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30.09.2015

21:23 Uhr

Marwan aus dem Irak

„Die Bürokratie in Deutschland! Jeden Monat neue Papiere“

Marwan kam vor vier Monaten aus dem Irak nach Deutschland. Die Reise hat ihn 10.000 Dollar gekostet. Doch er sieht keine Perspektive, seine Familie bald nachzuholen. So hat er beschlossen, das Land wieder zu verlassen.

Marwan ist ein 39-jähriger Lastwagenfahrer aus Sinjar im Irak. Und er ist Jeside, eine religiöse Minderheit in der Region. Kevin O'Brien

Marwan

Marwan ist ein 39-jähriger Lastwagenfahrer aus Sinjar im Irak. Und er ist Jeside, eine religiöse Minderheit in der Region.

Ich habe im Rathaus in Sinjar gearbeitet und dort einen der Lastwagen gefahren. Wir haben die Straßen gesäubert. Ich war Fahrer eines weißen Kippladers. Das habe ich sechs Jahre lang gemacht bis ich am 1. Mai diesen Jahres nach Deutschland gekommen bin. Sinjar ist eine kleine Stadt mit ungefähr 400.000 Bewohnern, in der zum größten Teil Jesiden leben. Ich finde Berlin ist ein sehr saubere Stadt. Aber Sinjar war noch sauberer als Berlin. Es ist eine wunderschöne Stadt.

Rekordzahlen zur Flüchtlingskrise

500.000

Mehr als 500.000 Menschen haben nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex zwischen Januar und August dieses Jahres bereits die Europäische Union erreicht. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es 280.000 Menschen.


Von den in der EU angekommenen Flüchtlingen haben dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) zufolge mehr als 411.000 das Mittelmeer überquert. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nannte sogar die Zahl von mehr als 600.000 Bootsflüchtlingen. Mehr als 3100 kamen demnach bei der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

466.000

So viele Flüchtlinge kamen der IOM zufolge in diesem Jahr bereits in Griechenland an.

137.000

Rund 137.000 Menschen landeten nach einer Überfahrt über das Mittelmeer in Italien.

200.000

Die ungarischen Behörden gaben die Zahl der seit Jahresbeginn in Ungarn angekommenen Flüchtlinge zuletzt mit 200.000 an. Die Schutzsuchenden kamen vor allem über die sogenannte Balkanroute ins Land.

160.000

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat vorgeschlagen, 160.000 Asylsuchende aus den Haupt-Ankunftsländern Griechenland, Ungarn und Italien auf die 28 EU-Mitgliedstaaten umzuverteilen. Juncker fordert eine verbindliche Quotenregelung für die künftige Flüchtlingsverteilung.

63.000

Rund 63.000 Flüchtlinge trafen seit Ende August am Münchner Hauptbahnhof ein - davon jeweils 20.000 an den beiden vergangenen Wochenenden.

1.000.000

Eine Million Flüchtlinge könnte Deutschland nach Aussage von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in diesem Jahr aufnehmen. Das Bundesinnenministerium geht offiziell weiterhin von 800.000 Asylbewerbern aus.

12.000.000

Offiziellen Schätzungen zufolge sind zwölf Millionen Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Davon gelten acht Millionen als im eigenen Land vertrieben, weitere vier Millionen flüchteten ins Ausland. Mehr als 250.000 Menschen wurden seit Ausbruch des Konflikts 2011 getötet.

Dem UNHCR zufolge sind die Hälfte der über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge Syrer. Die zweitgrößte Gruppe sind demnach Afghanen mit 13 Prozent, gefolgt von Eritreern mit acht Prozent. In Griechenland sind 70 Prozent der ankommenden Flüchtlinge Syrer und 19 Prozent Afghanen.

Ich bin hier alleine. Ich hab eine Frau und vier Kinder, die alle in einem Flüchtlingslager in Kurdistan sind. Unser Heimatort ist auf einem Berg namens Sinjar an der Grenze zwischen Syrien und dem Irak. Erst sind wir nach Syrien geflohen, dann weiter nach Kurdistan. Ich bin dann drei Monate in dem Camp in Kurdistan geblieben bis ich mit 40 weiteren Flüchtlingen über Schmuggler hierhergekommen bin – teilweise zu Fuß und teilweise im Taxi. Der Schleuser wusste genau, wie er uns hierher bringt, wohin wir laufen müssen, wie wir unauffällig bleiben. Die Reise hat mich 10.000 Dollar gekostet. Ein Freund von mir hat sogar 13.000 Dollar von der Türkei nach Deutschland bezahlt. Wir wurden den ganzen Weg lang begleitet.

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Meine Kinder heißen Milad, er ist 10 Jahre alt, Moni, sie ist acht Jahre alt und Milan, ein sechsjähriges Mädchen. Mein anderer Sohn, Anmar, ist vier Jahre alt. Ich telefoniere jeden Tag mit Ihnen. Es geht ihnen gut, aber sie vermissen mich und hoffen, dass ich zurückkomme. Ich werde auch zurückgehen. Ich glaube nicht, dass es hier eine Zukunft für mich gibt. Ich hab kein Geld und ich sehe auch keine Möglichkeit, hier Geld zu verdienen. Ich lebe im Moment in einem Flüchtlingsheim in Berlin in der Degnerstraße. Es ist ein gutes Heim. Aber ich gehe zurück, das habe ich beschlossen. Denn meine Familie kann ich nicht hierher bringen, weil wir kein Geld haben. Jeden Monat bekomme ich 350 Euro von der Regierung in Berlin. Ich glaube die Regierung wird dafür bezahlen, dass ich zurückgehe.

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