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19.03.2017

09:56 Uhr

Martin Schulz wird SPD-Chef

Gefühl geht vor Inhalt

VonMartin Greive

Martin Schulz steht vor der vielleicht wichtigsten Rede seines Lebens. Bei seiner Kür auf dem Parteitag zum neuen SPD-Chef und Kanzlerkandidaten heute wird er deshalb voll auf Gefühl setzen – und wenig auf Inhalte.

Schulz soll am Sonntag bei einem Sonderparteitag der SPD zum Parteivorsitzenden gewählt und offiziell als SPD-Kanzlerkandidat nominiert werden. dpa

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

Schulz soll am Sonntag bei einem Sonderparteitag der SPD zum Parteivorsitzenden gewählt und offiziell als SPD-Kanzlerkandidat nominiert werden.

BerlinMartin Schulz ist derzeit nicht zu bremsen. Unter seiner Führung jagt die SPD von einem Umfragehoch zum anderen. Am diesem Sonntag erreicht der Schulz-Hype nun seinen vorläufigen Höhepunkt: Die Krönungsmesse für den neuen Heilsbringer der SPD steht an. Auf einem Sonderparteitag in Berlin wird Schulz zum neuen Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten der SPD gewählt.

Es wird ein Parteitag der großen Gefühle. Schulz wird die Parteiseele streicheln, und ihm werden die Herzen der Genossen dafür zufliegen. Wer sich dagegen endlich Klartext vom Kanzlerkandidaten zu seinen Inhalten erhofft, wird enttäuscht werden. Inhalte werden in Schulz' Rede keine große Rolle spielen. Über die bereits gemachten Vorschläge für ein Arbeitslosengeld Q und kostenlose Kitas wird es wohl nichts geben. Gefühle gehen vor Inhalt – auch wenn der Druck auf Schulz zuletzt größer wurde, sich inhaltlich stärker zu positionieren.

Martin Schulz – ein Politikerleben

Startschuss

1974 tritt Martin Schulz in die SPD ein.

Bürgermeister

1987 bis 1998 war der gelernte Buchhändler Bürgermeister der Stadt Würselen bei Aachen.

EU-Parlament

Ab 1994 war Martin Schulz Mitglied des Europäischen Parlaments.

In der Partei

Seit 1999 gehört er dem SPD-Parteivorstand und dem Parteipräsidium an.

In Straßburg und Brüssel

Von 2004 bis 2012 ist Schulz Vorsitzender der Sozialistischen Fraktion im Europaparlament.

Präsident

Seit 2012 stand er als Präsident dem EU-Parlament vor – im November 2016 kündigt er seinen Wechsel in die Bundespolitik an.

Spitzenkandidat

Nach dem Rückzug von Parteichef Sigmar Gabriel soll Schulz die SPD in den Bundestagswahlkampf 2017 führen.

Eine Rede auf einem Wahlparteitag ist jedoch nicht dafür da, ein Regierungsprogramm zu entwerfen. Ein neuer Parteivorsitzender und erst recht ein Kanzlerkandidat muss seinen Auftritt dafür nutzen, sich in die Herzen der eigenen Leute zu reden, zu mobilisieren, kurz: Aufbruchsstimmung zu erzeugen. Technische Feinheiten wie die beste Weiterentwicklung der Emissionshandelsrichtlinie würden in einer solchen Rede nur wie ein Fremdkörper wirken.

Politik besteht stark aus Worten, mit ihnen wird politische Realität geschaffen. Schulz hat in den vergangenen Tagen schon ein wenig durchblicken lassen, welche Realität er an diesem Sonntag seiner Basis beschreiben wird.

Er sieht den Wahlkampf in diesem Jahr nicht als gewöhnlichen Wettbewerb zwischen Parteien um die Macht. Für Schulz ist der anstehende Wahlkampf auch ein Kampf um die Demokratie: Der Parlamentarismus werde von den Demokratiefeinden angegriffen, sagte er in einer Rede am Mittwoch in Wolfenbüttel. Deshalb müsse die Demokratie verteidigt werden. Und wer, wenn nicht die SPD, steht in der deutschen Geschichte dafür?

SPD-Kanzlerkandidat: Martin Schulz auf dem Weg zum Thron

SPD-Kanzlerkandidat

Premium Martin Schulz auf dem Weg zum Thron

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bereitet sich auf die Wahl zum Parteichef am Sonntag vor. Seine Berater erwarten, dass der Hype weiter anhält. Doch Demoskopen warnen, dass er den falschen Schwerpunkt setzt.

