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12.03.2013

10:16 Uhr

Martin Wansleben

„Jugendliche müssen flexibler werden“

VonBarbara Gillmann

Martin Wansleben ist Hauptgeschäftsführer vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Im Interview spricht er über unreife Jugendliche, die Vielzahl an möglichen Berufen und Praktika – auch für die Berufsschullehrer.

Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. dpa

Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

Die Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel – bildet aber zugleich weniger aus. Was läuft schief?

Das Angebot der Unternehmen an Ausbildungsplätzen ist weitgehend stabil – aber es gibt immer weniger ausbildungsreife Jugendliche, nicht zuletzt wegen der demografischen Entwicklung.

Der Anteil der Betriebe, die überhaupt noch ausbilden, ist seit 2008 von 24 auf noch knapp 22 Prozent gefallen.

Viele kleine und zunehmend auch mittelständische machen zunehmend die Erfahrung, dass sie entweder gar keine geeigneten Bewerber haben, Jugendliche ihre Stelle nicht antreten, sich als ungeeignet erweisen oder aber die Ausbildung abbrechen. Wer das mehrfach erlebt hat, verliert die Motivation zum Ausbilden, denn die Suche ist vor allem für kleine Betriebe sehr aufwendig. Unterm Strich wird aber die gesamte Wirtschaft leiden, denn die Großbetriebe alleine können die Ausbildungslücke durch eigene Aktivitäten nicht füllen.

Warum sind zeitgleich Zehntausende Lehrstellen unbesetzt und Zehntausende, wenn nicht hunderttausend geeignete Bewerber unversorgt?

Weil wir zunehmend das Problem haben, dass die Jugendlichen nicht dort sind, wo freie Ausbildungsplätze auf sie warten. Es gibt zum Beispiel nur in den Ballungszentren Lehrlingswohnheime, aber kaum auf dem flachen Land. Zudem interessieren sich die Jugendlichen oft nur für eine Handvoll Berufe – es gibt aber insgesamt 345 Ausbildungsberufe. So wollen viele Bankkaufmann werden, der Beruf des Investmentfonds- oder Immobilienkaufmann ist dagegen viel weniger bekannt.

Was muss geschehen?
Die Jugendlichen selbst müssen flexibler und mobiler werden. Das geht aber nur, wenn die Schulen die Berufsorientierung endlich systematisch und strukturiert betreiben. Es müssen auch viel mehr Lehrer Praktika in den Betrieben machen, um den Unterricht praxisnäher zu gestalten. Das muss flächendeckend passieren, um gegen den negativen Trend anzukommen.

Die Betriebe sind unschuldig?

Die Unternehmen bilden schon heute weit mehr schwache Schulabgänger aus als früher, bieten verstärkt Praktika an und kooperieren intensiver mit den Schulen. Von heute auf morgen ist die Herausforderung aber nicht zu nehmen.

2012 sind erneut 266 000 Schulabgänger im „Übergangssystem“ gelandet, also in Kursen, wo sie ausbildungsreif gemacht werden, einen Abschluss nachholen oder schlicht überwintern.

Das sogenannte Übergangssystem ist weder ein Übergang, noch hat es System. Wir sind überzeugt, dass von diesen Jugendlichen mindestens 100.000 sofort eine betriebliche Ausbildung oder zumindest eine Einstiegsqualifizierung im Betrieb beginnen könnten. Leider senden aber manche Lehrer die Botschaft aus: macht lieber noch ein Jahr Schule – anstatt für die duale Ausbildung zu werben. Und so gehen dann auch viele Jugendliche, die eigentlich das Zeug für einen guten Auszubildenden haben, zunächst diesen vermeintlich einfacheren Weg. Es wäre gut, wenn auch die BA noch stärker darauf drängt, dass ausbildungsreife Jugendliche unmittelbar in die Betriebe gehen.

Was bedeutet das alles für den Standort Deutschland?

Wir müssen die Herausforderung „Keiner darf verloren gehen“ noch ernster nehmen.

Kommentare (5)

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Gast

12.03.2013, 10:42 Uhr

Ein sehr wirrer Herr. Hintergründe und Recherche zu einem Thema? Braucht man nicht, Hauptsache man hat einen Wichtigen Namen.

salpeter

12.03.2013, 11:09 Uhr

"Viele kleine und zunehmend auch mittelständische machen zunehmend die Erfahrung, dass sie entweder gar keine geeigneten Bewerber haben, Jugendliche ihre Stelle nicht antreten, sich als ungeeignet erweisen oder aber die Ausbildung abbrechen." - Immer mehr junge Leute bleiben im Partens-Home weil es ja keine Miete kostet auch dann, wenn die Endlichkeit absehbar ist. Smartphone, iPhone (idiotenphone) sind eben more-easy als ein berufliches/gesellschaftliches Ziel mit all seinen heute mehr denn je unabsehbaren Hürden und Zwischenereignissen, zu erreichen. Doch der Herr berichtet äußerst EINSEITIG, schiebt einfach Schuld der anderen Seite zu.

Account gelöscht!

12.03.2013, 12:06 Uhr

salpeter
ich kann Ihnen in vielen Punkten zustimmen.
Herr Wansleben sollte mal nicht via Presse irgend was in den Raum stellen, sondern die Ursachen wirklich benennen
Es liegt weniger am demografishen Faktor, als an der immer schlechter werdenden Unerrichtung in unsern Schulen.
Es geht doch in den Schulen zu, wie auf dem Rummelplatz.
Von Ordnung, Anstand keine Rede. Lerninhalte? Immer weiter nach unten
16jährige sind nicht in der Lage, drei Sätze hintereinander zu sagen
Und so lange man mit 16 nach Schulende sofort zu ARGE laufen kann, so lange wird sich nichts ändern
Die Spaßgesellschaft halt. Der Staat soll es machen.
Also Herr Wansleben, auf gehts, gehen Sie mal an diverse Schulen, dann sehen Sie, warum Sie keine Lehrlinge kriegen. Und dann nehmen Sie sich mal die Grünen zur Brust, die diesen Unsinn zu verantworten haben

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