsche Normalbevölkerung und damit die Wählerbasis der SPD.
- Aktive Rolle bei der Einwanderungs/Umvolkungspolitik von Fr. Merkel.
- Aktivitäten zur Umverteilung innerhalb der EU zu Lasten der deutschen Gesellschaft.
- Noch mehr Umverteilung innerhalb Deutschlands zu Lasten der urdeutschen Normalbevölkerung.

Insofern ist die Frage inwieweit die Wähler Sachargumente in Ihre Entscheidung einfliessen lassen. Es ist zu hoffen dass diese mit dem Restverstand der SPD die rote Karte zeigen.

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