So twitterte Schulz am Vorabend seiner Wahl, er denke mit Demut zurück an die großen SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, Willy Brandt und Otto Wels. Wels war es, der als einziger im Reichstag nach dem Reichstagsbrand Adolf Hitler 1933 die Stirn geboten hat. „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“, dieser legendäre Satz war eine Sternstunde im dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte.

Schulz wird die SPD an ihre besondere Verantwortung im Kampf gegen Rechts erinnern und den Bogen zu heute spannen. Er wird erklären, welche Gefahr von den Populisten unserer Zeit ausgeht, dass es aber auch Hoffnungszeichen gibt: Allen voran die zuletzt 12.000 Eintritte in die SPD überwiegend junger Menschen, die sich engagieren wollen, um Populisten wie Donald Trump und Europa-Gegnern wie der AfD etwas entgegenzusetzen.

Und natürlich wird sich in Schulz' Rede wieder viel um das Thema soziale Gerechtigkeit drehen. Er wird betonen, dass die SPD diejenigen vertreten muss, die den Wohlstand im Land erarbeiten, davon aber nicht allzu viel haben. Viel konkreter wird er der Kanzlerkandidat wohl nicht werden. Am Sonntag ist das auch völlig in Ordnung. Ab Montag aber wird Martin Schulz neben Gefühl auch Inhalte liefern müssen.

Kommentare (7)

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Herr Günther Schemutat

19.03.2017, 10:54 Uhr

Martin Schulz will ein Europäisches Deutschland wie er sagte und das heißt übersetzt ,die vereinigten Staaten von Europa mit einem Bundesstaat Deutschland.

Das wird nicht aufgehen , denn wirtschaftlich gehen wir durch Trump auf eine wirtschaftliche Krise zu, verbunden mit vielen Arbeitslosen. Eigentlich das Klientel der SPD ,aber das war mal früher. Die Merkel Müdigkeit in der Bevölkerung und ihre Welt
die sie sich selber gebaut hat ..alle die hier leben sind das Volk.. was auch für Amri und Co gilt , macht immer mehr Angst .

Mittlerweile hat man das Gefühl , dass römische Reich ist wieder aufgestanden . Mit Merkel als Cäsar die alles nach ihren Wünschen regelt und das Volk und Medien müssen sie loben aber nicht kritisieren.

Übrigens gibt es die Cäsaren Auferstehung auch in den Ländern. Ole v beust der die CDU durch Wahlbetrug so ins Bein geschossen hat, dass die CDU nie wieder hoch kommt, hat sich ein Denkmal gesetzt und nun will Scholz ein 200 m hohes Hochhaus als Denkmahl sich selber setzen.

Mit Schulz der durch und durch Europäer ist wird es mit Trump auch nicht einfach werden. Denn Trump der eine alte Steuererklärung vorlegte ,wo er von 150 Millionen Dollar Verdienst und 38 Millionen Steuern zahlte. wird mit Leuten die Steuern mehr oder weniger verprassen und selber keine Steuern zahlen , nicht auskommen.

Schulz wird heute auf den Sockel gesetzt , Merkel vom Sockel langsam gestürzt . Mit ihr kann man keine Wahlen gewinnen , sie hat über die Köpfe der Deutschen gegen sie regiert.

Herr Heinz Keizer

19.03.2017, 11:45 Uhr

Schulz macht Wahlkampf gegen seine eigene Partei - zur Erinngerung, die ist an der Regierung beteiligt - und die Menschen gehen ihm auf den Leim. Es geht nur um Gefühle, um Fakten schon lange nicht mehr. Die werden interpretiert, wie man sie braucht. Falls Schulz es schafft, dass die SPD stärkste Partei wird, hat er mehrere Optionen um Kanzler zu werden. Merkel ist dann weg vom Fenster. Deutschland kann sich auch ohne Merkel abschaffen, vielleicht sogar noch schneller.

Herr Michael Mouse

19.03.2017, 11:48 Uhr

Schulz oder irgendjemand. Letztendlich spielt es keine Rolle. Nach oben kommt nur, wer den großen Verlags und Medienhäusern genehm ist. Wir alle wissen das die Medien in der Lage sind jeden Politiker "zurecht zu Stutzen".
Also müssen Politiker sich... "Arrangieren" . Wie sagte schon Tolstoi :
"" Man könnte die Unterordnung eines ganzen Volkes unter wenige Leute noch rechtfertigen, wenn die Regierenden die Besten Menschen wären ! Aber das ist nicht der Fall und kann es Nie sein. Es Herrschen häufig die Schlechtesten, Unbedeutendsten, Grausamsten und Sittenlosesten und besonders die Verlogensten Menschen. Und das dem so ist, ist kein Zufall !!!!

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