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09.04.2011

13:43 Uhr

Massenkarambolage

Staatsanwaltschaft sucht nach Unfallursache

Nach dem Massencrash auf der A 19 geht die Staatsanwaltschaft jetzt dem Verdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung nach. Daneben gibt der BUND der Agrarindustrie eine Mitschuld an dem verheerenden Unfall.

Verbrannte Fahrzeuge nach dem Massen-Crash auf der A 19. Quelle: Reuters

Verbrannte Fahrzeuge nach dem Massen-Crash auf der A 19.

RostockNach dem Massencrash nahe Rostock, bei dem in einem Sandsturm auf der Autobahn acht Menschen starben, hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. „Es besteht der Verdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung“, sagte Staatsanwältin Maureen Wiechmann. Experten der Prüforganisation Dekra sollen klären, „ob Autofahrer angesichts der Sandwand zu schnell oder zu unvorsichtig gefahren sind.“

Bis zum Wochenbeginn soll die Strecke in beide Richtungen wieder freigegeben werden. In Fahrtrichtung Berlin könne der Verkehr voraussichtlich schon wieder am Samstag ab 14.00 Uhr rollen, sagte Manfred Rathert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr am Samstag. Hier hatten keine Autos gebrannt, die Fahrbahn wurde nicht beschädigt. Lediglich die Arbeiten an der Mittelleitplanke müssten noch abgeschlossen werden, sagte er. In der Gegenrichtung nach Rostock sollen die zunächst provisorischen Reparaturen der Fahrbahn spätestens bis zum Montag abgeschlossen sein, sagte Rathert. Hier sei der Betonbelag durch die extreme Hitze stark beschädigt und müsse auf einer Fläche von etwa 600 Quadratmeter abgefräst und mit einer schnell auskühlenden Asphaltschicht erneuert werden.

Mehr als 20 Verletzte liegen nach dem Horrorunfall noch im Krankenhaus, Teile der Autobahn sind weggeschmolzen: Die Reparaturarbeitenwerden noch Tage dauern. Der Sandsturm hatte den Fahrern auf der A19 (Rostock-Berlin) am Freitag die Sicht genommen: 131 Menschen wurden verletzt. 80 Autos rasten ineinander, knapp 30 gingen in Flammen auf, auch ein Gefahrguttransporter brannte. Das Inferno richtete einen Millionenschaden an, schätzten Polizisten an der Unfallstelle.

Die genauen Identitäten der Toten waren bis Samstagmittag noch nicht geklärt. Nach Angaben der Staatsanwältin waren die Gutachter am Freitag bereits am Unfallort und beschlagnahmten etwa fünf Autos, um die Abfolge der Massenkarambolage zu klären. An der Spitze der Unfallkolonne in Richtung Rostock, wo es die stärksten Brände gab, sei auch einer der vier unfallbeteiligten Lastwagen gefahren.

Untersuchungen sollen mehrere Tage dauern

„Die Untersuchungen werden aber noch mehrere Tage dauern“, sagte Wiechmann. Es müssten Zeugen befragt werden, darunter auch Verletzte aus den Krankenhäusern. Die Toten und Verletzten kommen aus mindestens sechs Bundesländern, wie das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern am Samstag in Schwerin mitteilte. Betroffen seien Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Es könnten aber auch noch Menschen in den Unfallfahrzeugen gesessen haben, die aus anderen Bundesländern stammten.

Feuerwehrleute betrachten auf der gesperrten Autobahn A19 einen Sandsturm, der über die Autobahn fegt. Quelle: dapd

Feuerwehrleute betrachten auf der gesperrten Autobahn A19 einen Sandsturm, der über die Autobahn fegt.

Mittlerweile wird auch Kritik laut: Einen Tag nach dem Massencrash hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) der Agrarindustrie eine Mitschuld am Entstehen des Sandsturms gegeben. „Durch die jahrelange Vernachlässigung der Bodenstruktur haben die Böden immer weniger Humusgehalt, siede gradieren“, sagte der BUND-Agrarexperte Burkhard Roloff. Die obere Krume trockne durch die breite Verwendung von Kunstdüngern aus .Je geringer der Humusgehalt vor allem bei den leichteren Böden in der Nähe der Unfallstelle sei, desto einfacheres Spielhabe der Wind, sagte Roloff. Eine wesentliche Rolle spielten auch die riesigen Felder. „Die Knicks (Hecken) sind weg, das ist eine Altlast aus Ostzeiten“, sagte Roloff. Die Wind-Erosion sei auf den großen Feldern in Mecklenburg-Vorpommern viel größer als beispielsweise in Schleswig-Holstein, wo die Felder vergleichsweise eine noch überschaubare Größe haben.

Als "totalen Unsinn“ tat das der Präsident der Bauernverbands in Mecklenburg-Vorpommern, Rainer Tietböhl ab: In den vergangenen sechs Wochenhabe eine enorme Trockenheit geherrscht, „da kann kein Landwirt was dafür.“ Bei solchen Stürmen wie am Freitag sei jeder machtlos. „Das hat auch nichts mit großen Flächen zu tun. Das sagen Leute, die keine Ahnung von der Landwirtschaft haben“, ergänzte Tietböhl.

Von

dpa

Kommentare (4)

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bikerchris

09.04.2011, 13:53 Uhr

Jetzt sind die Landwirte schuld! Super! Schon mal dran gedacht: ZU SCHNELL - ZU WENIG ABSTAND ??? Bei plötzlich auftauchenden Hindernis innerhalb der Sichtweite anhalten können? Nicht der deutsche Autofahrer - der hat das nicht nötig. Und was dabei raus kommt siehe Bilder der Unfallstelle. Mein Mitgefühl für die Hinterbliebenen und Verletzten.

Account gelöscht!

10.04.2011, 07:43 Uhr

Die Ansichten von Roloff bzw. vom BUND sind wirklich einfach Unfug. Erstens kann man die Böden in M-V nicht mit den in S-H vergleichen, sind sind von Natur aus sandiger und trockener. Zweitens sind für die Sicherheit auf Straßen Bundes- und Landesämter zuständig, aber nicht die Bauern.

Nachwuchs

10.04.2011, 20:17 Uhr

Der Unfall war politisch und von den Experten gewollt. Sehe ich alte Straßen, sehe ich Sträucher und Bäume am Wegesrand. Dies ist wohl von den Genannten verboten worden, wenn man die Bilder sieht..

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