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04.10.2017

10:59 Uhr

Martin Schulz in Niedersachsen

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Kann der Verlierer der Bundestagswahl seiner Partei den nötigen Schub verleihen? In Cuxhaven starten die Genossen in die heiße Phase des Landtagswahlkampfs – auch für Schulz selbst ist ein gutes Abschneiden sehr wichtig.

Bei der Landtagswahl in Niedersachsen möchte die SPD die herbe Niederlage von der Bundestagswahl überwinden und weiterhin den Ministerpräsidenten stellen. Besonders die Auftritte von Martin Schulz werden mit großer Spannung erwartet. dpa

Martin Schulz

Bei der Landtagswahl in Niedersachsen möchte die SPD die herbe Niederlage von der Bundestagswahl überwinden und weiterhin den Ministerpräsidenten stellen. Besonders die Auftritte von Martin Schulz werden mit großer Spannung erwartet.

HannoverDie SPD startet an diesem Mittwoch in die heiße Phase des niedersächsischen Landtags-Wahlkampfs – und der Auftritt ihres Vorsitzenden Martin Schulz wird mit besonderer Spannung erwartet. Denn es ist Schulz' erste Rede nach dem Erscheinen einer „Spiegel“-Reportage, in der er als Zweifler beschrieben wird, der die Bundestagswahl schon früh verloren gegeben hat.

Schulz muss seiner in die Opposition gehenden Partei aber Kraft und Zuversicht vermitteln, will er auf dem Parteitag im Dezember im Vorsitzendenamt bestätigt werden. Nach der Niedersachsen-Wahl in knapp zwei Wochen dürfte Bewegung in die Debatte über seine Zukunft kommen – so oder so.

Niedersachsens Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl

Stephan Weil

Als Niedersachsens Ministerpräsident führt SPD-Landeschef Stephan Weil (58) seine Partei mit einem Amtsbonus in den Wahlkampf. Der frühere Oberbürgermeister von Hannover, der seit 2013 an der Spitze der rot-grünen Landesregierung steht, strahlt gerne Souveränität und norddeutsch-kühle Gelassenheit aus. Kritik seiner politischen Gegner lässt der in Hamburg geborene Jurist gerne mit einem Lächeln an sich abperlen. Der verheiratete Vater eines Sohnes und bekennende Fußballfan ist seit Januar 2012 Landeschef der SPD, in die er 1980 eingetreten war.

Bernd Althusmann

Niedersachsens CDU setzt bei der Landtagswahl auf Bernd Althusmann. Der in Oldenburg geborene Pfarrerssohn wohnt in Lüneburg und soll die CDU wieder an die Macht in Niedersachsen bringen. Er gilt als sachlicher Typ, der sowohl Regierungserfahrung wie auch - als mehrjähriger Leiter eines Stiftungsbüros in Afrika - ein Stück internationale Erfahrung vorweisen kann. Der 1990 in die Partei eingetretene Reserve-Offizier hat Pädagogik studiert. Der 50-Jährige ist zweiter Ehe verheiratet und hat in seiner Patchworkfamilie zwei Kinder aus erster Ehe und eins mit seiner neuen Frau, die selbst zwei Kinder aus erster Ehe hat. Von 1994 bis 2009 gehörte er dem Landtag an, bevor er erst Kultus-Staatssekretär, dann Kultusminister wurde.

Stefan Birkner

Der eher stille, akribische FDP-Landesvorsitzende gilt als umsichtig, sachlich und besonnen. Von Januar 2012 an bis zum Regierungswechsel 2013 war der verheiratete zweifache Vater Niedersachsens Umweltminister. Im Landtag wurde der 44-Jährige als Nachfolger des in den Bundestag wechselnden Christian Dürr gerade zum neuen Fraktionschef gewählt. Auf dem in der Schweiz geborenen Juristen lastet hoher Druck: 2013 hatte er mit 9,9 Prozent der Stimmen ein unerwartet hohes FDP-Ergebnis eingefahren, das er halten und ausbauen will. Dabei setzt er auch auf Rückenwind von der Bundestagswahl.

Anja Piel

Die aus Lübeck stammende Industriekauffrau steht seit 2013 an der Spitze der Grünen-Fraktion im niedersächsischen Landtag und lebt im Kreis Hameln. Zu den Grünen fand sie Ende der 1990er Jahre über den Atomprotest, einem bestimmten Flügel will sich die als kommunikativ und offen geltende Piel nicht zurechnen lassen. Die 51-Jährige war von 2010 bis 2013 Landeschefin der Grünen und kandidierte erstmals für den Landtag 2013 - die Grünen erzielten damals mit 13,7 Prozent ihr bestes Niedersachsen-Ergebnis. Zuvor war die verheiratete Mutter zweier Kinder Fraktions-Geschäftsführerin der grünen Ratsfraktion in Hameln, wo sie am Aufbau des dortigen Mütterzentrums mitwirkte.

Anja Stoeck

Niedersachsens Linke wird von der Physiotherapeutin Anja Stoeck in den Wahlkampf geführt. Die in Winsen/Luhe wohnende Mutter von sieben Kindern hat sich nach eigenen Angaben bereits früh politisch engagiert. Sie war bis 1989 SPD-Mitglied, bevor die 51-Jährige dann 2005 - „hochschwanger mit dem vorletzten Kind“ - zum Linke-Vorläufer WASG (Arbeit & soziale Gerechtigkeit –Die Wahlalternative/WASG) wechselte. Die in Hamburg geborene Stoeck bildet auf Landesebene mit der Bundestagsabgeordneten Pia Zimmermann die erste weibliche Doppelspitze der Linkspartei. Sie fordert zur Finanzierung ihrer Wahlkampfversprechen eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer.

Dana Guth

Die AfD versucht mit der 47-jährigen Immobilien- und Versicherungsmaklerin Dana Guth als Spitzenkandidatin erstmals in den niedersächsischen Landtag einzuziehen. In die Partei eingetreten ist die in Herzberg am Harz wohnende Guth im Jahr 2016, sie wurde wenig später bereits AfD-Vorsitzende im Kreis Göttingen. Auslöser für ihren Parteieintritt war nach ihren eigenen Angaben der massive Flüchtlingszuzug in Deutschland im Jahr 2015. Die in Mehrow (bei Berlin) geborene Guth gehörte dabei früh schon der parteiinternen Opposition an – die verheiratete zweifache Mutter galt bisher als Kritikerin des AfD-Landesvorsitzenden Paul Hampel.

In Cuxhaven will er seiner Partei am Abend (19 Uhr) das Startsignal für die heiße Phase des Landtagswahlkampfs geben. Gemeinsam mit dem SPD-Landeschef, Ministerpräsident Stephan Weil, will er Stimmung machen, um den geschrumpften Rückstand zur Union ganz aufzuholen. Nach der jüngsten Meinungsumfrage liegt die SPD mit 34 Prozent nur einen Prozentpunkt hinter der bislang oppositionellen CDU von Herausforderer Bernd Althusmann.

Für Weil geht es um den Machterhalt. Für eine Fortsetzung seines rot-grünen Bündnisses stehen die Chancen nach der Umfrage derzeit eher schlecht. Im Amt halten könnte er sich aber an der Spitze einer großen Koalition mit der CDU oder wenn eine rechnerisch derzeit mögliche Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP zustande kommen sollte – die die FDP bisher allerdings ablehnt.

Als dritte Koalitionsoption hätte zurzeit eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen theoretisch eine Mehrheit – eine Konstellation, der aber mit Blick auf die Grünen CDU wie FDP ablehnend gegenüberstehen.

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Die Landtagswahl am 15. Oktober ist der erste Stimmungstest nach der Bundestagswahl drei Wochen zuvor. Die SPD hat dabei mit 20,5 Prozent ihr schlechtestes Nachkriegsergebnis eingefahren. Schulz hat den Gang in die Opposition angekündigt und vergangene Woche in einem Rundschreiben eine grundlegende Neuorientierung seiner Partei gefordert.

Von

dpa

Kommentare (10)

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Herr Günther Heck

04.10.2017, 11:09 Uhr

Dumm, dümmer, Politiker oder so ähnlich!

Herr Günther Schemutat

04.10.2017, 11:11 Uhr

Das Schulz systematisch von der SPD und vor allem Gabriel innerhalb eines Jahres abgewählt wurde ist doch mittlerweile bekannt. Ob die SPD die Wahl in Niedersachsen gewinnt oder nicht , hat nichts aber wirklich nicht mit Schulz zu tun.

Jeder weiß ich bin alles andere als ein Sozialdemokrat, aber Schulz kommt vom Boden, hat sich hochgearbeitet und mühsam durchgesetzt in der Politik . Dazu
kommt eine gefährliche Gutmütigkeit, die ihn nun auch den Parteivorsitz kostet.

Wer dann kommt …. ist schon sicher. Mit Palmenwedeln wird man Gabriel wieder auf den Thron setzen. Was für eine Partei , die sich laut Selbstbeweihung für die Armen und Schwachen einsetzt und einen Armen und Schwachen ausmustern will.

Novi Prinz

04.10.2017, 11:20 Uhr

Kann der Verlierer der Bundestagswahl seiner Partei den nötigen Schub verleihen?

Ja , kann er ! Schub ist Schub egal in welche Richtung !

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